Also ich kanns ja wirklich überhaupt nicht leiden, wenn die Überschrift eines Artikels schon von getöteten Nationalitätsangehörigen spricht. Deutscher getötet. Türke getötet. Engländer getötet. Noch schlimmer wird das ganze, wenn noch eine wundertollige Lokalbestimmung dazu kommt: Deutscher in der Türkei getötet. Türke in Deutschland getötet. Engländer überall getötet.
Fassen wir also einmal einige der Getöteten zusammen:
1. Deutscher in Istanbul erstochen (MSN)
Ein 45-jähriger Tourist wurde durch einen *Trommelwirbel* gezielten Stich ins Herz getötet. Aufgrund des Buches, das ich schreibe, habe ich mich ein wenig mit Messerkämpfen und Dolchen beschäftigen müssen und: Es ist sehr, sehr schwierig, einen Menschen ins Herz zu treffen. Der Mörder hatte also entweder besonders viel Glück oder er war ein Auftragskiller. Oooder die Zeitung lügt. Wie immer.
2. Deutscher in Afghanistan getötet (SZ)
Müsste es nicht eigentlich heißen “zahlreiche Opfer des Krieges”? Nunja. Der “feige, hinterhältige Anschlag” (vgl. SZ Artikel) wurde dann und dann verübt, die Bundeskanzlerin zeigt sich natürlich betroffen, außerdem noch 12 weitere deutsche Opfer 2002. Passiert. Krieg halt. Wieso wundern sich die Leute darüber?
3. Nochmal der Deutsche, der in Istanbul getötet wurde (Focus)
Jetzt gehts auf einmal um 50 cent, die der Täter wollte und statt dem gezielten Stich ins Herz waren es viele Stiche in Herz- und Bauchgegend. “Die türkische Öffentlichkeit reagierte geschockt [...]” (vgl. Focus Artikel)
Eigentlich müsste man nun wohl annehmen, dass Deutsche entweder nicht sonderlich beliebt sind oder ganz besonders viel Pech haben. Noch eigentlicher gehts aber nur darum, was “berichtenswert” (vgl. Bourdieu) ist und deutsche Tote sind wohl interessanter als andersnationalitätische Tote.
Jetzt mal rein journalistisch betrachtet, ist es durchaus spannender für den Leser, wenn sie sehen, oh, in Istanbul wurde ein Landsmann getötet. Betroffenheit, Sorge, schnell ins Reisebüro, Urlaub stornieren. Dass dort täglich andere Menschen getötet werden? Gut, passt gar nicht alles in ne Zeitung, will keiner wissen.
Auch interessant: Flugzeug abgestürzt, 168 Tote, darunter 2 Deutsche. Betroffenheit. Natürlich wegen der Deutschen. Hier ein Interview mit einem, der einen kennt, der mit einem der Opfer früher in der Grundschule war. Ist halt die Nähe, die der gemeine Leser haben will. Wenns nun nur Iraner waren, dann rutscht das schnell in eine Nebenspalte.
Ich bezweifle allerdings, dass dieser Journalismus in Frankreich, England, den USA oder Grönland anders ist. Die Presse schreibt in erster Linie über Dinge, die uns hier auch betreffen können. Sieht man auch anders. Wie beim Erdrutsch in Sachsen-Anhalt. In der Regionalzeitung hier war ein großer Bericht darüber, dass dies hier auch vorkommen könnte.
Erinnert mich ein wenig an den "Witz" mit Hitler, der gefragt wird, warum er das mit den Juden gemacht hat. "Ach es waren doch nur 6 Millionen Juden und 2 Briten" … "2 Britten, Herr Hitler?" … "Sehen Sie? Niemand fragt nach den Juden."
Naja gut, mein Beispiel ist noch menschenfeindlicher als deine..
Ich hab gewonnen!^^
Ich winds auch immer doof… "in buckstehude wurden 50 Geiseln genommen, darrunter eine 5 köpfige deutsche familie" als wären die mehr wert. =/
Ich finde den fünfköpigen Deutschen aber noch besser. Ich sollte mehr schlafen oder besser lesen.
Hab ich da etwa Bourdieu gelesen….igitt igitt :D:D