Was U-Bahnen über Menschen aussagen, Teil I

13. November 2009 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 2
Was U-Bahnen über Menschen aussagen, Teil I

Ich finde ja, dass der Mensch sein wahres Ich an U-Bahntüren zeigt. Scheiß auf das ganze große Gerede über Werte, Tugenden und theoretischen Handlungsanweisungen für einen – Achtung, Intellektuellengeseier – ontologischen Zustand einer etwaigen Gesellschaft und wie man selbige einigermaßen cool aufbauen kann. Sobald die U-Bahn hält und damit der Ein- bzw. Aussteigebetrieb anfängt, zeigt sich, wer zu was in der Lage ist. Da trennt sich der zu missbilligende Wichser vom wohlmeinenden Altruisten. Hier meine Anleitung, wie man das erkennt.

Beginnen wir mit denen, die am Bahnsteig stehen und in die einfahrende U-Bahn einsteigen wollen. Da gibt es zwei Arten von Menschen, die nicht warten, bis alle Leute ausgestiegen sind

1.) Die Angsthasen
Wenn sie nicht sofort und umgehend in die U-Bahn einsteigen, könnte es ja sein, dass die Fahrer urplötzlich, so mies gelaunt wie sie sich in ihren komplett genuschelten Ansagen ja immer geben, die Türen wieder schließen und tief bis in den nächsten Tunnel fahren und dort einfach die übrige Zeit aussitzen. Außerdem steigen sie mit großer Vorliebe an eben den Türen ein, an denen der größte Betrieb herrscht, ganz vorne oder ganz hinten, denn dann können sie ihre Angst ausleben: Scheiße, vor allen anderen Türen ist es schon komplett leer und nur hier sind noch 100 Menschen, die jetzt alle in das Abteil wollen, bestimmt kommt jetzt gleich die “Bitte zurückbleiben”-Ansage, so lange kann ich nicht warten, lieber Gott, gib mir die Kraft, MACHT PLATZ! ICH MUSS DA REIN! Solche Menschen Drängler sind in der Regel Geizhälse. Wenn sie sehen, dass auf einem Teller, der für alle gedacht ist, nur noch 5 Cookies sind, fangen sie an schneller zu essen, damit sie sich soviele Cookies wie möglich schnappen, wobei sie penibel darauf achten, dass man ihnen nicht auf die Schliche kommt. Deswegen verarbeiten sie auch nur maximal 2 Cookies gleichzeitig. Einen im Mund und einen in der Hand. Klar, das sind Arschlöcher.

2.) Die Sitzplatz-Anwärter
Während die U-Bahn einfährt, erkennt man diese Menschen daran, dass sich ihre Köpfe (bzw. bei den taktisch klug vorgehenden nur die Augen) ununterbrochen bewegen und die einfahrende Bahn nach freien Plätzen abscannen. Wie voll ist die U-Bahn? Gibt es freie Plätze? Wieviel Leute stehen um mich rum? Oh, bitte, lass die Tür genau vor meiner Nase zum Stillstand kommen? Muss ich die Tür öffnen? Wieviel Leute steigen aus? (Die Türen gehen auf) GEIL, SITZPLATZ! ICH-MUSS-MICH-HINSETZEN! Und zack, ab in die Menge, Ellbogen links und rechts reinrammen, schön zur Seite schubsen, als erster im Abteil sein, schnelle, große Schritte, Kurzkurzstrecken-Sprint und dann meist das Sich-rein-fallen-lassen auf den Sitzplatz! Das ist ganz charakteristisch- Puh, ich hab es geschafft und dafür belohne ich mich mit einem lauten in den Sitzplatz fallen, vielleicht hören es ja die anderen Trottel, die erst jetzt einsteigen und ärgern sich schwarz, weil ich den besten Fensterplatz habe.
Wer fällt in diese Kategorie? Vor allem kleine, dicke Frauen. Ich weiß nicht warum, aber vielleicht liegt es daran, dass sie sich gut durchwuseln können. Vielleicht erinneren sie sich an den letzten Sommer, als sie lauter auf Hochtouren schlechten Gestank produzierende Achselhöhlen vor ihren Nasen hatten. Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob man mit solchen Menschen Mitleid haben muss oder ob man trotz alledem sauer auf sie sein kann.

Für’s Erste reicht das nehme ich an. Es gibt noch eine Menge Kategorien, z.B. den Last-Minute-Einsteiger, der seinen abschließenden Hecht so platziert, dass sein Rucksack vorzugsweise noch in die Tür eingeklemmt wird. Nicht zu vergessen, die Leute in der U-Bahn drin sind und raus wollen. Ich verstehe gar nicht, wieso man sich noch gar nicht ausgiebiger mit diesem Thema beschäftigt hat?!


  1. Ich bin ja ehrlich gesagt leicht beleidigt, dass ich mich von diesen beiden genannten Arten gleich in beide stecken müsste, wenn ich es mir genau überlege…
    Eine alte, kleine Arschlochoma zu sein ist wirklich kein besonders nettes Kompliment XD

  2. Haha. ich bin manchmal bei den kleinen Menschen. Aber eher selten, da muss ich extrem müde sein. Ansonsten bin ich natürlich bei den Guten. ;)