Zukunft? Da bin ich.

3. April 2010 • Kategorie: Uni • Kommentare: 9
Zukunft? Da bin ich.

Auf einmal nimmt meine Zukunft Perspektiven an und ich schlottere vor Angst, halte mir meine zitternden Knie und kann mich nicht entscheiden, ob ich stattdessen nicht das Dauergrinsen aus meinem Gesicht wischen sollte, das dort wie festgetackert seinen Platz bezogen hat und nicht mehr weichen will. Ohja, sie macht mir Angst, die Zukunft. Spätestens in der weiterführenden Schule wusste ich, dass dort irgendwo eine Zukunft auf mich wartet, auf die ich hinarbeite und auch, wenn mir damals nicht im Ansatz klar war, was für eine das sein sollte, wusste ich doch schon mit jeder Faser meines Seins, dass ich ohne diese Zukunft nicht die geringste Chance habe, in dem zu überleben, was allgemein als Arbeitswelt bezeichnet wird.

Jetzt nähert sich mein erster Studiumsabschnitt langsam seinem Ende, selbst wenn ich es nicht in der Regelstudienzeit schaffen sollte, dauert es nicht mehr lange. Es dauert nicht mehr lange. Die Zukunft, auf die ich wartete, ist zum Greifen nah und während der letzten Monate und Jahre passierte etwas, worauf ich wohl unbewusst wartete: Die Perspektiven kamen. Es war nicht länger eine unstrukturierte Zukunft, die als dunkles Etwas irgendwo vor mir wartet und ihr Gesicht nicht offenbaren will. Auf einmal gab es Pläne, Vorstellungen und Überlegungen, die nicht aus Not der Zeit heraus entstanden, sondern einfach auf einmal da waren. Vielleicht ist es das, was man Erwachsenwerden nennt – ich weiß es nicht. In einigen Jahrzehnten kann ich es euch vielleicht sagen, aber hier und jetzt weiß ich nur, dass ich nichts weiß – ist es nicht schön, wie ich ganz nebenbei Philosophen zitiere?

Fragen tauchen auf, die ich mir früher nicht stellen musste und hätte ich sie mir gestellt, ich hätte keine Antwort gewusst. Die schönste Frage zur Zeit: Wo ziehe ich hin, wenn ich mein Studium beendet habe? Schon vor knapp drei Jahren war mir klar: Siegen ist ein Zwischenstopp. Eine Stadt, in der ich studiere, die ich inzwischen lieben gelernt habe und deren Bewohner, Eigenheiten und Sonderbarkeiten ich schätze – nicht mehr und nicht weniger. Niemals hatte ich geplant, in Siegen zu bleiben und an diesem Gedanken halte ich nach wie vor fest. Meine Zukunft liegt nicht in Siegen, aber wo liegt sie dann? Halte ich an meinem Plan fest, in einem Lektorat zu arbeiten, bleiben nicht viele Städte, in denen das möglich ist. Ja, ich weiß, Leipzig bietet einiges in der Verlagsbranche, aber .. nein. Nicht Leipzig. Fällt nun also diese Stadt von Vorneherein weg, bleiben Köln, Stuttgart, Berlin, München, Frankfurt und Hamburg.

Vorne weg: Mich hat dieser Google Analytics Kram nie großartig interessiert. Bei den meisten von euch weiß ich nicht, wo sie herkommen und bei denen, wo ich es weiß, liegt es daran, dass wir ins Gespräch kamen und es dabei erwähnt wurde. Also fühlt euch nicht gekränkt, wenn ich eure Stadt beleidigen sollte – das geht nicht gegen euch.

München: Vorerst ein No-Go. Viel zu teuer. Ja, die Stadt muss wunderschön sein, wenn die Leute so sind wie ichgehschlafen, dann könnte ich mir dort ein nettes Leben vorstellen, aber ehe ich nicht das notwendige Grundgehalt habe, geht da einfach mal gar nichts.
Berlin hingegen könnte mir zu groß sein. Ich will in eine Großstadt, ich liebe es, von vielen Menschen umgeben zu sein, aber Berlin ist schon keine Groß- sondern vielmehr eine Weltstadt – fällt also ebenfalls weg. Hamburg und Frankfurt reizen mich nicht bzw. eher gesagt habe ich zu beiden Städten keine wirkliche Meinung. Das ist wie mit Blumenkohl. Wenns irgendwo Blumenkohl zu Mittag gibt, ess ich ihn – kein Problem – aber ich würd ihn nicht auswählen, wenn ich selbst koche.

Bleiben also Stuttgart und Köln. Zwei Traumstädte meinerseits. Viele Verlage, viele Chancen und ein Leben dort wäre nicht nur finanziell möglich, sondern auch traumtechnisch existent. Irgendwo dort wartet meine Zukunft auf mich und ich freue mich so unbändig darauf, während zugleich die leise Angst in meinem Herzen schlummert – so viel Fremdes, das dort lauert und von dem ich nicht weiß, ob und wie ich damit umgehen werde.

