Der heilige Eddy – Jakob Arjouni

18.03.10

Wie nennt man Protagonisten solcher Bücher noch gleich? Anti-Helden?

Eddy ist offiziell ein Musiker, der sich im Kreuzbergerbezirk herumtreibt und auf Straßenfesten auftritt. Doof nur, dass er von diesen Auftritten nicht leben kann und sich gezwungen sieht, einen Zweitjob in Form der Trickbetrügerei zu suchen. Doof auch, dass er mit dem Immobilienboss Horst König aneinander gerät und dieser – ganz zufällig – dabei stirbt.

Nachdem er die Leiche aus dem Weg geschafft hat, versucht er, den Medienzirkus zu ignorieren, der wider Erwarten nicht etwa den unbekannten Täter – ihn – verteufelt, sondern ihn viel mehr als Helden feiert.

„Nebenbei: Unten vor der Tür steht so’n Aufgepumpter und hat mich gefragt, was ich hier wolle. Hat mit dir nichts zu tun, was?“
„Mit mir?“
Arkadi schien keine andere Reaktion erwartet zu haben. Seine Miene blieb ausdruckslos, nur seine Augen guckten für einen Moment noch ein wenig müder. „Okay, dann lass uns das Sofa runterbringen. Wirst dir die Sache schon gut überlegt haben.“
Eddy räusperte sich. Unauffällig sah er auf seine Armbanduhr. Es war fünf vor halb acht.
Im Wohnzimmer schnüffelte Arkadi hörbar und runzelte die Stirn. „Pissen die Katzen in 61 neuerdings Aftershave?“
Eddy lächelte, als hielte er das für eine witzige Bemerkung. „Hab natürlich ich drüber gekippt, um die Katze nicht zu riechen.“
„Aha.“ Arkadi trat an das Sofa heran. „Und weil das Ding nicht schwer genug war, hast du noch ein paar Kisten draufgepackt…“

Der heilige Eddy – Jakob Arjouni

Ob ich das Buch mochte? An dieser Stelle muss ich leider ganz klar mit einem „Nein“ antworten. Nein, es hat mir absolut nicht gefallen. Jakob Arjouni trifft gekonnt den Berliner Jargon, beschreibt das Leben in der Hauptstadt und hält wohl durchgehend eine Art Spannung, aber .. ich hasse Berlin-Romane. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber das war schon immer so. Es ist wie mit Döblin: Ich kann das Buch „Berlin Alexanderplatz“ nicht leiden, aber seine Kurzgeschichte „Die Ermordung einer Butterblume“ oder sein Roman über den englischen Soldaten liebe ich.

Verglichen mit „Der heilige Eddy“ hat mir der Roman „Chez Max“ wesentlich besser gefallen und ich bin mir sicher, dass ich Arjouni nicht aus meinem Bücherregal verbannen werde – abgesehen von diesem Buch. Wer wills haben und bietet ein anderes Buch zum Tausch an? :D

Preis vs. Leistung:

33%

Die gebundene Ausgabe kostet 18,90€, aber – so Leid es mir tut – ist ihr Geld nicht wert. Selbst das Taschenbuch, was vermutlich irgendwas um die 10 Euro kostet, würde ich mir nicht zulegen.

Schreibstil:

45%

Schwer zu bewerten. Er zieht den berlinerischen Dialekt stringent durch und dass ich den zufällig nicht leiden kann, ist ja nicht seine Schuld .. Trotzdem keine hohe Wertung.

Story/Idee:

42%

Der Plot ist nicht wirklich etwas Besonderes, auch, wenn es stellenweise hübsch umgesetzt ist.


Kategorie: Rezension

Vielleicht, wenn alles anders wäre ..

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  1. Marco

    Wattn ditt? Du magst den berliner Dialekt nich? Kannick absolut nich nachvollzieh’n, Mäusken ;)

  2. Hannah

    Nein, nein, versteh mich nicht falsch :D Ich mag so ziemlich jeden Dialekt – abgesehen vom Ostdeutschen, aber nicht in Büchern. Ich hasse es, wenn ein Buch in Dialekt geschrieben ist oder in Umgangssprache oder ähnliches >.<

  3. dvl

    Es gibt keinen „Ostdeutschen“ Dialekt. Genausowenig wie einen „Westdeutschen“. Was Du wahrscheinlich meinst, ist dieses grauenvolle Sächsisch, was aber nicht mal typisch für alle Sachsen ist, sondern nur für einen regional begrenzten Raum. Leider klingt das aber so ***, dass man das im Kopf behält und mit dem Ossi verbindet.
    Die Menschen in Dresden z.B. reden aber völlig anders, als die auf Rügen.
    Also sind solche Verallgemeinerungen nicht wirklich nett…

  4. Hannah

    Oh, ich meinte es tatsächlich als Richtungsangabe. Ich mag z.B. die Dialekte aus Süddeutschland gern (Schwäbisch, Bayrisch etc.) und die aus Norddeutschland (Hamburgerisch, Kielerisch etc.). Mit Ostdeutschland wollte ich nicht generell auf „Ossis“ schließen :D

  5. Andi Licious

    Pah… ich komme urspünglich auch aus Halberstadt… und zwar grundsätzlich Akzentfrei (wie fast normal in HBS). Pff… Hannah… Pff! ;)

  6. Michael Petrikowski

    Der heilige Eddy von Jakob Arjouni ist eine unterhaltsame Gesellschaftssatire die den Leser immer wieder schmunzeln lässt, wenn Eddy der sympathische Antiheld geschickt taktierend seine Betrügereien haargenau einfädelt. Meisterhaft hat der Autor die Kreuzberger Szene geschildert und wunderbar skurrile Charaktere geschaffen. Der temporeiche Roman, der auch der Realität entsprungen sein könnte, ist witzig, amüsant und ein großes Lesevergnügen.

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