Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mein Leben stagniert – und das schon seit Monaten, ach, was rede ich, seit Jahren. Während ich – rein temporal gesprochen – in die Jahre hineinlebe, verändert sich nichts. Ist es das, was man „Erwachsenwerden“ nennt? Meine Tage, von denen ich früher immer stolz behaupten konnte, dass keiner dem anderen gleicht, sind zu einer dieser Abarten mutiert, die ich nie leiden habe, geschweige denn anstrebte: Sie sind langweilig. Inzwischen ist es egal, nach welchem Tag meiner Woche man mich fragt, die Antwort lautet immer: Ich bin um 9 aufgewacht – hab nicht gut geschlafen, zu viele Alpträume – war duschen, einkaufen, habe mir eventuell was gekocht, um anschließend für die Uni zu lernen und nebenbei immer wieder einen Blick auf aHeadwork zu werfen und mich über die steigenden Besucherzahlen zu wundern. Das ist mein Tag. Das ist mein Leben. Das ist Alles, aber das darf doch nicht alles sein?
Immer größer wird mein Verlangen, einfach mal auszubrechen. Vielleicht ein Urlaubssemester, in dem ich ein einjähriges Praktikum meiner Wahl mache. Vielleicht eine kleine „Reise“, die hauptsächlich aus interessanten und minder-interessanten Couchsurfing-Abenteuern bestehen würde. Vielleicht einfach mal in eine Bahn setzen, ins Nichts fahren, in der Fremde auszusteigen und etwas kennenlernen, was es vorher in meiner Welt nicht gab.
Aber dafür ist keine Zeit.
Es ist nie Zeit für irgendwas. Die Antwort, wenn mich einer meiner Freunde fragt, ob ich Lust habe, etwas zu unternehmen? „Ja, total, aber ich hab keine Zeit, sorry.“ – Das kann es nicht sein und doch ist es das. Das Einzige, was ich am Ende des Tages, der Monate und der Jahre sagen bzw. vorweisen kann: Gute Noten. Ja, tatsächlich sind meine Noten wesentlich besser, als sie es je waren. Nicht einmal in der Grundschule hatte ich so viele Einsen, wie ich nun präsentieren kann. Aber für diese Einsen habe ich meine Freizeit aufgegeben und langsam ist es mir zu wider.
Heute: Klausur. Gelernt: Nichts. Rein gar nichts. Hab von Anfang an auf die Nachschreibeklausur gesetzt, sodass ich heute völlig entspannt da saß, willkürlich Antworten zu Multiple Choice Fragen ankreuzte, um anschließend vor den offenen Fragen zu kapitulieren – da kann man nicht einfach raten. Nicht, ohne sich völlig zum Affen zu machen. Nach 5 Minuten gab ich ab. Mit mir sicher 50-70 andere. Die setzen wohl auch auf die Nachschreibeklausur. Oder sie haben ein Leben, während ich nur Uni habe. Der Grund, weswegen ich mich auf die Nachschreibeklausur verlasse, ist nicht etwa, dass ich mehr Freizeit wollte oder einfach mal die Seele baumeln ließ. Ha, schön wärs. Der Grund ist schlicht und einfach, dass ich am Freitag eine weitaus wichtigere Klausur schreibe. Eine, die mich bereits im ersten Semestern das Zittern lehrte. Statistik. Mathe. Igitt.
Was bleibt, ist ein großes soziales Nichts mit guten Noten oder, anders ausgedrückt, ein jammerndes, kleines Mädchen, das nicht arbeitslos unter einer Brücke sterben will. Nimmt mich jemand auf, wenns soweit kommen sollte? Ich bin pflegeleicht und kann gut kochen.
Kenn ich noch aus meiner Endstudienzeit.. Freu dich auf die Zeit danach!! Es wird wieder aufregender. Ganz sicher. Und ab und an sich mal ne Auszeit gönnen und einfach mal in die Stadt fahren und raus aus dem grauen Alltag. Sport, Schwimmen, im Waldlaufen, was auch immer. ich drück dir die Daumen.
