Ohoh.
09.01.10Hilfe, ich bin inkonsequent. Und ich gehe davon aus, dass ihr es auch seid, schließlich haben Gruppen à la “Ich sollte eigentlich lernen, aber hänge stattdessen auf Facebook rum” seit zwei Jahren Hochkonjunktur. Irgendwie kommen wir uns alle ja ungeheuer geil dabei vor, zu wissen, dass wir etwas machen müssten, aber alles so lange aufschieben, bis man Tag und Nacht über den Büchern hängen müsste, damit man es tatsächlich noch bis zur morgigen baldigen Deadline schafft. Jetzt ergeben sich aber zwei neue (Generations-)Probleme.
1.) Nette Professoren, die uns in all den Studienjahren anerzogen haben, dass man mit einem Lächeln und einer höflich gehaltenen e-Mail die Deadline ohne Weiteres verschieben kann (manche sind sogar so fies gewesen, die Deadline “offen” zu halten, weil sie genau wussten, dass sie dadurch viel weniger Arbeiten korrigieren müssen, weil wir nach 1 1/2 Jahren doch lieber einen neuen Kurs besuchen, anstatt uns erneut mit schon einmal durchgekautem Material zu befassen).
2.) dass wir mittlerweile mit Laptops umgehen können. Die Arbeiten müssen wir ja sowieso per e-Mail und in gedruckter Form einreichen. Das heißt, wir werden nicht daran vorbei kommen, MSWord oder OpenOffice anzuschmeißen, um den Text zu tippen. Aber da wir alle mittlerweile 6-10 Finger (halbwegs blind)schreiben können und Internet haben, führt das dazu, dass wir die Arbeit direkt am PC schreiben, denn das Internet ermöglicht uns (Google Scholar) eine schnellere Recherche, man kann zu Hause bleiben und muss sich nicht in der Uni-Bibliothek Oropax reinstöpseln. Ich finde es übrigens sowieso bezeichnend, dass Bibliotheken mittlerweile so laut sind wie ein 1.Klasszimmer, weil ja jeder seinen Laptop mitschleppen muss und das allgemeine Tastaturgehacke eine Geräuschkulisse erzeugt, dass man sich mittlerweile überlegen muss, wie sinnvoll die “Bitte nicht reden, Sie befinden sich in einer Bibliothek”-Schilder noch sein können.
Das alles führt dazu, dass wir die Arbeiten am Laptop schreiben. Der Punkt ist aber, dass Arbeit und Freizeit verschmelzen. Facebook, Twitter, Tumblr, Nachrichten, Blogs und alles, was die “Generation Upload” mittlerweile ausmacht, befindet sich am selben Ort wie unser Arbeitsplatz. Ich check mal kurz, ob ich eine neue Nachricht auf Facebook habe? Nein, okay, vielleicht ist ja auf Twitter was? Nein, eventuell hat mir ja mein Dozent (!) auf meine e-Mail geantwortet? Nein, aber vielleicht kann mich tumblr ja inspirieren? Nein, aber vielleicht habe ich ja jetzt eine neue Nachricht auf Facebook bekommen? Nein, okay, was sind denn die neusten Schlagzeilen eigentlich, gibt es was Neues auf meinem derzeitigen Lieblingsblog? Ich lese noch kurz meinen eigenen Blogeintrag, vielleicht sind da ja Rechtschreibfehler drin? Ihr versteht (und wusstet das hier natürlich auch schon seit zwei Jahren).
