Die islamische Gelehrtenriege besteht heutzutage größtenteils aus Männern, Männern und – ihr werdet es ahnen – noch mehr Männern.1 Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass die aktuelle islamische Community aus sexistischen Wichsern besteht, – oh, sorry, da bricht doch glatt ein wenig Emotionalität durch – die sich absolut sicher sind, dass a.) der Mann bedeutender als die Frau ist und b.) dies von der Religion so vorherbestimmt wurde und von daher zu akzeptierende göttlich’ Gunst, die es nicht anzuzweifeln gilt. Sonst ist man ganz schnell von abtrünniger Häretiker.
So weit nichts Neues: Männer, die Macht haben, berufen sich auf Gott, um noch mehr Macht zu kriegen. Der rote Faden der Geschichte, wenn es denn einen gibt. Interessant wird es dann, wenn sich eine Frau in die Diskussion einschaltet und Männern die Stirn und Parolie bietet. Eine von diesen Frauen ist Fatema Mernissi. Ihre – absolut unterstützenswerte – These ist, dass es innerhalb der Religion des Islams eine Fehlentwicklung gibt, d.h. machthungrige Männer haben durch ihre Fatwas – islamische Rechtsgutachten – die Frauen a.) aus der Öffentlichkeit verdrängt und b.) marginalisiert, gedemütigt und als Anhängsel das Mannes angesehen. Das Gute an der Position ist, dass sie in einem ihrer Bücher zeigt, dass die heutige Situation sich weder aus der Religion noch aus der Geschichte erklären lässt und insofern eine Männergebilde ist.
Die Diskussion um die Rolle und Position der Frau ist seit geraumer Zeit2 Teil der öffentlichen Debatten. Und es sind zum Glück nicht nur Frauen, die sich für eine Gleichberechtigung einsetzen. Ende 2009 wurde ein männlicher Demonstrant names Majid verhaftet. Die Polizei zog ihm Frauenkleider an und fotografierte ihn. Kennt man ja auch von hier, irgendwelche Typen ziehen sich Frauenkleider an, schminken sich ein wenig und benehmen sich ab dann so, wie sie sich ein Frauenleben vorstellen. Deswegen ist das auch immer ein willkommener Anlass für peinliche Momente. Im Iran jedenfalls bildete sich schnell eine Protestwelle, die sich mit eiem Gegenvideo solidarisierte.
Es ist also kein Wunder, dass die durchgeknallte Männer-Elite jetzt komplett am Rad dreht und die heißgeliebte Machtposition mit allen Mitteln zu behalten versucht. Et voila: Ein Rechtsgutachten. Und schon sind Befürworter der Gleichberechtigung als Ungläubige zu betrachten.
Wie wundervoll/mutig/bewundernswert, dass sich auch hier Widerstand bildet. Und zwar nicht irgendwo, sondern da, wo es Millionen Zuschauer sehen können: In diesem Kontext ist Hissa Hilal zu erwähnen. In dem arabischen Pendant zu DSDS – dieser Vergleich ist nicht wirklich richtig, in der arabischen Sendung geht es mehr um Gedichte als um Musik – hat sie, die nun in der Finalsendung ist, folgende Zeilen vorgetragen:
I have seen evil from the eyes
of the subversive fatwas
in a time when what is lawful
is confused with what is not lawful;When I unveil the truth,
a monster appears from his hiding place;
barbaric in thinking and action,
angry and blind;
wearing death as a dress
and covering it with a beltHe speaks from an official,
powerful platform,
terrorizing people
and preying on everyone seeking peace;
the voice of courage ran away
and the truth is cornered and silent,
when self-interest prevented one
from speaking the truth.
Hier noch ein Fernsehbericht des niederländischen Fernsehens, wobei ich bei der Übersetzung aufpassen würde: Die Moderatorin spricht von Fundamentalisten, was wiederum mit “spiritual people” übersetzt wird. Jedoch will ich es euch auch nicht vorenthalten.
Wie sehr man es sich wünscht.
Planet der Affen!
toller Beitrag!