Nachdem ich mich in punkto Meinungsmache ein paar Tage dezent zurückgehalten habe, jetzt mein fulminantes Comeback. Angeregt von Simon4000 nun eine kleine Analyse darüber, warum Platon schlussendlich doch Recht hat. Dabei finde ich, dass Platon ein ausgesprochen elitärer Tunichtgut ist, der sich aus Angst vor direkter Konfrontation in ein Zimmer verkrochen hat, um dort fingierte Dialoge aufzusetzen, in denen sein Gott, Sokrates, sämtlichen Sophisten Verbalknockouts verpassen kann. Wie komm ich nun dazu, einem mir unsympathischen, und zugleich dem mir ersten bekannten Mobbing-Opfer, in die luxuriöse Position zu verhelfen, Recht zu haben?
Platon ist ein Fan von Mythen. Gänzlich unbekannt jedoch ist, dass er seine ganze Philosophie auf dem Regenbogen-Mythos aufgebaut hat. Jeder von euch kennt diesen Mythos. Immer wenn ihr einen Regenbogen sieht, wisst ihr insgeheim sofort darüber Bescheid, dass am Anfang des Bogens eine Schatzkiste voller Gold auf euch wartet (in der nicht-pazifistischen Version ist auch manchmal von einem Kobold-Wachposten die Rede). Bei Platon ist es ähnlich: Es gibt eine Idee des Guten, einen Schlüssel zum absolut perfekten Leben, aber es ist uns unmöglich, diesen Schlüssel jemals wiederzufinden. Wenn überhaupt jemand dazu in der Lage ist, dann diejenigen, die sich „von Berufs wegen“ mit dem Thema beschäftigen, sprich: Philosophen.
So. Jetzt baut Platon seinen Staat und ordnet ihn in drei Klassen: Bauern, Armee und die Siegerklasse: Die Philosophen. Die letzteren sind, oh Wunder, damit beauftragt, den Staat zu lenken und zu führen und zu machen und weise Entscheidungen zu treffen. Und das bringt uns schnurstracks in die Gegenwart:
Grundsätzlich steht es ja allen offen, in die Politik zu gehen. Das treibt manchmal seltsame Blüten und zwingt einen zu der Frage, warum das denn so sein muss. Aber im Prinzip kann es einem egal sein, denn von den aktuellen Ministern des Bundestags haben knappe 150 einen Hintergrund als Juristen. Bei 622 Mitgliedern macht das gefühlte 25% aus. Auf Bundesebene ist also jeder Vierte Jurist. Wenn man noch bedenkt, dass es zusätzlich noch eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer an gescheiterten Lehrern gibt, die ihr Versagen in der Schule auf die Schüler zurückführen und daher gleich dem ganzen Land beweisen wollen, dass sie in der Lage sind, mit harter Hand zu regieren und die Richtung vorzugeben, dann sind wir irgendwann so tief im Kaninchenbau, dass ich mich zu der Aussage hinreißen lasse: Na, immerhin, keine Bauern im Bundestag. Platon kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Und wenn in der Zeit steht, dass die neue Regierungsmannschaft ein „moderner, bunter gewordenes Land“ repräsentiert über einen Querschnittsgelähmten, einen Schwulen, einen Migranten, eine ledige Frau, einen Freiherr, einen Arbeitsvermittler, eine siebenfache Mutter“ usw. dann täuscht das alles nicht über eines hinweg: Es ist die platonische „Philosophen-Kaste“. Denn einfache Männer aus dem Volk, wie sie die NPD gerne ins Rennen schickt, das ist die Ausnahme. (Leider fehlt mir hier der Link zu der blamablen Pressekonferenz, die von Null auf Nichts zum Youtube-Classic avancierte). Politik ist und bleibt Sache der Elite. Deswegen sind Politiker, die auf 80 Millionen gerechnet, ein eigentlich zu vernachlässigendes Thema darstellen würden, wenn sie nicht an so prominenter Stelle platziert wären; darum sind sie die am Abstand beliebtesten Hassobjekte, Vielleicht hasse ich auch deswegen ja auch Platon. Möglich wär’s.