Nachdem ich nun schon auf verschiedenen Blogs davon las und es auch noch gewittert wird, seh ich mich beinahe gezwungen, auch meinen Senf dazu zu geben. Warum man allerdings von Senf spricht, weiß ich nicht. Wer will schon Senf.
Auf dem nomnomnom Blog erschien ein Artikel, der dazu führte, dass die Journalistin Eva C. Schweitzer dem Blog eine Abmahnung schickte und insgesamt 1200 Euro Schadensersatz verlangt. Warum? Weil der Blog die Journalistin “zitiert” hat. So. Das wäre also eine in aller Kürze gefasste Beschreibung der Situation. Es scheint, als würde sich die gesamte Blogosphäre darüber aufregen – wie immer, wenn ein Blogger vom bösen Stab der Journalisten angegriffen wird. Ginge es hier tatsächlich nur um ein Zitat, würde ich dem auch voll zustimmen, Frau Schweitzer verteufeln und Partei für nomnomnom ergreifen – es geht aber nicht nur um ein Zitat. Der nomnomnom Blog hat drei Absätze des Artikels kopiert! Das ist ein Drittel des kompletten Textes! Hallo? Das geht doch nicht mehr als Zitat durch. Wieso wundert man sich da, wenn das rechtliche Konsekwenzen hat? Stellt euch vor, ihr wärt Frau Schweitzer – jeder von euch, der selbst gerne schreibt, wird meine Argumentation problemlos verstehen können – und stellt fest, dass jemand einen Großteil eures Artikels kopiert und selbst veröffentlicht hat – ohne Entgeld. Was soll denn das? Find ich nicht korrekt. Wer sich allerdings gerne mit dem “armen nomnomnom Blog” solidarisieren will, kann das entweder dort oder beim Spreeblick tun, der, für mich völlig unverständlich, tatsächlich auch von “Zitaten” spricht.
Ich finde es auch richtig, schliesslich leben gerade freie Journalisten von ihren Publikationen und es ist einfach nicht gerecht wenn so ein grosser Teil einfach kostenlos kopiert wird!
Vielleicht spricht man von Zitaten, weil in der Abmahnung das selbe Wort verwendet wird? (Ich habe sie nicht gelesen.) Ich stimme dir zu, was die unkritische Aufnahme vieler Blogger angeht, die wohl jede Abmahnung als Teufelswerk bezeichnen würden. Allerdings ist das Problem weniger, dass sich ein Journalist über fehlendes Entgelt ärgert, sondern die Mittel diesen Defizit zu erwirken. Abmahnungen sind im kleinen Rahmen sehr unfaire Mittel und richten oft erheblichen Schaden an; Wieso nicht einfach in einer knappen E-Mail darauf hinweisen, dass man das nicht richtig fände mit den Absätzen? Ich zweifle stark, dass der Blogger sich da geweigert hätte, sie zu löschen.
Abgesehen davon, dass ich mich durch ein Zitat – auch ein längeres – eher geehrt als bestohlen fühle (wenn man auf mich als Autor verweist), ist nur die Vorgehensweise einfach dreist, gleich eine Abmahnung zu schicken.
Man kann doch bitte IMMER zuerst einen Weg gehen, der ohne Anwalt usw. meist relativ leicht beschritten werden kann: Persönlicher Kontakt. E-Mail schreiben oder anrufen, Sache klären und dann ist das alles vom Tisch und niemand hat einen Schaden davon. Alles ganz einfach.
Es ist eine Unsitte, immer gleich mit einer Abmahnung zu kommen und genau darüber regen sich alle auf, so wie ich das verstehe. Und da muss ich sagen: Zurecht.
Wenn jemand nicht in so einem Ausmaß zitiert werden will, okay. Mich würde es nicht stören, aber ich verdiene auch kein Geld mit meiner Schreibe. Aber in 99% der Fälle würde jeder Blogger dafür verständnis haben und das Zitat wieder rausnehmen oder verkürzen, wenn er/sie höflich darum gebeten werden würde.
Ich sehe das wie Konna. Zum einen war es wohl ein Lob der Autorin, zum anderen kann man das auch erstmal anders regeln. So schneidet man sich eher ins eigene Bein.
Ich solidarisiere mich natürlich auch umgehend mit nomnomnom und ich teile deine Meinung nicht. Der Artikel wird verlinkt, vielleicht hätte man auf dem Blog auch noch den Autor nennen, ja. Aber warum genau erfolgt die Anzeige? Wird die Journalistin per Klicks (Hallo Google Analytics?) bezahlt?