Ich muss aber jetzt eine Magisterarbeit schreiben und habe die ersten drei Monate nichts, ich wiederhole, nichts, wirklich gar nichts, null, nada, hiç bir şey, gemacht. Die Deadline ist am 1. April. Die Deadline ist fix, kein netter Professor, nur das amorphe Prüfungsamt, das Mitleid als Fremdwort behandelt. Ich könnte zwar ein begründetes Schreiben einreichen, warum ich nicht dazu gekommen bin (und ich kann gut lügen ;) ), das aber würde meine Studienzeit in die Länge ziehen und wer will das schon? Ich sitze also hier und schreibe Blogeinträge, helfe Kühlschränke aus dem dritten in den ersten Stock zu tragen, und währenddessen liegt das aufgeschlagene Buch neben mir seit einer Stunde auf S. 182. Das, und weitere 5, Bücher hätte ich eigentlich gestern zurückgeben müssen, da die Leihfrist ausgelaufen ist. Habe ich je einen Blick reingeworfen? Nein. Lieber habe ich mir andere, komplett themenfremde, Bücher durchgelesen. Vielleicht sollte ich einfach Facebook & Co. sperren? Hat da jmd. von euch Erfahrungen mit? Ist das sinnvoll oder eher hanebüchen? Hilfe? Das bringt nicht wirklich was, oder? Hat da mittlerweile jemand ein Patentrezept gefunden?
Schlagwörter:Facebook, Internet, Magisterarbeit, Selbstzensur, Sperre, Uni


09.01.10 um 13:45
Ich musste eine Arbeit schreiben. Abgabe morgen. Hatte vier Wochen Zeit und hab nichts getan. Grad hab ich für 2 Stunden das Internet ausgestöpselt und geschrieben und siehe da: Fertig : )
Also los, mach das Internet aus – aus reiner Langeweile wirst du arbeiten.
09.01.10 um 13:49
Hannah, mein Thema ist aktuell, d.h. ich muss im Internet recherchieren. Vor allem auch schauen, welche Ansichten die Autoren vertreten, weil das wichtig für die Einordnung ihrer Aussagen ist. : (
09.01.10 um 14:06
Ich an deiner Stelle würde erst meine Recherchen machen und mir das Zeg tatsächlich ausdrucken. Mache ich so wenn ich mal wieder im Internet festklebe.
09.01.10 um 14:07
Stimmt, hör auf Moonica! Los, ausdrucken und Internet aus :D
09.01.10 um 14:09
Das ist in der Tat ein guter Ratschlag. Ich hab auch schon 500 Seiten gedruckt :D Also gut, Internet aus. Ab morgen , die Blätter habe ich nämlich zu Hause und nicht da, wo ich gerade lerne. >.<
09.01.10 um 17:43
es gibt ein firefox-addon, mit dem man bestimmte seiten für bestimmte zeiten/tage sperren kann – leider finde ich es gerade auch nach intensiverem googlen nicht… falls es doch noch auftaucht, melde ich mich ;). dann gibt es noch eins, mit dem man seiten komplett sperren kann.
10.01.10 um 10:26
Ich würde auch gern studieren. Ja, in meinem Alter. Ich würde mich in den Hörsaal der Historischen Fakultät der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf setzen. Mich mit den Dozenten streiten. Denn die empfehlen, alle Denkmäler aus der Zeit vor 1933 abzubauen und in eine leere Messehalle zu schaffen. Angeblich, um so das Image der Stadt zu verbessern und so mehr Kauflustige anzuziehen. Jetzt streite ich auch schon mit denen darüber, aber ohne Status per Email.
Im Frühjahr und im Sommer würde ich den vielen Studentinnen den charmanten grau-melierten Sugar-Daddy geben, mit dem nicht vorhandenen Goldzahn in meiner Prothese blinken und mich mit verheißungsvollen Blicken lächerlich machen – den Bauch einziehend. Eine Senioren-Studentin würde sich dann meiner erbarmen, aber ich stieße sie zurück. Sie riecht nach Versorgt-werden-wollen.
Ich hätte auch einen Laptop und keinen PC. Würde bloggen und twittern und mein virtuelles Ich-Sein auf Facebook pflegen.
Ach nein. Ich glaube, das laß ich. Studenten müssen tatsächlich heute zu hart arbeiten (keine Ironie). Der Druck wäre mir unangenehm. Lese ich lieber weiter in einem Studenten-Blog. Das hat auch was… ^^