Meine kritische Stimme

21.10.09

Sie ist übergroß und deformiert. Jede Art der Kritik an meiner Person ist übergroß. Sie befindet sich immer in der Vogelperspektive zu mir, ein Licht, eventuell von mir ausgehend, strahlt sie an. Ihr Gesicht ist zu einer Maske verzerrt und lacht mich aus. Es ist kein Auslachen angesichts meiner Dummheit, sondern vielmehr die Definition der Gehässigkeit, gegen mich gerichtet. Charakteristisch auch, dass sie niemals allein ist; sie umgibt sich stets mit Gleichgesinnten, die allesamt über mich lachen, mich durch ihr Lachen fertig machen wollen. Dadurch, dass es so viele sind, können sie mich umzingeln und mich somit einengen, bewegungsunfähig machen, während ihr ohrenbetäubendes Lachen mir meine Seele aus dem Mund reißt und sie vor meinen entsetzten Augen in Stücke fetzt. Meine kritische Stimme ist surreal und omnipräsent. Alles bewegt sich in ungeahnter Schnelle vorwärts, rückwärts, gegenmichwärts. Alles, was ich tun kann ist … ich kann nichts tun. Sie wohnt direkt neben meinem religiösen Schuldgefühl und ich hoffe, dass sie niemals gemeinsame Sache werden, denn das wäre die Schere, die das Seil des Damoklesschwertes ein für allemal durchtrennt.


Kategorie: Kurzgeschichte

Yo, turbo.

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