Heute Nacht habe ich geschlafen. Ich bin mir sicher, dass ihr nun vor euren Bildschirmen sitzt, irritiert mit dem Kopf nickt und euch denkt: „Ja, ich auch.“ – aber ihr versteht nicht, was ich euch sagen will. Ich habe heute Nacht geschlafen. Und zwar länger als 4-5 Stunden. Es waren mindestens 9. Ich schlief wie ein Stein, wachte nicht einmal auf und stand zum ersten Mal seit Tagen nicht restlos erschöpft auf. Tatsächlich war meine Erschöpfung inzwischen so ausgeprägt, dass ich nicht mal mehr die einfachsten Entscheidungen treffen konnte. Beispielsweise stand ich in meinem Arbeitszimmer und überlegte, den Stecker meines Handy-Akkus aus der Steckdose zu entfernen und durch den meiner Schreibtischlampe zu ersetzen. Ich stand mindestens drei Minuten lang erstarrt da, ehe ich mich zurück aufs Sofa legte – nicht, weil ich mich entschieden hatte, den Akku in der Dose zu lassen, sondern, weil ich einfach nicht dazu fähig war, eine Entscheidung zu treffen. Und dann weinte ich. Ich weinte ohne Ende und ich glaube nicht, dass ich um den armen Stecker der Schreibtischlampe weinte. Ich weinte einfach.
Aber heute Nacht habe ich geschlafen und als ich aufwachte, fühlte ich mich erholt. Nicht zu 100% – dazu sind wohl noch einige Nächte mehr erforderlich – aber definitiv erholter, als ich mich seit Wochen fühlte. Ich habe auch die Entscheidung nachgeholt, meinen Akku ausgestöpselt und die Lampe eingestöpselt. Jetzt brauche ich sie natürlich gar nicht mehr, aber es ging mir darum, den Akt zu vollziehen und zu beweisen, dass ich es kann – ich konnte es, ja. Ich war dazu fähig.
Nun sitze ich an meiner Hausarbeit und vermutlich ist das dumm. Vermutlich sollte ich mich den Tag über weiter erholen, aber gerade erscheint es mir richtig, an meiner Hausarbeit weiterzuarbeiten, die gar nicht mal so interessant ist, wie ich erwartet hatte. Irgendwie begannen die Themen sich ab dem vierten Semester zu wiederholen. Vielleicht bin ich zu unkreativ und dumm, um mir was neues einfallen zu lassen. Vielleicht bin ich aber auch zu faul, was neues zu schreiben und glücklich damit, die neuen Hausarbeiten aus verschiedenen älteren zusammenzustückeln – ich weiß es nicht. Langsam sollte ich mir allerdings ein Thema für meine Bachelor-Arbeit einfallen lassen, die mich nicht ganz so sehr langweilen sollte, weil ich sonst einfach keinen Spaß dabei haben werde und ein wenig Spaß darf ich mir ja wohl gönnen. Erst dachte ich, ich würde über Twitter und Neue Medien schreiben – das tat ich aber inzwischen schon so oft, dass ich zu dem Thema einfach nichts neues mehr zu sagen habe. Dann überlegte ich, dass ich mich auch mit Subkulturen beschäftigen könnte. Auch das tat ich aber bereits und obwohl ich eine 1 hatte, habe ich keine Lust darauf, mich erneut mit dem Thema zu beschäftigen. Also vielleicht – nur vielleicht – sollte ich mir eine neue Herausforderung suchen und ein Thema innerhalb der Politikwissenschaft oder Soziologie suchen. Sowas umging ich nämlich bisher immer – weil es ich nicht interessiert – aber inzwischen habe ich halt alle interessanten medienwissenschaftlichen Themen durch. Wieso also nicht woanders suchen?
Aber ich sollte es mit den Entscheidungen nicht übertreffen. Zu aller erst gilt jetzt mal: Kaffee oder Tee?
mit verlaub. ich glaub nicht, dass du alle interessanten medienwissenschaftlichen themen durchhast.
villem flusser müsste doch genau dein ding sein. die theorie des techno-bildes. twitter als nachhall der flusserschen theorie. das klingt schon so abnormal uninteressant, dass es unglaublich geil sein könnte.
ansonsten: politik und medien. Politikfotografie- Dorothea Lang. Wahnsinn. Da hätte ich bock drauf.
Kaffee natürlich.