1008

13.01.10

Früher war ich der Quartettkartenspielekönig. Ich wusste immer nach ungefähr zwei Stunden, welche Karte die beste war und wie hoch die Wahrscheinlichkeit lag, dass ich mit den mir zugeteilten Karten die Runde gewinnen würde.1 Ich lag meistens richtig. Natürlich wollten meine Eltern aus mir einen echten Mann machen und so kauften sie mir ein Autoquartett, passend zu den Matchobox-Flitzern. Also verbrachte ich meine Zeit entweder damit, auf dem Boden liegend Fußball zu spielen und zwar mit Bällen aus zusammengedrücktem Kaugummi-Alufolienpapier2 oder aber ich schlug die Zeit tot, in dem ich mein Lieblingsauto anschmachtete: Den Blue Flame. Höchstgeschwindigkeit 1008 km/h. So habe ich das zumindest in Erinnerung (bitte jetzt keine Faxen machen und durch etwaige Recherche meine Träume vernichten, okay?).

Ich bin mit dieser Karte unter dem Kopfkissen eingeschlafen. Und anscheinend hat das Unglück von da an seinen Lauf genommen. Kindergeschichten handeln meistens davon, dass man irgendetwas unter das Kopfkissen platziert und magische Dinge passieren. Die Zahnfee spielt hier die Rolle der A-Prominenz. Bei mir hingegen ist folgendes passiert: Schon als Kind wusste ich, dass ich niemals so ein Auto fahren können werde, während ich gleichzeitig unendlich beeindruckt von der Maximalgeschwindigkeit dieses stromlinienförmigen Geschosses blieb. Aber, der Realistenknirps, der ich war, habe ich mir einen Fluchtweg ausgetüftelt: Ich legte diese Karte unter mein Kopfkissen und des Nachts, während ich schlief, begann die Karte sich durch watteweiche Federn hindurch zu arbeiten, bis sie schließlich über die Kopfhaut hinweg in mein Gehirn eindrang. Ich bin mir sicher, dass man in meinem Gehirn ein stilvoll-eingraviertes Synapsen-Tattoo mit der magischen Zahl “1008″ finden wird. Wer will wetten?

Und das erklärt alles. Warum ich so schnell Auto fahre, warum ich un-un-ter-brochen mit den Füßen wippe, warum ich an S-Bahnhöfen ausrechne, wo ich am Zielbahnhof aussteigen muss und schonmal an der richtigen Stelle einsteige, warum ich lieber zu spät aus dem Haus gehe und dann einen Sprint hinlege, warum ich so schnell auf 180 (1008) bin, warum ich absolut frei von jeder Geduld bin und und und. Es liegt am Blue Flame. Für euch ist das vielleicht unbedeutend, aber ich habe mir gerade 100 Stunden Psychoanalyse erspart, einfach nur durch eine simple Erinnerung.

  1. Nicht umsonst war ich auch Rechenkönig. Das Bürger-King Krönchen war mir!
  2. Ihr müsst euch das bildlich vorstellen. Ich liege auf dem Boden, die eine Hand zum Tor geformt (das frühere Arschloch-Zeichen) und mit der anderen kleine Bälle kickend und nebenbei eine fiepsige Stimme, die “Traumtor” und “Kreuzeck” in die Leere des Raumes brüllt.

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Yo, turbo.

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  1. stiller

    Ich glaube, das Quartett habe ich auch.

  2. ichgehschlafen

    hast du unter den gleichen Folgeerscheinungen zu leiden? >.<

  3. Tweets die 1008 | aHeadwork erwähnt -- Topsy.com

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Hannah, Hannah erwähnt. Hannah sagte: Blogged: http://bit.ly/82LQ1c [...]

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