Szenen
08.01.10Es ist kalt. Eigentlich viel zu kalt, um das Haus zu verlassen. Hätte ich die Wahl, würd ich Zuhause bleiben. Hätte ich die Wahl, würd ich allerdings meistens Zuhause bleiben. Der Weg ist glatt, eigentlich rutsche ich den Berg mehr runter, als dass ich laufe. Ist aber nicht so schlimm. Runter kommt man ja immer irgendwie, auf das Hoch freu ich mich allerdings nicht.
Die Ampel ist rot. Kann ich nicht leiden, passiert aber dauernd. Als wenn die genauso viel gegen mich hätte, wie ich gegen sie. Auf einmal sind lauter Menschen um mich rum. Jugendliche. Schüler. Ein Junge guckt mich an und ruft – sich im Schutz seiner Gruppe stark fühlend – haha, guck mal, die ist Studentin. Ja, bin ich. Wirst du niemals werden. Tut mir Leid für dich.
Vollspaten.
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Der Raum ist mehr oder weniger voll, zu viele “typische Mädchen”, die sich weigern, ein Fenster zu öffnen, zugleich aber ihr teures Parfüm meterdick auf ihre Porzellanhaut gesprüht haben. Nach Weihnachten ist das Parfüm immer das teuere, ehe es spätestens Ende des Frühjahrs den Billigprodukten von DM, Schlecker und Rossmann weicht, die ja immerhin “fast genauso riechen”. Fast. Ein wenig alkoholischer, ohne die prahlerischen Namen Armani, Gucci oder was-weiß-ich-wer-noch-Parfüm-produziert auf den Glasfläschchen, die auf einmal keinen nackten Frauenkörpern mehr ähneln, sondern aussehen, wie .. Fläschchen. Meinetwegen können wir es auch “Parfüm-Flakons” nennen, um nicht den ganzen chic zu klauen.
Wie dem auch sei. Jeder Atemzug treibt mir das bestimmt 80 Euro teure Parfüm tiefer in die Lunge – 80 Euro pro “typisch Mädchen”, insgesamt atme ich also Luft im Wert von über 500 Euro. Machts aber nicht besser. Besser wirds erst, als er auftaucht. Darf ich seinen Namen hier schreiben? Er hatte einen ganz wundervollen Namen, den er durch seine Stimmfarbe noch viel schöner machte. Aber bestimmt ist er so ein eingebildeter Pinsel, der sich ständig selbst googled, also werde ich euch den Namen vorenthalten müssen – schade. Er hat eine Mütze auf. Der Satz “er hat eine Mütze auf” klingt so simpel, dass man vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennt, was ich damit sagen will, also wiederhole ich es für euch: Er hat eine Mütze auf.
Sein Referat beginnt und ich kann ihm gar nicht zuhören, weil er so schöne Hände hat. Sein Name klingt immernoch verheißungsvoll in der Luft nach, bis sich seine Gestiken zu Karateschlägen wandeln. Was ist denn mit dem los? Faszination nimmt im gleichen Maße ab, wie sich das Referat dem Ende zuneigt. Powerpointpräsentation wird weggeklickt, gefolgt von einem provozierenden Blick Richtung Leinwand. Sein Desktop zeigt: Nackte Frauen. Sein Blick zeigt: Guckt mal, hab den Hintergrund nicht extra neutralisiert. Faszination ist längst Abneigung gewichen, auch wenn die Karateschlaggestiken ein Ende gefunden haben.
Dozent sagt irgendwas über Nazis. Referent grinst und lacht leise: Ich hab eine Meinung zu dem Thema, sieh mich an, ich hab eine Meinung. Abneigung wandelt sich in Ekel. Fragte ich schon, was mit dem los ist? Spätestens sein Sprung über den Tisch – abgesützt mit nur einer Hand, den Körper fast waagerecht über die Platte schweben lassend – beweist: Er ist ein echter Kerl. Er hats drauf.
Vollspaten.
