Heute erzählte mir mein Vater, dass er mich früher immer vom Schulbus abgeholt habe, direkt hier beim Sportplatz, keine 200 Meter Luftlinie. Das ist übrigens der Sportplatz, den ich einmal während eines Sprints als 6-jähriger in absoluter Rekordzeit erreicht habe: Nur 1 Minute 30! Dann erst mal Tränen geheult. Ich weiß bis heute nicht, ob das von den Glücks- oder den Schmerzgefühlen kam. Vielleicht liegt es daran, dass ich dazwischen nicht großartig unterscheiden kann. So oder so, das Ergebnis war dasselbe. Ich auf der Wiese, Maul scheunenweit aufgerissen, Ameisen im Anmarsch.
Die Schulbustür habe sich geöffnet, und dann sei erst mal nichts passiert. Plötzlich Lärm. Tok. Tok. Tok. Ein Schulranzen landet auf dem Asphalt. Derselbe Asphalt, auf den ich mich mitten im Winter gelegt habe, ohne dass mich jemand dazu aufgefordert hätte. “Guckt mal, ich-bin-cool.” Manchmal denke ich, in 18 Jahren haben sich dann bloß Gesichter und Rahmenbedingungen geändert; die Beweise bringe ich immer noch am aufenden Band. Ohne, dass ich mich dazu aufgefordert hätte. Die Frau, die mit quietschenden Reifen gefühlte zwei Meter rechts neben mir zum Stillstand kam, hatte mir übrigens sehr viel zu sagen. Leider fehlte ihr die Luft. Ich glaube, das wäre eine gute Lektion gewesen. Aber wahrscheinlich konnte blieb sie genau deswegen stumm.
Dann, so mein Vater, habe er gesehen, wie ein zusammengerolltes Etwas aus der Bustür flog, sich kurz vor dem Aufprall als sein Sohn offenbarte und zielsicher mit einem Knie auf dem Ranzen landete. Mein oder sein Glück, dass ohnehin nichts Wertvolles drinnen war. Das hatte ich bereits in der Schule verloren oder vergessen. Wie der in elegantem Schwarz gehaltene Leder-Brustbeutel, mit dem in grün-metallic eingestickten Widerhaken. Gerade eben wollte ich mir neue Schuhe kaufen. Hab’ mich dann nicht durchringen können. Am Preis lag es nicht, soviel steht fest.