So, heute war also der letzte Tag meines journalistischen Kompaktseminars und nach wie vor blieb es interessant. Nachdem wir die vorherigen Male gelernt hatten, wie man Berichte und Reportagen schreibt, ging es heute an Kommentare. Nebenbei gab es noch eine Grundsatzdiskussion über den Journalismus als Arbeitsfeld, aussterbende Print-Medien und all die “unseriösen Blogs”. Ja, ja, so ist das. Um einen meiner Kommilitonen zu zitieren: “Was ist denn Spreeblick und warum erwähnst du das, kriegst du da Geld für?” – Nein. Krieg ich nicht. Aber zufällig mag ich den Spreeblick, jawoll. Wie dem auch sei: Nachfolgend präsentiere ich euch also meinen Erstversuch, einen Kommentar zu schreiben. Bin nicht sicher, ob mir das wirklich gelungen ist, irgendwie habe ich nicht wirklich viele Argumente gefunden, die gegen die Studentenproteste sprechen – dem entsprechend kurz ist der argumentative Teil ausgefallen und .. Naja, sagen wir es mal so: Es ist ein wenig ungünstig, wenn bei einem sogenannten “Argumentativen Kommentar” die Argumente fehlen :D
Sein oder nicht sein? Revolution oder Schnitzel?
Besetzte Hörsäle, Proteste an Universitäten und die Frage kommt auf: Womit haben wir es zu tun, wem stehen wir gegenüber? Ist es der rebellische Jungspund, der daran glaubt, die Welt verbessern zu können oder ist es der lethargische Langzeitstudent, der längst den Glauben verloren hat?
Seit dem 27. Oktober protestieren Studenten in Österreich für eine Verbesserung im Bildungssystem – seit Anfang November protestieren auch deutsche Studenten, sofern man den Terminus des Protestes verwenden kann.
Auf der einen Seite werden Stimmen laut, die Mängel seitens der Universitäten anprangern, sobald wir jedoch gezielter nachfragen – uns an den Einzelnen wenden, statt dem Brüllen der Masse zu lauschen – stellen wir unweigerlich fest: Der Einzelne hat keine Stimme. Stille schlägt uns entgegen, eventuell ein gleichgültiges Schulterzucken, gepaart mit einem lethargischen Blick.
Laut sind sie, die deutschen Studenten, wenn es darum geht, in der Masse zu proklamieren, was alles falsch läuft. Laut sind sie auch, wenn sie die Möglichkeit bekommen, hemmungslos zu meckern – gleich ob das Thema nun das Bildungssystem oder das Essen in der Mensa ist.
Beinahe genauso schnell sind sie mit kämpferischen Worten zur Gleichberechtigung, Antidiskriminierung und Toleranz zur Hand – vergessend, dass noch vor einigen Tagen all das völlig egal war.
Wie so oft wird es einige geben, die hervor springen und blitzschnell Broschüren zum Tierschutz, gegen den Rechtsradikalismus und für die Antifa zücken – Werbung ist immer dort, wo sie gesehen wird.
Sobald die Menge sich jedoch trennt, verschwinden die Parolen, der Protest und der Glaube an eine Besserung durch Rebellion. Moralaposteln verwandeln sich zurück in Normalos, wie Clark Kent, der sein Supermann-Kostüm auszieht. Trennt man die Menge, bleiben nur gleichgültige Kinder zurück, die zufrieden mit dem sind, was sie vorgesetzt bekommen – halbgare Bildung, halbgare Schnitzel in der Mensa und das alles ohne die aufgesetzte Maske der Moral, die eben doch nur das ist: Eine Maske.
Widerworte gibt es, schließlich gäbe es einige Wenige, die versuchen, das Bild des deutschen Studenten zu retten, das Image aufzupolieren und zu beweisen, dass sie bereit sind zu kämpfen. Mutig stellen sie sich nach vorne, reden von prekären Missständen im Studienplan, Studienablauf, Studienabschluss. Sobald sie jedoch die fehlende Resonanz bemerken, verlieren sie das Interesse, fallen in dasselbe Schweigen zurück, in dem ihre Kommilitonen bereits versunken sind und setzen sich zu ihnen in die Mensa.
“halbgare Bildung, halbgare Schnitzel in der Mensa” – sehr nice. Bei uns in Mannheim fallen die Proteste übrigens bis jetzt flach wegen is’ nich ;) Müssen sich wahrscheinlich alle um die vielen Bachelor-Referate kümmern.
Laut verschiedener Flyer scheinen die Proteste hier jetzt angekommen zu sein :D Trotz vieler Bachelor-Referate.