Ich mag gute Schauspieler. Um zu verstehen, wieso ich immer und immer wieder Filme von Pacino, De Niro et al. anschauen kann, muss man verstehen, was meiner Meinung nach einen guten Schauspieler ausmacht. Abseits davon, dass der Film eine Handlung haben muss, die einen fesselt, interessiert, einem den Atem verschlägt, sind es die Charaktere dieser Filme, die der ganzen Szenerie das wirkliche Leben einhauchen. Ein guter Schauspieler hat die Fähigkeit, die eigene Persönlichkeit hintanzustellen und in dieser neuen Person aufzugehen. Diese Unbeschwerlichkeit, diese immense Lockerheit, was die eigene Person angeht, die imponiert mir. Wenn ich daran zurückdenke, wie unbeschreiblich stur und ignorant ich manchmal sein kann, um meine eigene Position mit allen Mitteln, argumentativ bis an die Zähne bewaffnet, nur um keinen Fehler zuzulassen, verteidige, sind Schauspieler Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken, alles für das sie eigentlich stehen, über den Haufen werfen. Erst kürzlich habe ich in der Audiokommentarspur zu “Once upon a Time in the West” erfahren , dass Henry Fonda wenn ich mich nicht irre, in diesem Film den Bösewicht gespielt hat, einen kaltblütigen Frank, der eine ganze Familie abmurkst und quasi die Inkartion des ruchlosen Cowboys mimt. Wie auch immer, die Story ist zu lang; der Punkt ist, dass das gesamte Publikum von Fondas Rolle in dieser Position bis ins Mark erschüttert wurde. Die Aura um Fonda, Held zahlreicher Western-Filme, schillerende Figur eines moralisch einwandfreien Lebens, vernichtet, einfach so. Schauspieler. Das sind gute Schauspieler, sie schaffen immer wieder eine neue Basis für Identifikationen. Das erlaubt es einem De Niro gleichzeitig ein respektabler und gefürchteter Boss der Mafia zu werden, um kurz darauf ein Porträt eines Psychopaten abzugeben, um dann im nächsten Film ein Schwiegervater zu werden, der den Sohn in spe auf Schritt und Tritt zu beobachten. Gute Schauspieler.