Als ich noch in der Schule war, fing das Gerede gerade erst an: “Kennst du den Jonas? Der soll ja so ein arrogantes Arschloch sein.” Sagte man sich, dass man sich das sagte. Ich persönlich hatte keinen wirklichen Kontakt zu Jonas, er war schließlich zwei Jahrgangsstufen unter mir und ehrlich gesagt, war ich ohnehin ein freier Eigenbrödler. Ich wurde nicht gemobbt (die Zeit hatte ich erfolgreich hinter mich gebracht), aber außer zwei-drei Leuten fand ich das ganze Gehabe, geheime Raucherecken, von denen die Lehrer “nichts wissen” usw. irgendwie nur subinteressant. Weswegen ich eigentlich non-stop, schon extrem peinlich eigentlich, mit einem Stöpsel im Ohr rumgelaufen bin. Bloß keine Konversation, bloß nicht in einem unachtsamen Moment in Dialoge verwickelt werden. Ich war ein Nerd, mein Leben fand in Forendiskussionen statt und nicht mit echten Personen, zu denen man nicht fies sein konnte.
Die Zeit verging und zwei Sachen sprachen sich rum: Ich, als Esel nenne ich mich natürlich zuerst, wurde ernst genommen, weil sich das Rap-Ding doch beachtlich entwickelt hatte und Grantig wurde ein Untergrund-Geheimtipp: Der Kracher schlechthin. Jedes Schulkonzert komplett ausverkauft. Gebrülle, Metal, Schwarz, Laut, Aggressiv, Düster. Mir war das immer noch herzlich egal; musikalische Vielfalt hieß für mich, keinen Grabenkampf zwischen Westcoast und Eastcoast (Tupac vs. B.I.G.) auszutragen, und dazu auch noch gleich Downsouth und Golden-Age HipHop unterscheiden zu können, die Fantas nicht als Verräter des deutschen Raps zu betrachten und fleißig Creutzfeld & Jakob zu hören. Aber Coldplay? Nie. Pantera? Nie. Beatles? Niiiiie. Musikalischer Groupthink. Selbstbeschränkung als Attitüde.
Grantig hingegen hatte immer mehr nicht-schulische Konzertbesucher. Wir spielten dann irgendwann gemeinsam ein Konzert, also zu der Zeit, als sich alle irgendwie dachten, dass es eine unschlagbar gute Idee sei, den Crossover-Gedanken auf Konzerte zu übernehmen. “Hey, wir lassen jetzt mal alle möglichen Bands der unterschiedlichsten Musikrichtungen zusammen auftreten, denn damit maximieren wir die Besucherzahl”. Unsagbar naive Idee, aber begeistert waren wir trotzdem alle. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich den Backstage-Pass, ein Witz, der Backstage-Raum war sozusagen einfach die normale Aula der Schule, behalten habe. Von all den Konzerten war dieses Konzert wohl ehrlich gesagt das Unbedeutendste, aber es hat mir am meisten gegeben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass die ganzen anderen Backstage-Pässe meistens schon mit Verlassen des Saales in den Müll geschmissen wurden, egal wie groß und/oder gut der Auftritt war. Es hängt insbesondere mit diesem Lied (der erste Part wird von “I!!usion” gerappt übrigens) zusammen, das Hannah vor geraumer Zeit mal hier für mich hochgeladen hatte. Ich glaube, da bloggte ich noch gar nicht, bin mir aber nicht sicher.
Auf alle Fälle lernte ich Jonas kennen. Und, wie so oft, auch hier die alte Leier des Neides. Ein total entspannter, vor allem aber hilfsbereiter Typ, der einen kompletten Tag damit verbracht hat, einem Kumpel von mir beizubringen, wie man merkt, ob jemand schief singt. Ich persönlich höre das bis heute nicht zielsicher raus, oder ob ein Bass schief ist, meine Kopfhörer sind meist so scheiße, ich höre den Bass erst gar nicht, wie soll ich da auch noch heraushören, ob er zum Beat passt? Mein musikalisches Gehör ist dann doch eher unterste Schublade. Aber ich hab Jonas auch nicht wirklich zugehört. Trotzdem, wie gesagt, ein extrem entspannter Typ. Wie der Rest der Truppe, zumindest die drei, die ich etwas näher kenne.
Grantig sind auf alle Fälle mittlerweile, innerhalb ihres Genres und soweit ich das beurteilen kann, extrem bekannt geworden. Der (inzwischen ehemalige) Leadsänger Jonas wurde mit Phil Anselmo, die Musik der Gruppe an sich mit Pantera verglichen. Jetzt ist es natürlich kein Wunder, dass ich die Musik feier, schließlich ‘kenn’ ich die Künstler und finde sie grundweg sympathisch. Aber trotzdem: Nach 7 Jahren, von denen ich – ich werde jetzt nicht lügen – 4 Jahre kein Grantig gehört habe, und auch heute noch eher selten, finde ich die Musikstücke dieser Band immer noch extrem gut. Ich kann das nicht begründen, in Sachen Metal höre ich eigentlich bis auf Pantera, Black Sabbath-Klassiker und die üblichen Verdächtigen eher gar nichts. Aber Grantig irgendwie immer noch. Ja, Metal wird wohl nie so wirklich das Schicksal des ungebrochenen Hypes ereilen, da selbst Slipknot nur vergleichsweise kurz unter den Scheinwerfern dieser Welt zu sehen war. Aber dennoch: Hört sie euch an, vielleicht gefällt es dem einen oder der anderen sogar.

Grantig sind echt cool. Hab die fast mal live gesehn, aber irgendwie sind die kurz vorm Konzert abgesprungen. Oder ich. Weiß nicht mehr. Auf jeden Fall ganz cool.
Man kann dem Metal an sich sicherlich keinen Mainstreamhype vorwerfen/gutschreiben. Manchmal taucht er in Form von Slipknot, Metallica oder irgendwelchen Trittbrettfahrern im Scheinwerferlicht wieder auf. Aber was man dem Genre zu Gute halten muss ist eine unglaubliche Kontinuität und Stabilität. Halt Abseits des üblichen Geschehens. Für viele gar nicht wahrnehmbar. Aber trotzdem immer brandaktuell, sich-selbst-neuerfindend und trotzdem immer wieder zu solchen Wurzeln wie Sabbath oder Pantera zurückkehrend.
Ich liebe die Stimme von Paul. Unglaublich gut. Da will ich mir Grantig jetzt fast gar nicht anhören, weil die da vielleicht gar nicht dran reichen werden. Hach. Paul. So sexy.
Mhh, ich bleib bei Paul <3
Lustig. Die treffen just passend ein um meine frische Begeisterung für Metal, die ich Tyr zu verdanken habe ein bisken zu fördern. Dafür: Meinen Dank!