*wink*
Das Blöde an so einer Reise ins Nichts oder einjährigen Pause – danach geht die Langeweile und das Ich-will-ein-Leben wieder los…
Bei mir ist es eher umgekehrt, mehr noch: Ich beneide dich darum, dass du dich zusammenreißen, konzentrieren und mit guten Leistungen brillieren kannst. Denn mich hat das Studium, bezogen auf meine Selbstdisziplin, massiv ausgebremst. Man muss eben den Spagat finden: Zwischen hart arbeiten, aber auch mal voll abknipsen. Tanzen bis 6 und 9 wieder zur Uni kriechen. Hausarbeit schreiben, aber im Anschluss auch mal Käffchen trinken gehen. Es ist gerade SALE, Baby. Geh einfach raus, trommel die vernachlässigte Lady zusammen, kauf, bis zu umfällst. Das ist das Ding. Stagnation muss sein, zwischendurch. Wenn alles spannend wäre, gäb’s ja keine Spannung mehr. Yippieyay.
So was passiert Dir immer, egal, wie alt Du bist. Immer dann, wenn sich Dein ganzes Sein einen längeren Zeitraum lang einzig und allein um eine Sache dreht. Du tauchst dort ein und plötzlich besteht Dein Leben nur noch aus ein bißchen schlechtem Schlaf, schnellem Essen und eben dieser Sache. Später einmal wird Dir diese lange Phase vorkommen wie ein durchgehendes Geschehnis.
So um Ostern herum werde ich genau das machen, was Du brainstormtest: Ich werde mich in einen Zug setzen und losfahren. Wenn ich keine Lust mehr habe – nach 10 Stunden oder drei Tagen – werde ich aussteigen. Und dann möchte ich alles wissen über diesen Ort, an dem ich dann bin. Bis ich keine Lust mehr habe und zurückfahre.
Wohin, ist nicht so wichtig. In jedem Fall nach Südwesten. Komm doch mit… ^^
genau das ist der grund, warum ich ab märz oder so höchstwahrscheinlich nur noch 80% arbeite. damit erkämpfe ich mir einen völlig freien [wichtig:] werktag, an dem ich alles erledigen oder auch nur abhängen kann, denn: samstag geht auch noch einkaufen :). und abhängen sowieso. der blöde spruch: ‘wenn du alt bist, hast du zeit.’ stimmt nämlich nicht, denn meine mutter ist ‘alt’ [60] und hat zwar zeit, kann aber nicht mehr viel machen, da sie krebs, diabetes und herzrhythmusstörungen hat. so isses. also, hannah: nimm’ dir ab und zu jetzt die zeit!! los! :)
@ rebhuhn
Ehm… darf ich Dich höflich darauf aufmerksam machen, daß die statistische Lebensdauer in den westlichen Industrienationen seit Jahrzehnten steigt? Frau werden, glaube ich mich zu erinnern, durczhschnittlich 78 Jahre alt, Männer rund vier Jahre weniger. Deine Frau Mutter hat also durchaus noch 20 Jahre vor sich, ich mit meinen 54 Jahren ebenfalls. :-)
Alte Leute wie wir können zwar nicht mehr die Nacht durch machen und am nächsten Morgen zur Arbeit gehen, als wäre nichts gewesen. Aber das wollen wir auch gar nicht.
Ich zum Beispiel bin sehr glücklich in meiner Ikebana-Gruppe, nehme regelmäßig an Kaffee-Verkaufsfahrten teil, um meine nicht vorhandene Rente zu verprassen und wenn ich ein Probleme zu haben meine, erähle ich davon in meiner gemischten Hetero-/Schwulen Männergruppe. Hey, da steppt der Bär… ^^
Jedenfalls so ähnlich.
@Silke: Danke für die netten Worte : )
@Schatz: <3
@Miss Carrie: Das ist wahr -.-
@Kleinod: :D Verdammt, du hast Recht, es ist wirklich grade Sale, ne?
@Dad: :D Mal sehn
@rebhuhn: Ich denk mir immer “nach der Klausurphase tu ich mal ne Weile nichts”, aber irgendwie ist nach der Klausurphase vor der nächsten -.-
@Georg
ikebana würde meiner mutter auch gut gefallen ;).
Ich nehm dich auf. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Und wenn du kochen kannst ist das schonmal Non-Plus-Ultra. Ich nämlich nicht …