Es wird ganz klar gesagt, dass es nicht der eigene Artikel ist und ja, Blogs leben teilweise auch davon Geschichten wiederzukäuen. Gemeinhin nennt sich das Medienmacht und ist wohl bald ist die Internetmacht ein neuer Grundpfeiler derselbigen. Insofern hätte ich gerne die wirklichen Gründe für die Anzeige und kein formaljuristisches Rumgeseier.
hab ich noch garnichts von gehört, aber ich stimme Konna und Stiller zu. Ich meine es ist ja nicht so das nomnomnom das geschriebene als sein eigenes Gedankengut ausgegeben hat, das wäre der einzige Grund um eine Abmahnung zu schicken…
@pell: Nein, Moment, ich wollte nie sagen, dass die Dame korrekt vorgegangen ist. Sicherlich hast du Recht und es wäre fairer gewesen, wenn sie den Blogger einfach angeschrieben hätte – bestimmt sogar – aber trotz allem finde ich es nicht ok, den Großteil eines Artikels einfach zu kopieren – egal, ob mit oder ohne Verlinkung. Für sowas wurde die indirekte Rede erfunden. Viele Blogger könnten sich vor Abmahnungen schützen, wenn sie auf sowas mehr achten würden.
@Konna: s.O. Klar ist es nicht nett, wenn die Frau direkt eine Abmahnung schickt, aber vermutlich war sie – auf gut deutsch gesagt – einfach nur angepisst. Und dass jeder Blogger dafür Verständnis zeigen würde, sehe ich auch so, allerdings muss man dazu bedenken, dass die Frau keine Bloggerin ist. Sie ist Journalistin. Und ich würde einfach mal behaupten wollen, dass es in dem Berufsfeld nicht so gesellig zugeht, wie unter Bloggern.
@Hakan: Die Journalistin wurde – soweit ich es weiß – von der ZEIT für den Artikel bezahlt – dass dieser dann von dort kopiert und in einem Blog veröffentlich wurde, wurde ihr natürlich nicht bezahlt. So wie ich das verstanden habe, arbeitet sie als freie Journalistin – sooo sehr viel wird sie da also nicht umbedingt pro Artikel verdienen. Es ist eine Sache, aus einem Artikel zu zitieren und auf eben diesen zu verweisen, eine ganz andere ist es allerdings, fast den kompletten Text zu kopieren .. Da kann man seinen Blog ja direkt aus fremden Inhalten zusammen puzzlen.
@Sumi: Wie gesagt, das Verhalten der Frau finde ich auch nicht umbedingt angebracht – gegen eine beinahe komplette Kopie meiner Texte würde ich mich aber auch zur Wehr setzen wollen :D
@Hannah Sie führt ja selbst ein Blog (http://blogs.taz.de/newyorkblog), aber wie ihrem neusten Eintrag zu entnehmen ist, scheint sie tatsächlich nicht unbedingt verstanden zu haben, wie das Medium funktioniert. Ich bezweifle auch, dass sie “angepisst” war, da sie einfach eine Kanzlei beauftragte, alle gefundenen Texte abzumahnen. Sie schrieb ja auch, den Betroffenen gar nicht zu kennen.
Aber davon mal abgesehen, ist mir schon klar, dass es vollkommen legitim ist, einen so großen Textauszug nicht mehr als Zitat werten zu lassen.
@pell: Wie der Link schon deutlich zeigt – es ist ein taz Blog. Ein kommerzieller Blog. Ich glaube, in ihrem Artikel schreibt sie sogar, dass ihr Chef ihr sagte, dass sie über das Ganze bloggen soll – ich finde, das zeigt sehr deutlich, dass sie nicht zu der Blogosphäre zu rechnen ist :D
@Hannah Ja, im Grunde widersprechen wir uns beide ja gar nicht. :P Aber du hast recht – das sieht sie als Teil der journalistischen Arbeit.
Wie kann man nur von einem Zitat sprechen, wenn jemand drei Absätze zitiert? Gut daß im Zitatverfolgungsgesetz steht, daß man maximal einen halben Absatz zitieren darf. Es steht gleich unter dem Absatz der besagt, daß man nur dann kritisch über jemanden berichten darf, wenn man ihn vorher um Erlaubnis fragt. Direkt darunter steht auch noch, daß man erst mal eine Abmahnung schicken muß, um festzustellen, von wem man eigentlich Schadensersatz fordern möchte. Ein sogenannter Kennenlernparagraph.