Lachen gegen die Stille

31. Januar 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 7
Lachen gegen die Stille

Eiskristalle peitschen mir ins Gesicht und fühlen sich an wie Nadelspitzen, die immer wieder in meine Haut stechen, sodass ich mir schon vorstellen kann, wie trocken und kaputt sich meine Wangen am Abend anfühlen werden. Der Boden ist rutschig. Zu rutschig. Wer hat eigentlich gesagt, dass ein Sturz Stunden dauert? Meiner dauert einen Atemzug kurz, so kurz, dass mir nicht mal mehr Zeit bleibt, zu realisieren, dass ich falle, falle und falle. Die Alptraumvorstellung wird tatsächlich wahr: Wenn man auf einem Berg fällt, bleibt man nicht einfach liegen. Nicht, wenn der Boden vereist ist und gerade neuen Schneezuwachs aus Richtung Himmel erhält. Man schlittert weiter. Mag auch an der teuren Carhartt-Winterjacke liegen, hey, die haben bestimmt so nen Überzug, der Wasser abweist – ist aber Kacke, wenn man gerade fällt, die Rutschpartie hört dann nämlich gar nicht mehr auf.

Irgendwann liege ich da: Cool wäre vielleicht, läge ich wie eine Schildkröte auf dem Rücken, stattdessen liege ich auf dem Bauch, alle Viere von mir gestreckt, spüre, wie der sicher 10 Kilo schwere Rucksack mich noch härter an den Boden fesselt und lache. Ich lache, um nicht weinen zu müssen. Ich lache, um die Stille der Peinlichkeit zu übertönen, die es trotzdem schafft, lauter zu schweigen, als ich lachen kann. Ich lache, weil ich mir das nicht ausgesucht habe und es passiert ist.


  1. Sorry, aber: YES! Peak Schadenfreude! Frag mal rum, ob jemand ein Video gemacht hat. Habt doch bestimmt Hobby-Voyeure bei euch. Bitte!!

  2. Um die Uhrzeit nicht :D Mein Glück.

  3. Ach meine Liebste *tätschel* Wenn man Stufen hochfällt, dann rutscht man auch weiter , nämlich wieder runter:) Aber egal wie oft du einen Berg runterpurzelst, oder sonstwie den tückischen Fallen des Winters erliegst, ich werde dich immer lieben <3

  4. Ich schließe mich – mit einer dicken Umarmung – Kathy an. :)

  5. Heute morgen mußte ich raus aus dem Tal. Kein Tabak mehr. Alles ertrage ich: Hungerrationen, kein Natreen Eistee mehr, kaum noch Kaffee. Aber kein Gauloise-Tabak mehr (den hellblauen, bitte) kann ich nicht.

    Ich habe 150 kg Messing in den Kofferraum gepackt wegen der Bodenhaftung. Und bin wie ein Motorschlitten auf meinen Sommerreifen den Berg hinauf. Zur nächsten Tanke. Tabak. Croissants. Und zurück.

    Wieder hinab ins Tal. Glatt wie auf einer Eisbahn. Jetzt geben die 150 kg zusätzlichen Schub, die Motorbremse nutzt da kaum noch. Drei junge Leutz stapfen mir entgegen, Geschlecht nicht erkennbar bei der Winter-Unisex-Kleidung. Ich bremse, gleite weiter. “Platz da, Platz!”. Sie stieben auseinander, hechten in den Straßengraben, schauen ungläubig und schneebestäubt unter ihren bunten Finnen-Mützen meinem Opel Blitz hinterher. Harr, harr… Achtung, die Eisenbahnbrücke. Ich schneide die Kurve, will den Winkel verkürzen.. Aber 115° sind 115°. Pythagoras hatte recht. Der Wagen bricht hinten aus. Logisch. Kurz bevor der rechte Kotflügel an das Brückengeländer knallt, gebe ich Vollgas. Der Vorderradantrieb reißt den Wagen nach vorn. Ganz kurz knallt das rechte Hinterrad gegen den Bordstein, schon ist der Wagen wieder frei. Geschafft. Noch 250 m ausrollen lassen. Oben am Hang stehen die drei Studentlein. Schimpfen, winken, wirken erleichtert. “Für Kaiser, Reich und Vaterland.”, rufe ich noch. Aber was wissen die davon? Jetzt erst einmal Kaffee kochen, ‘ne Gauloise drehen… ah, da kommt der Schneeräumer. Pah.

  6. hmmm… warum kommt mir die Situation bloss so vertraut vor?^^
    Es tut echt gut zu wissen, dass man nicht der einzige Tollpatsch ist, dem sowas widerfährt^^

  7. So kommst du in Siegen aber auch sehr schnell vom Uniberg runter, ist praktisch. ;)