Wuhuu, was für ein hochtrabender Titel, nicht wahr? Da fühlt man sich doch direkt gefangen in beinahe wissenschaftlich anmutenden Überlegungen zu Individualisierungsthesen und -stürmen, die spätestens seit der 68er-Generation die Medien und vorallem die Köpfe der Gesellschaft gar nicht mehr verlassen haben.
Es gibt Leute, die können mit wenig Anstrengung Sätze bilden, die sich so wundervoll intelligent anhören, dass man sich sogleich genötigt sieht, zustimmend zu nicken – auch wenn man erstmal kein Wort versteht. Warum? Weils intelligent klingt und könnte ja dann immerhin auch alles richtig sein, was da steht. Da will man sich ja nicht die Blöße geben, zuzugeben, dass man eben diese Worte erstmal gar nicht rafft. Ich kann sowas nicht. Hier nicht, im sprechenden Teil meines Lebens nicht und auch sonst nirgends.
Egal, darum geht es ja gar nicht. Es geht um diesen Beitrag, den ich las und .. ja, erstmal dachte ich mir: Wow, oke, ja klar, hast du völlig Recht. Inzwischen habe ich darüber nachgedacht und immer größer wird mein Unmut diesbezüglich.
Das Web 2.0, Pestbeule der modernen Kommunikation, aufbrechendes Geschwür was uns immer wieder zuverlässig mit sozialem Eiter versorgt, gepriesen seist du, für eine neue Welt von Individualisten. Menschen, die so individuell sind, dass sie nur mit dem Herzen gut sehen. Tritt man mit der Frage an uns heran, “Sag doch mal was über dich”, dann finden wir keine Worte; es ist so schwer, sich selbst zu beschreiben. Wir sind zwar aufgeklärt und klug und Party ist wichtig, aber eigentlich sind wir ja ach so tiefgründig und man kann so gut mit uns reden und sich immer auf uns verlassen, aber Selbstreflektion? Die liegt uns einfach nicht so. Meine Freunde wissen doch wie ich wirklich bin und das reicht doch auch. Was andere von mir denken, da scheiße ich drauf.