Ich hab übrigens in der Zwischenzeit schon fünf Artikel geschrieben und dann wieder gelöscht. Wie auch immer. Mal sehen, ob sich das hier hält.
Ich hab das Gefühl, dass ich in einem Kino bin. Ich sitze plumpsglücklich in meinem Sessel und schaue zu, wie sich der Vorhang langsam aufzieht, während ich kopftechnisch 100e von schlechten Vorhang-Metaphern verschieße und eine Hand krampfhaft an den Mund lege, damit ich die um Himmels Willen nicht tatsächlich auch noch bringe. Und es will wirklich was heißen, wenn ich meinen Mund halte, denn eigentlich kenn ich keine nennenswerte Unterscheidung zwischen Denken und Reden.
Ich sitze also da. Dann beginnt die Werbung. Ursprünglich bin ich ein großer Fan von guter Werbung, von daher stört mich das nicht sonderlich. Es gibt nur ein Problem: Ich sitze hier mittlerweile seit geschlagenen 25 Jahren und es läuft ununterbrochen Werbung und ein wenig Filmvorschau. Der eigentliche Film aber hat immer noch nicht angefangen und so langsam beginne ich zu denken, dass es nicht am Kino liegen kann. Ich will nicht krampfhaft im Bild bleiben, daher spare ich mir Metaphern mit Pinkelpausen und den Leuten aus anderen Sälen, mit denen man Smalltalk … ihr seht, ist scheiße. Auf alle Fälle: Mein Leben fängt nicht an. Ich weiß auch nicht, was da los ist. Bald bin ich mit meinem Studium fertig, aber es gibt einfach zu viel Gutes auf der Welt. Und ja, ich weiß auch, dass mein Leben schon seit 25 Jahren läuft und ich den Karren immer routinierter gegen die Wand gefahren habe. Ich fliehe vor Entscheidungen. Fangen wir an: Ich hab gesprüht: 2 Jahre, dann aufgehört (zu talentlos), ich habe gerappt, 8 Jahre, dann aufgehört, ich habe gebreakdanced, 2 wochen, dann eine Windmühle gelernt und den Rest der Zeit damit verbracht, in U-Bahnhöfen (!) eine (!) Drehung zu machen und sich dabei wahnsinnig cool vorzukommen. Dann fing das mit der Politik an. Ich weiß aber jetzt schon, dass ich mit einer 75% Wahrscheinlichkeit nicht an der Uni bleiben will, selbst wenn ich könnte. Ich hab aufgehört mit Fitness, gerade als es Spaß machte. Die neuen Elemente sind: Blogs, Kurzgeschichten, Drehbuch, Journalismus (“irgendwas mit Schreiben”) und Werbung. Aber auch hier weiß ich, dass es früher oder später aufhören wird, mich zu interessieren. Nicht, weil es langweiliger wird, im Gegenteil, je tiefer man drin ist, desto besser schwimmt man alleine, aber: Der Rest ist einfach ein zu entdeckendes Neuland und mindestens fast genauso interessant. Psychologie, Fotodesign, Homoöopathie1, Regisseur. Wie um alles in der Welt kann man da widerstehen? Bei mir reicht schon eine gute Werbung, damit ich losziehe und unnützen Müll kaufe. Wie soll ich bei wirklichen Alternativen bitte die Kraft aufbringen und “Nein” sagen?
Früher war alles beschissener. Da hatte man sich entschieden und damit Basta. Kopf zu, Autopilot Richtung Karriere und ab dafür. Jetzt nicht mehr. Jeder kann ein guter Koch/Schriftsteller/Schuhdesigner/Unternehmer und was weiß ich nicht was werden. Nur deswegen gibt es Youtube, Facebook und Myspace. Aber genau das bringt mich ja in meine missliche Lage. Die übrigens gar nicht so misslich ist, denn ich liebe alles, was ich mache. Aber die Angst sitzt mir trotzdem im Nacken und zieht mir dann und wann ein Härchen raus. Dann kommt die Gänsehaut. Dann rede ich drüber.
Ja .. Früher hatte mich sich entschieden und damit Basta. Früher saß einem aber auch nicht das Alter und der dazu gehörige Satz “langsam wirds Zeit” im Nacken. : / Wenn doch Peter Pan mich nur früh genug zu sich ins Nimmerland geholt hätte.
ich bin jetzt 28, und so langsam kommt es. allerdings habe ich immer noch nicht das gefühl, daß ich mein leben in die hand genommen habe, aber es passiert wenigstens das, über dessen fehlen du dich beklagst: aus lauter nicht-wollen-optionen erwachsen mir so langsam kleine pflänzchen, die sich ‘ich will!’ nennen und mich in eine grobe richtung schieben. bald wird man mir das auch ansehen :), denke ich – die veränderung hat immerhin in diesem jahr begonnen… also, kopf hoch – da tut sich bestimmt bald was!