Die Welt summt in b-Moll – Mari Strachan

06.02.10

Kennt ihr dieses Gefühl, das man manchmal nach Büchern hat? Dieses ganz langsame wieder Wachwerden, wieder Auftauchen und aus dem Buchzurückkehren?

„Die Welt summt in b-moll“ ist eines dieser Bücher, das einen schon nach wenigen Seiten völlig fesselt und das ohne, dass man etwas davon mitbekommt. Innerhalb weniger Minuten war ich in die Welt von Gwenni abgetaucht, einem kleinen Mädchen, das glaubt, sie könne fliegen. Ein Mädchen, das glaubt, fliegen zu können, in den abgesplitterten Farbflechen an der Küchenwand Leimgesichter erkennt, die den Familiengeheimnissen lauschen und zugleich immer die drei Tonmänner im Auge behält, die zur Dekoration auf dem Regalbrett sitzen und es nicht müde werden, sie und vor allem die nackte Porzellanfrau anzustarren.

Gwennis Welt – ohnehin schon zerrüttet, weil ihre Mutter sich kaum mit ihr beschäftigt, außer, wenn es darum geht, ihr mitzuteilen, dass die Leute sie für „verdreht“ halten werden, wenn sie sich weiter so absonderlich benimmt – wird auf den Kopf gestellt, als einer ihrer Nachbarn verschwindet. Zufällig ist es der Mann, der mit ihrem Mutterersatz Mrs. Evans verheiratet ist und nichts kann Gwenni davon abhalten, Licht in das Dunkel seines Verschwindens zu bringen.

Zusammen mit den Geheimnissen, die sie während ihrer Ermittlungen erfährt, wird das Verhältnis zwischen ihr und ihrer Mutter immer schlechter und mir als Leser fiel es immer schwerer, nicht in Tränen auszubrechen, wenn sie sich wieder einmal deren Vorwürfe anhören musste, die so gar nichts mit dem gemein haben, was Gwenni ausmacht.

Bethan hat sich heute Abend in den Schlaf geweint. Ich lasse sie hicksend und schnarchend zurück, während ich immer höher, höher, höher in den Himmel hinaufsteige, wo die Luft so sanft ist wie der gepuderte Busen von Mrs. Williams. Hier oben, weit weg von allen anderen, ist die Nacht friedlich, das einzige Geräusch ist das Summen der Erde. Als ich in der Schule Mr. Hughes, dem Musiklehrer, den Ton vorgesungen habe, meinte er, das wäre ein b, aber als ich gesagt habe, dass die Erde diesen Ton summt, hat er gelacht.

Die Welt summt in b-moll – Mari Strachan

Fasziniert hat mich vorallem, dass der Schreibstil von Strachan in keinster Weise etwas Besonderes ist und eher in Richtung seichter Unterhaltungslektüre zielt – zugleich besitzt sie jedoch ein umwerfendes Talent dafür, Charaktere lebendig und plastisch darzustellen, sodass man nicht umhin kann, gierig mitzufiebern und darauf zu warten, was als nächstes geschieht. Während dem Leser bereits nach einigen Seiten klar sein dürfte, wer für den Mord an Mrs. Evans Mann verantwortlich ist, kämpft Gwenni lange darum, diesen Umstand zu verstehen und damit umzugehen.

Preis vs. Leistung:

87%

19,95€ sind zwar nicht gerade billig, für ein gebundenes Buch allerdings völlig normal und bei dem Inhalt täte es mir nicht weh, das Geld dafür hinzulegen.

Schreibstil:

45%

An sich ist der Schreibstil nicht besonders – weder gut, noch schlecht. Faszinierend ist die Charakterarbeit.

Story/Idee:

62%

Eine zarte Geschichte, die durch einige Höhen und Tiefen geht und mich mit einer leichten Trauer zurücklässt.

Schlagwörter:
Kategorie: Rezension

Vielleicht, wenn alles anders wäre ..

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  1. Anita

    Du weisst ja hoffentlich, wer dieses Buch jetzt bekommt…..

  2. Chris

    Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiich

  3. rebhuhn

    zu viele gute bücher, zu wenig zeit… *seufz

  4. Anita

    @chris
    wieso denn jetzt Du????

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