Selbsterkenntnis ist übrigens auch der beste Weg, um in Blog-Einträge einzusteigen. Hier ein Schwank aus meinem Leben. Als ich noch ein Erstsemester war und ich jederzeit fest damit rechnete, dass ich Menschen mit fest installierten Glühbirnen über ihren Denkfabriken begegnen würde, bat mich eine angehende Diplomandin, ihr für ihre Arbeit behilflich zu sein. Natürlich bejahte ich umgehend.
Zwei Minuten später saß ich vor einem Fernseher und ein Dokumentar-Film wurde gezeigt. Es ging um Krieg, Berichte von Zeitzeugen und die gesamte Schwarz-Weiß-Welt, die man damit verbindet, vor allem diese unglaublich nervtötende dissonantische Musik. Bah, wie ich diese Bläser hasse. Wir alle wissen, dass es um Krieg geht, dass es schlimm ist und wir womöglich mit verstörenden Bildern zu rechnen haben, da musst du nicht auch noch extra schief in deine Trompete blasen.
Wie auch immer. Ich erinnere nur an folgenden Satz. “Überlebender des KZ Buchenau” unter einer ansonsten recht normal erscheinenden Person. Irgendwann endete die Dokumentation natürlich und ich musste einen Fragebogen ausfüllen. Jetzt der Knackpunkt: Als ich mich im Nachhinein bei der Diplomandin darüber erkundigte, worum es ihr eigentlich ging, sagte sie folgenden Satz: “Es ging nur um eine Person. Ich versuche herauszufinden, ob Menschen auf die Aussagen eines Menschen mitfühlender reagieren, wenn darunter emotionalisierende Zuschreibungen stehen. In diesem Fall jetzt war diese Zuschreibung “Überlebender des KZ Buchenau” unter einer ansonsten normalen Person. Ich zeige den Film auch anderen Leuten, dann steht da z.B. “Marine-Offizier” oder “”SS-Mitglied” darunter”. Sie erzählte noch irgendetwas vom Kriegseintritt, Hitler und sonstigen Kriegsereignissen, aber scheiß auf “da rein- da raus”, ich hab nichts mehr von dem, was sie sagte, mitbekommen. Nur noch ein graues Rauschen. Ich wusste nämlich genau, welche Werte ich eben dieser Person zugesprochen hatte: Die besten und mitfühlendsten und sämtliche andere Superlative. Einfach rein in die Einstein-Falle.
Das ist der Tag, an dem mein persönliches Licht aufging.