Kennt ihr das: Ihr liegt im Bett, draußen ist es dunkel und so bewölkt, dass nicht einmal ein winziges bißchen Mondreflektion die Stadt erhellt. Eigentlich seid ihr müde, aber der Schlaf will und will nicht kommen, also tut ihr das Einzige, was euch einfällt – ihr starrt an die Decke und lauscht den Stadtgeräuschen.
Man müsste ja meinen, dass jede Stadt irgendwie gleich klingt, nicht wahr? Oder zumindest, dass .. sagen wir mal Berlin. Dass Berlin an Ort B genauso klingt, wie es an Ort K klingt. Ist aber nicht so. Jede Stelle, jede Minute, jeder Mensch beeinflusst die Stadtmusik und jede Nacht höre ich etwas anderes, obwohl ich immer am selben Ort liege. Heute Nacht war es ruhig. Es sind nicht viele Autos vorbei gefahren (nicht, dass hier generell viele vorbei fahren, aber heute Nacht waren es noch weniger), vereinzelt war das Gegröhle halb betrunkener, mittel betrunkener und voll betrunkener Leute zu hören, aber irgendwie verstummte selbst das nach kurzer Zeit wieder – als würden auch die Betrunkenen spüren, dass es eine besondere Nacht ist. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war und die Geräusche sich aus einem nicht zuordbaren Rascheln und leichtem Wind zusammen setzten, schlichen sie sich an. Ihre Schritte konnte ich nur kurz hören, aber dem Klang nach zu urteilen hatten sie natürlich obercoole Chucks an – aber nicht so cool wie meine.
Ein leises Klackern und Rasseln, dümmliches Gekicher und ein “Bist du fertig?” beendeten, was auch immer dort begonnen hatte und an dieser Stelle übermannte mich der Schaf, sodass ich mich nicht weiter damit beschäftigte. Eigentlich hätte ich mich vermutlich heute gar nicht mehr daran erinnert, aber … Als ich das Haus verließ und nichts ahnend meinen Blick nach li.. re.. mh, ich hab Seitenprobleme.. Meinen Blick nach da —> schweifen ließ, sah ich es: Das Monsterauto! Liebevoll mit Neonfarben besprüht – den Schriftzügen nach zu urteilen hat entweder eine Lena mitgewirkt oder jemand, der in eine Lena verliebt ist, eventuell fand aber dieser jemand den Namen auch nur so toll – eingedrückte Fensterscheiben, wildes Gekrakel, noch mehr Gekrikel. Wäre ich nicht so faul und hätte ich eine Kamera, würde ich euch das Auto fotografieren. So müsst ihr euch mit eurer Fantasie behelfen. Wie man es jedoch auch dreht und wendet: Heute war eine besondere Nacht, denn in die leise Stadtmusik, die jede Sekunde ein wenig anders klingt, mischten sich die Schreie des Neugeborenen – Lena, das Monsterauto.