Danke, ja, ich bin glücklich

31. März 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 7
Danke, ja, ich bin glücklich

Heute fiel es mir mal wieder so extrem auf, dass ich euch einfach davon erzählen muss – nebenbei hab ich auch endlich mal wieder ein wenig mehr Zeit, um was zu schreiben.

Ich jammere gerne und ich jammere viel und oft nutze ich aHeadwork als Ventil, um mal alles loszuwerden, aber im Endeffekt ist alles gut, nicht wahr? Ich seh das bloß nicht immer oder vielleicht will ich es auch nicht immer sehen, weil es halt so viel einfacher ist, sich die Augen aus dem Kopf zu weinen, den man anschließend im brüllend heißen Sand seiner Fantasie versenkt.

Vermutlich fiel ich heute bei meiner Klausur durch. Es war eine wichtige Klausur, deren Ausgang darüber entscheidet, ob ich es in der Regelstudienzeit schaffe – und somit durch die finanzielle Unterstützung des geliebten BaFög Amts abgesichert bin – oder ob ich auf ein siebtes und achtes Semester angewiesen bin, von denen ich nicht weiß, wer sie mir wie finanzieren soll. Aber .. was solls? Das krieg ich auch irgendwie hin, weil – auch, wenn ich diesen Satz hasse und oft genug nicht daran glaube: Man kriegt alles irgendwie hin. Dann mach ich halt mehr Semester, als eigentlich vorgesehen waren, eventuell hab ich dann die Chance, auch etwas von dem zu behalten, was ich gelernt habe oder gelernt haben sollte.

Während der Klausur saß ich vor den Aufgabenbögen, die immer so abschreckend weiß aussehen, dass ich beinahe ehrfürchtig den ersten Strich setze, der irgendwann zu einem Buchstaben mutiert, der das Ende vom Anfang einleitet. Neben mir schrieb Eva ganz enthusiastisch drauf los, direkt vor mir saß der Dozent und damn, selbst wenn ich mutig genug wäre, um zu spicken, wäre es in der ersten Reihe ohnehin nicht machbar gewesen. Irgendwo rechts von mir blitzte ein Lachen auf und als ich in die Richtung blickte, sah ich sie – die lachenden Bälle. Die Klausur wurde in einer Turnhalle geschrieben – fragt mich nicht wieso, die Uni kriegt von uns Studenten so viel Geld in den Rachen gestopft, dass sie es nicht nur auskotzen, sondern auch ausscheißen müsste, stattdessen sitzen wir Studenten in nach Schweiß und billigen Deos riechenden Turnhallen und sollen runterschreiben, was wir vorher hoffentlich lernten. Ich weiß nicht, wer die lachenden Ballgesichter so drapierte, dass ich ihr hämisches Grinsen stundenlang aus dem Augenwinkel sehen konnte, aber derjenige wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Ein wenig erinnerten sie mich an Kwa, den Riesenoktopoden meines Freundes und neiheeein, ich spiele hier nicht auf seinen Penis an.

Wie dem auch sei, irgendwann drifteten meine Gedanken ab, meine Augen suchten immer wieder den Sonnenschein, der auf den grünen Wiesen hinter den Fenstern tanzte und ich entschied mich, dass es unhöflich wäre, meine halbgare Arbeit so abzugeben, wie sie vor mir lag. Irgendwie musste ich mir ohnehin die Zeit vertreiben, also tat ich, was wir alle wohl in so einer Situation getan hätten: Ich schrieb auf eine der vielen leeren Seiten eine Entschuldigung. Der Dozent, der das Seminar ein Semester lang mühevoll gehalten hatte, konnte wahrlich nichts dafür, dass ich zu doof gewesen war, alle Themen zu lernen bzw. er konnte genauso wenig was dafür, dass ausgerechnet die zwei Themen abgefragt wurden, die ich nicht gelernt hatte. Shit happens. Eine Entschuldigung hatte er sich verdient und ich schrieb sie ihm, angefangen bei meinem frühen Kindheitswunsch nach einem Studium – ganz gleich, ob ich Arzt, Anwalt oder Journalist werden wollte, alle meine Kindheitsberufsträume hatten mit Stellen zu tun, die man nur per Studium erreichen konnte – weiter gings mit einem kurzen Exkurs über meine vergangenen Tage, meinen zu wenig genossenen Schlaf und meine Angst davor, dass das siebte Semester mir mein finanzielles Genick brechen würde.

Soll er es lesen oder soll er es lassen – nach diesen Worten ging es mir besser und auch jetzt ist dieses leise Gefühl der Erleichterung noch präsent, das daher rührt, dass ich mich damit abgefunden habe. Zusätzliche Semester haben sicherlich auch ihre guten Seiten. Morgen mach ich mich auf die Suche nach ihnen.

Danke, ja, ich bin glücklich.


  1. Hach, dieses wunderbare Gefühl, dass man nicht unbedingt alles im Griff hat, dass man Fehler gemacht hat, aber dass das Leben schon irgendwie laufen wird und dass abgesehen von dem was grad nicht toll ist alles toll ist und man glücklich sein kann… bin mir nicht sicher ob es das ist was du grad hast, aber es ist ein gutes Gefühl :)

  2. Ich würde sogar freiwillig mehr Semester machen, wenn die verkackten Studiengebühren nicht wären ;)

    Vielleicht ein kleiner Anreiz für’s Entdecken der guten Seiten: Sollte der Dozent dich wirklich durchfallen lassen und du deswegen gezwungenermaßen zusätzliche Semester dranhängen, dann haste zumindest auch länger Studentenstatus = billige Krankenversicherung, Semesterticket, Arbeitgeber, die sich freuen, weil du sie wenig kostest ;)

  3. Alles fließt…
    Carpe Diem.
    Amen.

    Wir kriegen das schon hin. Kriegen wir doch immer, mh? ^^

  4. @Konzertheld: Genau das ist es : )
    @lia.R: Ich fand übrigens heraus, dass BaFög auch über die Regelstudienzeit hinaus gezahlt wird, sofern die Leistungen stimmen und nicht noch tausende von Scheinen fehlen, sondern es halt nur ein paar sind. Werd mich da die Tage noch genauer zu informieren – sollte das aber stimmen, freu ich mich über die zusätzlichen Semester tatsächlich!
    Mit Krankenversicherungen kenn ich mich gar nicht aus bzw. allgemein mit Versicherungen xD Letztens bekam ich einen Brief, dass ich jetzt rentenversichert sei :D
    @Dad: So isses!

  5. kool. geht mir auch oft so – schließlich hat es auch immer hingehauen und ist weitergegangen :D. aber man drapiert übrigens ;).

  6. @Hannah yay :) hey, das mit dem BaFög klingt gut, twitterst / bloggst du mal wenn du Details weißt? ;) kämpfe grad noch darum überhaupt welches zu kriegen, dazu dann bei mir im Blog die Tage mehr…

  7. @rebhuhn: Oh, danke. Komisch, das mit den Doppelkonsonanten passiert mir in letzter Zeit ekelhaft oft Oo Was das wohl für nen Grund hat?
    @Konzertheld: Ja, ja .. Scheiß BaFög. Sorry, ja, ich bin von dem Geld abhängig und sollte dankbar sein, aber es ist jedes Mal ein Krampf. Allein schon das rechtzeitige Abgeben der Unterlagen, das Prüfen meines mitgeführten Bargeldes etc. -> Nervig!
    Wenn ich Details weiß, schreib ich dir :D Bloggen würde sich darüber kaum lohnen. Werd wohl nächste Woche hingehen und das klären : )