Seit einigen Jahren ist es ja komplett bürgerlicher Chic, zu seinen eigenen Macken zu stehen. Dass man nicht tanzen kann und es statt dessen bevorzugt, seine Zeit beim Pogen auf irgendwelchen Festivals zu verbringen, über skurrile Ticks zu verfügen (“wenn ich mich an der rechten Backe kratze, muss ich das auch an der linken Backe machen”), während der Autofahrt lauthals mitzugröhlen oder mitten in aller Öffentlichkeit Selbstgespräche zu führen und so zu tun, als wären die betont sichtbar platzieren Kopfhörer auch tatsächlich an ein funktionsfähiges Handy angeschlossen und so weiter.
Vor einigen Tagen hatte ich ja erwähnt, dass ich mich gerne in Traumwelten flüchte und dort dafür sorge, dass Flugzeuge in unmittelbarer Nähe abstürzen und ähnlich makabren Unsinn. Das finde ich noch mal ein Stück härter als einfach nur aus voller Kehle im Auto rumzuplärren, noch ein Stück weiter bei dem, was man als irgendwie krank bezeichnen würde. Hier also ein weiteres Leckerli. Ich singe Songtexte nicht nur mit, ich verändere sie auch entsprechend meiner Weltsicht. Wenn z.B. der Sänger eine Zeile singt/rappt/rezitiert, mit der ich inhaltlich nicht d’accord bin (was in Raptexten häufiger vorkommt), dann rappe ich die entsprechende Stelle anders. Beispiel:
Savas in Fehdehandschuh
Eine Geste von dir reicht um zu begreifen du bist schwul
und gegen jede Crew mit aggressiven Raps wie Dru Hill
Da muss ich z.B. irgendein anderes Wort als “schwul” sagen. Weak, mies, irgendwas. Und das muss ich vor allem laut sagen, so laut, dass die Stimme des Rappers übertönt wird. Das klingt jetzt unspektakulär, aber ist wahnsinnig aufreibend.
Geht das eigentlich nur mir so?
UPDATE:
Nachdem mich Lupafiasco darauf aufmerksam gemacht hat: Ich verändere das normalerweise schon so, dass es sich reimt. Von daher ist das Savas-Beispiel oben nicht die ganze Wahrheit.