Heute schreibt irgendwie jeder ein Buch. Ich klicke mich durch verschiedene Blogrolls und siehe da, ich kann ich Echtzeit mitzählen, wie viele Leute darüber bloggen, gerade ein Buch zu schreiben. Irgendwas in Echtzeit tun, ist gerade genauso im Trend, wie an einem Buch zu schreiben.
Was das Schreiben angeht, war ich schon immer arrogant. Ich mag nicht die beste Schreiberin sein, aber ich weiß, dass ich in Sachen Grammatik und Interpunktion weitestgehend unschlagbar bin. Wenn ich nun also diese Artikel lese, in denen pompös angekündigt wird, dass bereits der Plot-Plan steht, kann ich nur den Kopf schütteln, wenn mal wieder kein Komma richtig sitzt. Die armen Lektoren, die sich damit rumschlagen müssen, tun mir jetzt schon Leid und genau genommen tut mir dadurch auch mein zukünftiges Ich Leid, das nämlich Lektor werden wird. Ja, Lektor. Ich hasse diese ganze Gender-Kacke, deswegen werde ich Lektor und nicht Lektorin.
Wenn ich mir vorstelle, dass ich da sitze und dann ein Manuskript eingereicht bekomme, bei dem einfach mal kein Komma sitzt und die Grammatik auch fürn Arsch ist … Diese Schreiberlinge reichen ihre Sachen sicher mit einer gewissen Ernsthaftigkeit ein, aber ich käme mir letztendlich nur verarscht vor.
Das ist es aber gar nicht, worauf ich hinaus wollte. Eigentlich geht es mir darum: Dadurch, dass Buchschreiben jetzt auf einmal im Trend liegt – und mit auf einmal meine ich, dass es vermutlich schon lange im Trend liegt, ich es aber erst jetzt mitbekomme – verliert das ja auch ein wenig an Druck. Man sitzt nicht mehr da und denkt sich: Ich bin einzigartig und muss ein außergewöhnliches Werk zustande bringen. Stattdessen denk ich mir: Ganz viele schreiben, ich muss also gar nicht so außergewöhnlich sein, ich muss nur die anderen übertreffen. Das stell ich mir weniger schwierig vor, als außergewöhnlich zu sein. Obwohl es teilweise schon harte Konkurrenz da draußen gibt – Leute wie die Hegemann und Charlotte Roche schreib ich allerdings in Grund und Boden, kein Problem.
Außerdem bin ich nach wie vor auf der immerwährenden Suche nach neuen bzw. neu von mir entdeckten Wundervolligkeiten für die “Ich sehe was, was du nicht siehst“-Reihe. Irgendwie kann ich mich an denen ja gar nicht satt lesen und immer wenn ich denke, dass es jetzt aber genug ist, stoße ich auf ein neues mir unbekanntes Blog und denke “wohooo, der muss auch dabei sein”. Und schon verlängert sich die Liste wieder ein wenig – auch aus dem Grund, weil die Gastbeiträge anscheinend immer wieder euer Gefallen finden, was natürlich ungemein erfreulich ist.


Ich Glück, dass ich kein Buch schreibe :D Aber schreiben tu ich trotzdem gern :P Wenn auch nur auf meinem Blog.
Ich schreib kein Buch, das will auch niemand sehen. Ich fotografie dafür derzeit für zwei Bücher und habe noch zwei in Planung. Aber da kommen auch nur Headlines rein. Meine virtuellen Bücher reichen mir. ;)
Ich schreibe ebenfalls kein Buch. Noch nicht. Super bin ich trotzdem. Hip Hip Hurra! :)
Nicht die Lektoren lesen Korrektur, sondern von ihnen beauftragte freie Korrektoren. Habe das selbst über zwei Jahre für das Lektorat des Econ-Verlages gemacht. Von daher kann ich bestätigen:
Den Trend, ein eigenes Buch zu schreiben, gab es auch vor 20 Jahren schon. Ich habe Manuskripte korrekturgelesen, da war nicht einmal auf den 8 cm Papierrand genug Platz für die Korrekturzeichen, Anmerkungen, Umformulierungen etc. Selbst danach empfand ich so manches Manuskript als banalen Schrott.