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Der Supermarkt hat offen. Perfekt, mein Appetit verlangt nach Chips. Ich wünschte, er würde nach Schokolade verlangen, die hat verglichen mit den Chips viel weniger Kalorien – mein Appetit siegt jedoch gegen meine Wünsche. Dumme Sache. Chips sind eingepackt. Die Kasse ist fast leer, nur ein Kunde vor mir – alles perfekt, sobald die Kassiererin wieder da ist. Wo ist die eigentlich? Fragt der Kunde vor mir sich auch, klatscht in die Hände, als wäre er ein indischer Pascha und ruft laut “Heute noch?”.
Vollspaten.
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Bushaltestelle viel zu voll. Ist doch schon Mittag, was wollen die denn alle hier. Können die nicht nen anderen Bus nehmen als ich? Vielleicht sollt ich einen später nehmen. Schon irgendwie verführerisch, aber dann komm ich bestimmt zu spät. Irgendein Kerl belauert mich. Mir egal, ich lauer zurück, da kenn ich nichts. Kurzer Wortwechsel folgt:
Er: Du bist doch bestimmt schon 18.
Ich: Nein, grade 17 geworden (gedanklich füge ich ein Dankeschön an Gott hinzu, der mich selbst jetzt mit 22 noch wie 16 aussehen lässt.)
Er: Glaub ich dir nicht.
Ich: Vielleicht hab ich auch einfach keinen Bock, mich mit dir zu unterhalten.
Fazit: Hauptschüler um mich herum färben ab. Bin zum Asozialen mutiert.
Ich Vollspaten.
Schlagwörter:Alltag


08.01.10 um 18:49
Ha ha, kenn ich, kenn ich.
Vollspaten dachte ich gestern, als jemand im Bus den Busfahrer anherrschte und meinte, sowas Dummes wie ihn habe es noch nicht gegeben.
Und in meinem Kopf kam: “Oooh doch. Dich.”
08.01.10 um 18:50
Kann es sein, das der Typ an Akzent hatte oder so ne Franzosen-Mütze aufhatte? Die lungern da rum und wollen wir irgend ein Drecksabo andrehen.
Er sagt zu mir: Du bist doch gewiss 18; Ich: Bestimmt; Er: und du siehst so aus als könntest du lesen…
solche Tage sind Hass-tage wo ich Hass-Pickel kriege…
08.01.10 um 18:56
@Melli: An manchen Tagen ignorier ichs, aber heute ist einer dieser Tage, wo ich jeden von denen schubsen will >.<
@Dom: Der hatte eine weiße Mütze auf. Akzent weiß ich nicht, er kam nicht dazu, viel zu sagen, ehe ich ihn kwasi anbrüllte Oo’
08.01.10 um 19:08
Dann am besten direkt aus dem Bus schubsen, wenn die Tür aufsteht. Solche Leute stehen ja generell immer an der Tür und versperren den Weg. Raus damit :D
08.01.10 um 19:21
Als oberflächlich optimistischer Grundpessimist darf ich mich über deinen Sarkasmus nicht freuen, oder? Aber Zynismus wäre angebracht : o
08.01.10 um 23:50
Achja, als ich den Bus verpasste und meine neue Horror-Toilette fand und dann zur Bahn düste, da sprach der mich auch an – der mit der weißen Mütze, weiß das es deiner war, hast ihn mir ja gezeigt – und fragte mich das auch und ich sagte a auch “Nee bin ich nich” und er “Du siehst aber älter aus.” und dann strahlte ich den an und meinte: “Oh mein Gott ehrlich?? Du bist der erste der das sagt. Schönen Tag noch.” und ging :D
Und vorhin als ich aus der City Galerie kam, kam son anderer – gibts da irgendwo ein Nest? Oder zieh ich die magisch an??- und ich meinte “Nein.” und er “Wie alt bist du denn?” und ich “16!” und dann wünschte er mir einen schönen Tag xD
Hach ja manchmal is es toll jünger auszusehen :D
09.01.10 um 10:17
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09.01.10 um 16:51
um nicht schon wieder ‘gefällt mir gut!’ zu schreiben, schließe ich mich silke an:
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10.01.10 um 10:12
Manchmal, nä… also manchmal krieg’sch richtisch so ‘ne heiße Sympathie-Welle, wenn ich Deine inneren Monologe lese… woher hast Du diese Denke bloß? Stolz glotz…