Heute war der Himmel so strahlend blau, dass selbst ich risikofrei nach oben gucken konnte. Welches Risiko der Himmel birgt? Für euch vermutlich keins, aber ich muss ständig daran denken, dass hinter dem Blau die unendliche, finstere Weite des Weltraums lauert. Weite macht mir Angst. Man weiß nie, was vielleicht gerade auf einen zukommt, weil es noch zu weit weg ist und wenn es in Sichtweite ist, ist es zu spät.
Wie dem auch sei. Der Himmel war also wundervoll blau, die Sonne schien und ein leichter Wind wehte. Wind, der nach Sommer roch und vielleicht das letzte Aufbegehren dieser Jahreszeit war, ehe es in den Winter geht. Genießen konnte ich das Ganze allerdings nur aus dem Seminarraum heraus und kennt ihr das, wenn allen so langweilig ist, dass es fast unerträglich still ist, sodass jedes Geräusch automatisch viel lauter klingt? Von draußen konnte man die Klänge ferner Bauarbeiten hören, die Studentin mir gegenüber spielte mit ihrem Stift, sodass ein sonores Klacken entstand, das mich wohl hätte einschlafen lassen, hätte der Dozent mich nicht immer wieder aus dem Halbschlaf und der Lethargie gerissen. Das Klackmädchen war übrigens eine Trendhure: Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam, dass neonfarbene Schuhe “cool” sind, aber sie scheint dem zustimmend gegenüber zu stehen – ich eher weniger, die Schuhe blendeten mich nur. Ein paar Plätze weiter saß Uffie.
Knallrote Fingernägel, Fledermaushemd, Lippenpiercing, das ihr irgendwie nicht stand. Trotzdem konnte ich nicht aufhören, sie anzustarren. Wäre ich ein Kerl, hätte ich mich vielleicht in sie verliebt und würde nun darüber bloggen, dass ich ihr einen Liebesbrief unterzeichnet mit “ein unbekannter Verehrer” schreiben werde – bin aber kein Kerl und somit auch nicht verliebt. Verliebt habe ich mich höchstens in dieses leicht melancholische Gefühl, dass ich im Winter immer dann kriege, wenn es auf einmal nach Sommer riecht. Dieses Gefühl, wenn ich sehnsüchtig an die Tage denke, an denen ich nicht gezwungen bin, mehrere Klamottenschichten übereinander zu tragen, um mich vor der schneidenden Kälte in Siegen zu schützen.
Verliebt hab ich mich auch in den kleinen Jungen, der im Bus mit seiner Mutter ganz vorne saß:
Mutter raschelt laut mit Papier und Einkaufstüten.
Junge: Du darfst nicht so laut rascheln, wegen dem Busfahrer.
Mutter: Was ist denn mit dem Busfahrer?
Junge: Der muss sich konzentrieren.
Mutter: Wovon redest du?
Junge: Papa sagt doch auch immer, dass ich im Auto still sein muss, weil er sich aufs Fahren konzentrieren muss.

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Sah doch heut ganz nett aus ;-)
Das mit dem Himmel lässt mich ja nicht los. Kannst Du denn den Sternenhimmel nicht genießen?
*kicher* Ich hab mal deine Unordnung beseitigt. Das erste Mal, dass ich Kommentare löschte, jetzt fühl ich mich mies :D
Wenn ich eine gute Phase habe, kann ich den Sternenhimmel genießen, aber wenn ich eine schlechte hab, ist es mir unangenehm. Das ist wie .. wie .. der Ozean! Ich find den wundervoll, aber wenn ich mitten drauf wäre .. so völlig im nichts .. ich glaub, ich würde sterben vor Panik. Da kann ja dann von allen Seiten was Böses kommen °_°
ohhhh Uffie.
So Tage kenne ich auch, da wünscht man sich der Dozent sagt ganz plötzlich so das wars für heute, den restlichen Tag habt ihr frei :D
Also hast du Angst, dass dir der Himmel auf den Kopf fällt?!
:D Ich habe eher Angst, dass mir etwas aus dem Himmel auf dem Kopf fällt, wenn dus so ausdrücken willst :D