Nachdem in Wien das Audimax besetzt wurde, Berlin und Hamburg nachzogen, um sich solidarisch zu erklären, sich weitere Großstädte anschlossen und immer mehr Studenten die Initiative ergriffen haben, ist es nun auch in Siegen endlich soweit: Der rote Hörsaal ist besetzt.
Heute ging ich zur Uni – man muss sich das ganze ja mal aus der Nähe ansehen – und war positiv überrascht: Kein Chaos, keine Menschen, die sich durch die kollektive Dynamik in rumpöbelnde Vollidioten verwandelt hatten .. Alles ging relativ geordnet zu. Um 14 Uhr fand im blauen Hörsaal die angekündigte Podiumsdiskussion statt: 2 Politiker + 2 Uni-Kräfte + einen Mediator, der sich bemühte, eine Diskussion über Studiengebühren in Gang zu bringen. Wirklich produktiv fand ich das Ganze nun nicht. Die FDP Politikerin – ich glaube, sie hieß Helga – begnügte sich damit, durch subtile Äußerungen die Universität Siegen zu beleidigen. Der SPD Politiker – Willi Brase – schien hauptsächlich darum bemüht, die Studenten für sich zu gewinnen, schlug einen burschikos-gönnerhaften Ton an, implizierte, dass er uns alle retten würde etc., aber im Endeffekt waren all seine Worte genauso hohl, wie alles, was von der Politik kommt.
Frühzeitig verließen Chris und ich die Veranstaltung – nicht umbedingt, weil es uninteressant gewesen wäre, sondern viel mehr, weil wir mittendrin erfuhren, dass am voran gegangenen Abend der rote Hörsaal besetzt worden war.
Zu dem Zeitpunkt, als wir uns entschlossen, einen Blick hineinzuwerfen, war allerdings nicht viel los da – insgesamt fanden nämlich drei Diskussionen statt, eine im blauen Hörsaal, eine im Audimax und eine in irgendeinem anderen Hörsaal.
Problematisch an Verhandlungen mit dem Dekanat ist vorallem der Fakt, dass wir Studenten schlicht nicht wissen, wie der Herr Rektor denn aussieht. Eine Bekannte von Chris teilte uns mit, dass der Rektor wohl schon im Hörsaal gewesen sei, sich jedoch nicht bemerkbar machte, um anschließend zu verkünden, wir seien zu keinen Verhandlungen bereit. Vermutlich müsste man wissen, wie der Rektor aussieht. Vielleicht aber auch nicht.
Keine Ahnung, wie es weitergeht oder ob mit all dem tatsächlich was erreicht werden wird, aber ich denke, ich werde morgen wieder vor Ort sein. Irgendwie habe ich sonst das Gefühl, etwas zu verpassen.
Eine Übersicht über besetzte Unis ist auf dieser Seite zu finden.
Ein weiterer Beweis dafür, wie wahnsinnig hilfreich die Möglichkeiten des Web 2.0 sind, wenn es um das Entstehen sozialer Bewegungen und Protestaktionen geht. Vielleicht sollte ich darüber meine Bachelor-Arbeit schreiben.


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