Hundeleben

11. November 2009 • Kategorie: Blogparade • Kommentare: 5
Hundeleben

Gott, es gibt soviele gute Möglichkeiten in den Artikel einzusteigen, ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll. Also präsentiere ich euch wenigstens zwei.

a.)Wenn ich ein Hund wäre, ich glaube, ich wäre ein Pitbull. Ganz ehrlich, wenn dein Herrchen nichts besseres zu tun hat, als dich ununterbrochen im Imperativ anzuquatschen (Komm! Mach Platz! Braves Hündchen, ja braaaves Hündchen! Hol Stöckchen!), dann muss man doch aggressiv werden, oder? Hannah hat soeben ein Stöckchen nach mir geworfen und nun steht mir Schaum vor’m Mund. Aber das Stöckchen fliegt so schön, vielleicht sollte ich doch hinterherlaufen?

b.) Könnt ihr euch noch an die Abstimmungen in der Schule erinneren, als plötzlich die ganze Klasse ein und derselben Meinung war (Bsp.:”Ja, wir wollen auf das Oktoberfest und nicht in den Zoo.”) Aber der Lehrer, der hat sich dann immer für die Minderheitenwahl entschieden, als Einziger. Womöglich wäre der auch alleine in den Zoo gegangen. Das ist eine sehr pathetische Geschichte eines Lehrers aus einer Hörensagen-Geschichte, der darum besorgt war, dass zuviel gleiche Meinung demokratieschädlich sei (ich weiß auch, wer dessen Lieblings-Philosoph gewesen sein müsste: Ranciére) . Wie auch immer, ich komme mir vor wie der Lehrer, denn das Internet ist so ein Platz der demokratischen Entscheidung, Blogs sind das Klassenzimmer, und Blogparaden sind die Abstimmungen, in denen alle einer Meinung sind, nämlich dafür, und freudig mit einstimmen. Soll ich jetzt trotz all der berechtigten Kritik mit einsteigen?

Ja und Nein. Auf beide Fragen! Also dann:

Ich höre gerade The Smiths – Bigmouth strikes again, aber leider nicht so laut, wie ich gerne würde, schließlich sitz ich in der Uni-Bib.
Vielleicht sollte ich trotzdem die Kopfhörer aus dem Laptop reißen, auf den Tisch springen und ganz, ganz laut aufdrehen, damit das konservative Institut wenigstens ein wenig aus ihrem seinem Alltag gerissen wird? Ich steh kurz davor, wirklich. Das ist so dreist, wie sehr hier Meinungsfreiheit vorgegaukelt wird, aber alle trotzdem das Gleiche denken.
Ich liebe den Atem meiner Freundin in meinem Nacken, wenn ich einschlafe. Ich liebe es, die drei Knubbel in den riesigen Cola-Bechern nach unten zu drücken, ich liebe es. ein kleines blaues Moleskine in meiner linken Arschtasche zu haben, damit ich mir fantastische Beobachtungen wie “Der Haarausfall meines Dozenten sieht aus, wie der Radius, den eine Atombombe hinterlässt” für die Ewigkeit festzuhalten, ich liebe es, Stress zu haben.
Meine besten Freunde sind der einzige Grund.
Ich verstehe nicht warum sich jeder auf einen Job beschränkt, so als ob sie nur ein Talent hätten.
Ich habe keinen Respekt vor, naja, Bullen, oder? Und ich habe natürlich keinen Respekt vor der Kälte, darum bin ich dieses Jahr auch unverhältnismäßig oft krank.
Ich hasse es, dass ich dann trotzdem nicht ins Bett gehe und mir eine Pause gönne, dass mich die Dunkelheit automatisch müde macht, ich hasse es, dass ich so internetsüchtig bin (das liebe ich aber auch), ich hasse es, dass ich so abhängig von Geld bin und ich hasse es, dass komplett andere Antworten rausgekommen wären, wenn ich diese Fragen nachts ausgefüllt hätte, da bin ich um einiges depressiver
Mein Nickname bedeutet, dass ich gleichzeitig nicht ich bin, auch wenn ich ich bin oder es zu sein versuche. (H aka N), und ja, das N steht für die mathematische Variable und ja, das habe ich mir im Nachhinein ausgedacht.
Liebe ist pures Menschssein, Egoismus und größtenteils Produkt von Religionen. Ich glaub nicht wirklich an die Monogamie. Bis ich die Frau an meiner Seite beobachte.
Irgendwo ist irgendjemand, der sich an irgendeiner verlassen S-Bahnstation einen runterholt.
Ich werde immer wieder zurückkehren und meine Mutter fragen, bis sie endlich mit dem Rezept für die gefüllten Zucchini um die Ecke kommt und mir nicht das Messer aus der Hand reißt, weil ich zu langsam schäle!
Ewigkeit ist wie die andere Seite des Nichts. Aber da alles sowieso ein großer Kreis ist, spielt das auch keine Rolle.
Was ich niemals verlieren möchte ist meine Fähigkeit, mich in Traumwelten zu flüchten und dort tagelang an Geschichten zu brüten. Und meine körperliche Gesundheit. Wenn ich da nur an “Das Meer in mir” denke, wird mir ganz anders.

Da ich nicht so wirklich den Kontakt mit anderen Bloggern, außer eben Hannah, habe, kann ich das Stöckchen auch nicht weiterwerfen. Außerdem wäre ich ja besagter Pitbull. Demzufolge würde man jetzt ein trockenes Knacken hören und kurz darauf hätte Hannah ein komplett zerstörtes Stück Holz vor ihr liegen. Das wäre dann meine Art der Demokratie.


  1. Braaves Hündchen *Kopf tätschel*

  2. Ich verbringe auch viel Zeit in Traumwelten und liebe es! :D

  3. ziemlich beindruckende antworten :O

  4. ich liebe deinen Blog, du sprichst mir so oft aus der Seele. Und das von einer vermeintlich oberflächlichen Modebloggerin.
    Weiter so, kleiner Pitbull!