Streik an der Akademie der bildenden Künste

6. November 2009 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 0
Streik an der Akademie der bildenden Künste

Ich bin also gestern direkt hin zur Uni, nachdem ich als vorletzter davon erfahren habe. Konsequenterweise bin ich zu spät angekommen, um noch den Anschluss an die Demonstration zu kriegen. So wie ich es mitbekommen habe, ist es so, dass dieser Protest schnell zu einer linksradikalen Veranstaltung werden könnte. Die Frage ist natürlich, ob und wie gut das ist.

Auf dem abendlichen Plenum ging es dann direkt los mit den basisdemokratischen Verhaltenskodizes. Für manche mag es ein Pyrrhussieg sein, wenn es 45 Minuten dauert, bis man sich endlich für ein Abstimmungsverfahren entschieden hat, ich persönlich fand die Diskussion letztlich gut und wichtig. Schließlich war es die erste von hoffentlich vielen und irgendwann müssen ja vermeintliche Basisbanalitäten à la “Kein Klatschen” geklärt werden. Also hatte das schon seine Berechtigung.

Mein Problem ist leider nur gewesen, dass ich mich frühzeitig verabschieden musste. Ich habe also nicht mitbekommen, wie man sich inhaltlich geeinigt hat. Also konkret: Wird die Veranstaltung sich an eine breitere Masse wenden und straight linke Parolen aufgeben (“Hoch die internationale Solidarität” usw.) oder versucht man herauszufinden, ob man auch mit einer dezidiert linken Schrägstrich kritischen Veranstaltung zu den Studenten durchdringen kann.

Meiner Meinung nach sollte man in erster Linie schauen, dass man zu Anfang eine Basis bekommt, einen Minimalkonsens, den vielfach beschworenen kleinsten gemeinsamen Nenner. So überzeugt ich von einer ökonomisch-gesellschaftlichen Kritik à la Marx und die nachfolgende theoretische Ausarbeitung auch bin. Das liest sich erstmal wie der Revisionismus eines Bernstein , aber mir geht es nicht um irgendwelche parteipolitischen Interessen. Man sollte nie den Fokus verlieren. Hier soll es darum gehen, als Studenten für Studenten einzutreten. Auch wenn ich nicht glaube, dass Wähler von der FDP oder CSU aufkreuzen werden: Der Punkt ist, dass man sich nicht einigelt und sein eigenes, linkes, Programm durchdrücken will. Nicht, dass man es nicht könnte, die Kritik an dem universitären Betrieb ist ein Heimspiel für marxistische Kritik. Der Nachteil ist, dass Marx und Anhängerschaft in der Theorie zwar gut gefunden werden, aber wenn es um die praxisrelevante Exerzierung selbiger geht, ist plötzlich ein kartoffelgroßer Kloß im Hals. Genau da liegt der Hund begraben.

Man kann den Bologna-Prozess durch simple Kritik peu a peu dekonstruieren, dafür braucht es keine linke Parolen. Libertäre Gedanken reichen für’s erste. Die findet man auch. Schließlich ist ein Protest auch eine Frage der Quantität. Wenn man sich daran orientiert, dann muss man auch den Schritt bis zum Ende gehen. Wenn man es als elitärer Club aussitzen will, dann sollte man wohl noch mehr Parolen schreien.

Die Hauptkritik wird sich in den kommenden Tagen unter Garantie in erster Linie darauf beziehen, dass es eine link(sradikal)e Veranstaltung ist. Ganz egal, ob Parolen skandiert werden oder nicht. Das wiederum ist auch ein ideologischer Wind, den man der Gegnerschaft nicht aus den Segeln nehmen kann.