Früher wollte ich nie erwachsen werden, nun werde ich es und es gefällt mir – das ist erschreckend.


  1. Also ganz ehrlich, wenn du zwischen den beiden Optionen schwankst, dann ist Köln ganz klar der Favorit. Für mich zumindest ;) Und, hey, Erwachsenwerden ist verdammt sexy.

  2. Ach, ich denke, ich guck auch mal, wo ich angenommen werde usw. Mit Köln verbinde ich mehr, weil ich ohnehin aus dem Rheinland komme, aber Stuttgart .. Stuttgart ist so, so, so wunderschön <3

  3. ichgehschlafen

    Ich kenne mehrere Leute, die erst nachträglich nach München kamen und mit der Stadt nicht so viel anfangen können. Für mich ist es hier natürlich wunderschön, weil ich jede Ecke kenne und Auto fahren macht mehr Spaß, wenn man sich sagen kann, “Fickt euch, ich nehme die Abkürzung”. Heißt: Wenn man reinkommt, ist es hier Bombe. Frankfurt war ich einmal bis jetzt, zwei Tage, die kälteste Stadt, in der ich jemals gewesen bin. Leergefegte Straßen, die erste Frage, ganz im Klischee gefangen, ob ich wüsste, wo man sich hier einen Schuss setzen kann. Köln hasse ich. Ich war dreimal dort und es war dreimal scheiße. Da herrschte eine Grundaggression irgendwie. Na ja.

  4. Jede Großstadt hat einen eigenen Charakter. In München bin ich immer nur herumgelaufen und habe alles bewundert. Es war so… anders, als alles, was ich bisher kennengelernt hatte. Die haben sogar Bierautomaten bei der Süddeutschen Zeitung in der Technik (ein absolutes UNDING. In allen anderen Zeitungsverlagen herrscht in der Technik absolutes Alk-Verbot). Weißwürste ißt man nicht, man “zuzelt” sie. Das sieht etwas unappetitlich aus. Das PN war 1971 genau so, wie ich sich heute darstellt – Münchner Snoby. Genau wie das völlig überbewertete Schumanns. Aber das Deutsche Museum, die Pinakothek – göttlich. Nur wäre ich auf immer ein Fremder dort.

    In Bezug auf Frankfurt gehe ich mit ichgehschlafen d’accord. Eine gräßliche, kalte und zynische Stadt. Menschenmüll im Bahnhofsviertel. Gräßlich.

    Köln. Naja, Köln. Meine Nicht-Beziehung zu Köln pflege ich inniglich. Aber Köln ist hübsch nahe hier an Ratingen/Düsseldorf, wo ich lebe. :-)

    Hier meine Meinung zu Köln:
    http://www.preussen-blog.de/koln-naja-koln/164

  5. Dieses Wort: Perspektiven… Das ist genau das, worüber ich mir ständig Gedanken mache. Ich empfinde das irgendwie als quälend… So beängstigend, wo ich doch eigentlich bei meinem Job genau weiß, was ich immer machen werde. Und trotzdem: Ich finde Erwachsen werden blöd. Meistens zumindestens.

  6. Geh nach Stuttgart, das wird Dir gefallen. Und Du hast dort ein paar Wurzeln. Die sind wichtig fürs Erwachsenwerden. Es gibt dort auch die geliebten Spätzle und Maultaschen und – es ist in der Nähe von München. Du könntest ichgehschlafen besuchen…

  7. Aber Stuttgart is so weit weg von miiiiir :(

  8. Mh, Köln hat den Kölner Karneval, das kann gut oder schlecht sein. So deinen Ausführungen folgend stellt sich mir die Frage, wie kalt das Wasser sein darf, in das du springst. Eine Empfehlung mag ich dir da nicht geben, ich bin aus dem Ruhrgebiet, kenne nur Köln ein bisschen, mag es aber nicht wegen dem Verkehr.

  9. Die Jahre vergehen manchmal schnell, manchmal unheimlich langsam und manchmal ist etwas tolles viel zu schnell vorbei. Doch das erkennt man immer erst hinterher.

    Da meine Lieblingsstadt Berlin ist, ist meine Meinung natürlich einen Tick voreingenommen. Jedoch würde ich in die engere Auswahl sowieso nur Berlin, Hamburg oder Köln für deinen Werdegang ziehen. Okay, vielleicht noch Düsseldorf.

    Doch wenn du nicht gleich Kinder bekommen, heiraten oder dich unbedingt über beide Ohren verlieben möchtest, bleibt dir immer noch nach einigen Jahren mal den Standort zu wechseln. Das schafft neue Persektiven, neue Eindrücke und viel Erfahrung. Selbst meine Umzüge innerhalb einer Stadt und allgemein mein ca. 650km-Umzug haben mir das gezeigt. Und ich würde es wieder tun.

    Die Welt steht dir offen, so weit offen wie du sie wahrnimmst und haben möchtest! Spiel mit ihr, lern aus ihr.