Find ich ja schon ein wenig toll, dass ich bei meinem “Einführung in den Journalismus” Seminar tatsächlich mal Sachen lerne, die nicht nur interessant sind, sondern mir auch gänzlich unbekannt waren. Heute zum Beispiel erklärte die Dozentin, dass es verschiedene Einstiege für eine Reportage gibt – soweit ist das ja auch ganz logisch, welche es da allerdings gibt, wusste ich vorher nicht:
1. Der szenische Einstieg, der ungefähr wie eine Kurzgeschichte mitten im Geschehen beginnt.
2. Der Einstieg über ein Zitat.
3. Der Einstieg über eine rhetorische Frage, die anschließend im Verlauf des Artikels beantwortet wird bzw. beantwortet werden sollte und
4. Die Personalisierung, die direkt zu Beginn mit vielen Details arbeitet, um seitens des Lesers eine emotionale Bindung herzustellen.
Ganz entgegen meiner Erwartungen fand die Dozentin meine Personalisierung auch gar nicht mal schlecht, obwohl der Rest mir nicht wirklich gelungen ist xD
Vorgegeben war einzig, dass eine 56-jährige in ihre brennende Wohnung läuft, um ihre Katzen und das Katzenkörbchen zu retten, wobei sie sich eine Rauchvergiftung zuzog und das ist, was ich daraus gemacht habe – seid stolz auf mich, mit dem Text könnte ich vom Fleck weg bei der BILD eingestellt werden. Eventuell sogar beim Focus. :D
Personalisierung
Simone K. ist 56 Jahre alt, alleinstehend, arbeitet in einer kleinen Rockerkneipe als Kellnerin und wird von den Gästen dort liebevoll als „schrulliges Mädchen“ bezeichnet. Das rote Haar hängt ihr in ungleichmäßigen Dreadlocks ins Gesicht, die großen Ohrringe – in Fachkreisen auch als Plugs oder Tunnel bezeichnet – öffnen ihre Ohrlöcher soweit, dass ein schmaler Finger hindurch gepasst hätte und ihre Kleidung ist eine Ode der Liebe an die seit langem vergangenen Blumenjahre der 68er. Die strahlend blauen Augen erzählen viele Geschichten: Schöne und Traurige, Lustige und zu Tränen rührende. Sie liebt ihre kleine Wohnung in der Kölner Altstadt, die für ihre Bedürfnisse die genau richtige Größe hat, in einem schmucken Altbau liegt und auch ihren drei Katzen einen Lebensraum bietet. Wie Simone K. leben wohl viele Menschen – nach einem langen Arbeitstag die Begrüßung der geliebten Haustiere erwartend. Doch der Alltag wurde durchbrochen: Ein Feuer brach in den späten Abendstunden aus, hüllte das Haus in eine graue Rauchwolke und ließ die Bewohner raus auf die Straße flüchten. Nicht jedoch Simone K.: Die 56-jährige stürmte in ihre Wohnung, rettete ihre Katzen und wagte sich erneut vor, um auch das Katzenkörbchen den Flammen zu entreißen. Bei diesem Versuch zog sie sich durch den giftigen Qualm eine schwere Rauchvergiftung zu und befindet sich nun im Krankenhaus.
Ich finde deinen Schreibstil gut, aber auch, dass das Ende nicht gelungen ist. Wenn du schon so emotionalisierend einsteigst, kannst du doch nicht so nüchtern enden. Also, klar kannst du, aber DANN MUSST DU AUCH MIT SOWAS HIER RECHNEN!
Das wollte die Dozentin so. Sie sagte immer wieder, ich soll mehr, mehr, mehr Details in den Anfang packen, der Rest ist nich so wichtig -.-
Wahrscheinlich hatte die alte überall Räucherkerzen brennen und Duftöl-Lampen und so’n Driss… Eine von den Katzen hat eine umgestoßen, schon schwelte die Bescherung.