Was mich, damals wie heute, irritiert und nachdenklich macht: Viele dieser Manuskripte sind dennoch als Buch veröffentlicht worden. Mit welchem Erfolg, habe ich nie recherchiert.
Bleibt die Frage: Warum meldet sich Rowohlt nicht bei mir, um nach meinem eigenen Buch-Projekt zu fragen? Wo ich mir doch sogar vorgenommen habe, statt der deutschen An- und Abführungen oder gar den Zoll-Zeichen nur noch die französischen Guillemets zu verwenden. Und zwar ausschließlich auf die Rowohlt’sche Art: mit den Spitzen nach außen. Diese Hobby-Schreiber wissen garantiert nicht einmal, was Guillemets sind.
@Sumi: Ja, dann hast du genau die richtige Sicht. Viele scheinen zu glauben, dass gerne zu schreiben gleichbedeutend ist mit “ich schreib jetzt mal ein Buch” :D
@Andi: :D
@Franzi: Und da bringst du mich direkt auf nen neuen Gedanken, den ich vergaß zu erwähnen: Die Leute, von denen ich Bücher lesen würde/will, die schreiben einfach keine >.<
@Dad: :D Rowohlt lässt sich doch nicht dazu herab, nach Leuten zu suchen, oder? Haben die das nötig? Oo
Ich bin ja Korrekturleserin (unter anderem) und glaub mir, manchmal möchte ich mich brüllend auf den Boden werfen und über all die deutschen Muttersprachler schimpfen, die ihre eigene Sprache nicht beherrschen. Kommata sind da noch das geringste Problem…
ein buch schreibe ich zwar nicht, bin nur froh, dass ich bis jetzt zwei artikel gebacken bekam.
wahrscheinlich habe ich nur nicht gründlich genug gelesen, aber was studierst du denn? :) … würde mich interessieren, womit man so lektor wird. – ach, und ich würde die, an die ich jetzt mein wort richte, vorschlagen ;).
@Miss Carrie
wie bist du eigentlich an die korrekturjobs gekommen :)?
@Miss Carrie: Bisher lese ich nur die Arbeiten meiner Freunde Korrektur, aber teilweise sind da auch Fehler bei, mit denen ich gar nicht klar komm :D Vorallem, weil sie diese Fehler während der letzten 5 Semester immer wieder wiederholt haben, obwohl ich mehrmals darauf hinwies, dass das falsch ist >.<
@Zelina: Manchmal weiß ich auch nichts zu bloggen :D
@rebhuhn: Ich studiere Social Science Media Studies :D Das ist eine Mischung aus Politik- und Medienwissenschaft mit soziologischen Aspekten. Für den Beruf des Lektors muss man aber nicht wirklich irgendwas bestimmtes studiert haben – am Besten was geisteswissenschaftliches, mehr wollen die irgendwie nicht :D
>.<
*räusper*
Korrekturlesen… seit unserer Abizeitung bin ich geschädigt und sehe jeden Fehler. Da ist die Fähigkeit, darüber hinweg zu sehen, irgendwie verloren gegangen. Hm. Ich würde jetzt gerne jemanden für diese wundervolle Gastbeitragsreihe vorschlagen, aber irgendwie lese ich kaum richtig tolle Blogs, die nicht viel zu groß sind… wobei… eure Besucherzahlen lassen ja auch nicht zu euren Blog als klein zu bezeichnen Oo
@Konzertheld: Wie definierst du “groß” ; ) Das ist eine so müßige Diskussion. Bei den Gastbeiträgen waren schon einige “große” Blogs dabei.
@Hannah naja, der einzige, den ich vom Schreibstil richtig genial finde und der hier noch nicht war, ist der Undertaker vom Bestatterweblog ;)