6. Gastbeitrag: Luigi

09.02.10

An dieser Stelle folgt der sechste Gastbeitrag aus der Blog-Reihe: „Ich sehe was, was du nicht siehst„. Geschrieben, gedacht, gesehen von Stiller , dessen Blog The Stiller ihr jederzeit besuchen könnt, wenn ihr mehr von ihm lesen wollt .


Kleine Brüder haben es schwer. Manchmal auch die großen Brüder. Einer ist immer der Beliebtere. Michael ist erfolgreicher als Ralf, Bill hat mehr Haare als Tom und die Baldwins, na gut, die sind alle irgendwie durch. Übrigens kein Phänomen der Neuzeit. Schon in der Bibel, so etwas Harry Potter oder Twilight für die Jahrhunderte 1 bis 20, begann der Bruderstreit. Abel opferte mehr und bessere Leckerli als Kain, wurde dafür von Gott in dessen Herzen gesaved und von seinem Bruder aus Neid zum ersten Mordopfer der Weltgeschichte auserkoren. Soweit ist es bei zwei Klempner-Brüdern zum Glück noch nicht gekommen. Dabei hätte der eine von ihnen, der mit dem grünen Pulli, allen Grund dazu.

Es ist ja immer das gleiche Prozedere. Mario und Luigi, die beiden italienischen Pömpelgötter aus Japan, plätten allerhand Schildkröten, Kastanienpilze und den Bowser-Clan und wer bekommt am Ende die Prinzessin? Der kleine, moppelige Mario. Nicht etwa der ranke und schlanke und, zugeben, etwas schlaksige Luigi. Warum? Steht die Königstochter von heute, mal Peach, mal Daisy, je nach Abenteuer, auf eine sicherlich behaarte Plauze? Bei den Frauen, so scheint es, ist der grüne Pullover, das Symbol für die Hoffnung, ein knallhartes Oxymoron.

Aber es sind ja nicht nur die Frauen, die Luigi verschmähen. Auch unter den Zockern genießt er nicht die größte Beliebtheit. Bei den ersten Abenteuern war er die Figur des zweiten Spielers. Der Gast, meistens ein Anfänger, durfte mit ihm durch die Welten und in Abgründe oder Sanitärfachkräfte-fressende Pflanzen hüpfen. In Super Mario Bros. 2, damals auf dem Nintendo Entertainment System erschienen, hatte man immerhin die Wahl – und die fiel nur im Notfall auf ihn. Aus vier Figuren konnte der Spieler wählen. Mario war der Allrounder. Toad hatte einen lustigen Pilzhut. Die Prinzessin konnte, vielleicht mit Darmwindantrieb in Kombination mit ihrem Kleidchen, ein paar Sekunden schweben. Einen Blick auf das königliche Höschen konnte freilich keiner erhaschen. Und dann war da eben Luigi. Er konnte hoch und weit springen. Eigentlich sehr praktisch. Wäre er dabei nicht so langsam gewesen. Ja, noch vor der Landung wurde er von fünf Dinosauriereiern in die ewigen Jagdgründe geschickt. Bei Videospielen glücklicherweise nur ein Zeitraum von 3 bis 5 Sekunden.

Auch der Super Mario Film, bezeichnend ja nach seinem Bruder benannt, wie die ganze Serie, konnte nicht helfen. Trotz der Verkörperung durch John Leguizamo. Schließlich stand neben ihm ein Bob Hoskins. Und oben drauf war der Film ein Riesenhaufen Grütze. Doch dann schien sich das Blatt zu wenden. Mit dem Erscheinen des Nintendo GameCube wurde nicht etwa ein neues Mario-Abenteuer veröffentlicht. Nein, Luigi’s Mansion hieß das Spiel, mit dem die Fangemeinde vorlieb nehmen musste. Nun, ich habe es nie gespielt. Als ich mir den kleinen, schwarzen Würfel kaufte, da war das Spiel ausverkauft und wurde nicht mehr aufgelegt. Bedarf es da noch weiterer Worte?

Zugegeben, so sehr ich das Super Mario-Universum schätze, ja, sogar liebe und verehre, wenn ich die Wahl habe, dann spiele ich mit keinem der Brüder. Bei Mario Kart, Mario Tennis oder anderen Ablegern, da greife ich zu Koopa Troopa. Oder Yoshi. Oder auch mal zu Rosalina, der kleinen Schnecke aus Super Mario Galaxy. Die Brüder werden vom Computer gesteuert. Soll mir mal einer vorwerfen, dass ich einen der beiden vorziehe. Und wäre es nicht irgendwie großartig, wenn die Prinzessinnen mal auf Yoshi davon reiten oder mit Koopa im Whirlpool baden würden? Dann könnten Mario und Luigi zusammen in einer Kneipe sitzen und eine Pina Colada trinken. Und gemeinsam seufzen, wie ungerecht doch die Welt ist. Egal ob man nun einen roten Pulli trägt oder einen grünen.

Der nächste Beitrag wird voraussichtlich am 13. Februar folgen und sich mit einem dieser drei Themen befassen:


An dieser Stelle folgt der fünfte Gastbeitrag aus der Blog-Reihe: „Ich sehe was, was du nicht siehst„. Geschrieben, gedacht, gesehen von Kleinod, deren Blog Kleinod auf Odyssee ihr jederzeit besuchen könnt, wenn ihr mehr von ihr lesen wollt .