And the Winner is …

11. Februar 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 5
And the Winner is …

… das Internet. Ja, wirklich. Das Internet ist offiziell für den Friedensnobelpreis 2010 nominiert und genau wie Henri auf Davaj! und Nerdcore stelle ich mir die Frage: Wofür eigentlich??

Ich glaube zu wissen, dass mal Menschen den Preis bekommen haben, die ihr Leben dem Frieden und der Versöhnung verschiedener Völker gewidmet haben. Menschen, die Vorbild für uns alle sein sollten…

(Via)

Einem Menschen diesen Preis zu verleihen, hat einen Sinn. Nominierte für den Friedensnobelpreis haben oft – wie auch immer man das im Endeffekt bewertet – eigenständig etwas geleistet. Dazu ist das Internet gar nicht fähig. Das Internet existiert einfach nur und wird benutzt – von jedem unterschiedlich. Und dafür soll es den Friedensnobelpreis bekommen?

Der Vorschlag für das Internet ist von der italienischen Ausgabe des Technik-Magazins “Wired” gekommen. Das weltweite Datennetz ist laut Wired ein Instrument für “Dialog, Debatten und Konsens durch Kommunikation” und fördere zudem die Demokratie.

(Via)

Hört sich gut an, wie es da so steht, nicht wahr? Ist ein Instrument für “Dialog, Debatten und Konsens durch Kommunikation”. Denkt man dann allerdings darüber nach, sieht man: Das stimmt ja so gar nicht. Das Internet ist ein Instrument, ja. Aber wie bei jedem Instrument offenbart sich der “Sinn” erst dann, wenn jemand bereit ist, ihm einen zu geben. Kurz gesagt: Es ist ein individueller Sinn. Während die einen im Internet “Dialog, Debatten und Konsens durch Kommunikation” sehen und verwirklichen, sehen die anderen darin eine Möglichkeit, terroristische Aktionen zu planen, Kinderpornografie zu verbreiten, Nonsens auf Blogs zu verbreiten oder in der Nase zu popeln und das bei YouTube online zu stellen und zugleich verschwindet die Abgrenzung zwischen Sendern und Empfängern immer mehr und mehr. In einer “normalen” Diskussion würde ich sagen, wäre ich der Empfänger, denn Henri von Davaj! sendete seine Nachricht. Aber dadurch, dass ich reagiere, dass ich blogge und veröffentliche, bin ich wohl gleichfalls Sender.

Bereits Magnus Enzensberger (ich hasse es, Wissenschaftler zu erwähnen, das wirkt immer so elitär und angeberisch, sorry) verwies darauf, dass das Internet den Unterschied zwischen Sender und Empfänger eliminiert habe und nun mag man sich denken: Na und, wen interessierts? (Genau genommen denke ich das bei vielen Theorien von Wissenschaftlern, aber psst.) In diesem Fall ist es jedoch essentiell: Die Grenzen zwischen Sender und Empfänger verschwimmen, das Internet – speziell das Web 2.0 – propagiert seinen Liebreiz in Form einer Offenheit für Jedermann und ignoriert dabei völligst, dass “Jedermann” auch gleichbedeutend mit Personen wie <Hier Namen gefährlicher Menschens einsetzen> sein kann. Natürlich öffnet es ungefährlichen kleinen Wesen wie mir immense Möglichkeiten – die sind halt aber auch für totale Volltrottel offen. Wie viele Bombenpläne liegen im Internet versteckt – sofern man hier von “versteckt” reden will – und sind frei zugänglich für Menschen, die einen Ausweg in Terroranschlägen und Amokläufen suchen?

Es geht hier nicht darum, ob das Internet gut oder schlecht ist. Es geht darum, dass es neutral ist. Eine Waffe ist neutral, schlecht ist der, der sie nutzt, um damit zu töten. Wenn also das Internet neutral ist und gleichzeitig eine Waffe, die jeder greifen kann, wenn er will, wie kann es dann ernsthaft dafür nominiert sein, den Friedensnobelpreis zu bekommen?


  1. ichgehschlafen

    Nur ein Einwand: Eine Waffe ist nie neutral. Es wird nie eine Blume aus der Waffe geschossen gekommen. Die Waffe als solche kann also nur zum Töten (gut) sein. Ansonsten ja, lächerlich. Aber ich denke mal, die wollten nur das Obama-Ding toppen.

  2. tz, ich finde ja, dieser Friedensnobelpreis wird mehr und mehr zur Farce, erst Obama und jetzt das Internet…
    Ich glaube ja kaum, dass das Internet in China zur Verbreitung der Demokratie und speziell gegen die Zensur etwas beigetragen hat, wo es doch selbst zensiert wird…

  3. außerdem was bringt es, wenn das Internet den Nobelpreis bekommt? Bei einem Nobelpreis gibt es auch immer eine hohe Geldsumme dazu, jemand der sich für die Menschen oder die Umwelt einsetzt, kann das Geld sinnvoll dafür nutzen Hilfsprogramme etc. auszubauen. Das Internet wird davon nur noch mehr geupdated, aber das wird es sowieso

  4. Ganz abgesehen von dem, dass das alles Quark ist, weil das Internet für jeden anders ist, ist das Internet auch einfach keine Person. Niemand hätte etwas davon, wenn es den Friedensnobelpreis bekommt, das ganze wäre eine irrsinnige symbolische Aktion und würde eine Debatte lostreten und die Diskussion um den Gründer des Internets auf den Plan rufen…