Ich bin aus dem Zimmer gerannt. Raus, rein. Alle Blicke auf den alten Grundig. Das Herz wie ein Vorschlaghammer. Der Ball fliegt drüber. Großaufnahme Roberto Baggio. Eine ganze Kameraeinstellung über geschlossene Augen. Dann Matchpoint Argentinien. Jubelschreie in meinem Viertel. Argentinien gewinnt. Walter Zenga ist doch nicht unfehlbar. Nun habe ich keine fremden Götter mehr neben Dir. Die Tränen kullern wie von selbst.
Als “The Ultimate Warrior” gegen “Hulk Hogan” antritt, sterbe ich beinahe. Die Diagnose hätte “Tod durch Luftanhalten” geheißen. Doch wenn zwei Gute gegeneinander kämpfen, ist das Endergebnis beinahe egal. Mir nicht. Ich warte 20 Minuten gespannt auf den Theme-Song und springe dann endlich blind vor Glück und wild jauchzend auf dem Brustkasten meines Bruders auf und ab. Später erfahre ich, dass es alles nur Hexerei ist. Die Tränen kullern wie von selbst.
Als er mich zu Boden wirft, verliere ich sie aus den Augen. Empörte Mundbewegungen, undefinierbares Schallwellenchaos. “Florian, wie kannst du nur, er ist viel kleiner als du.” Das sind die magischen Worte. Doch anders als gedacht. Das rote Tuch Körpergröße. Sie reicht mir die Hand. Wir lieben uns. Seit der ersten Klasse. Rollenbilder waren nie meine Welt. Als ich aufstehe, weine ich. Ab und an sehe ich Florian auch heute noch. Der Händedruck ist fest, die Münder angewinkelt. Irgendwann ramm ich ihn in den Boden: Und wenn es mit 60 ist.