The S From Hell

7. April 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 0
The S From Hell

Der Unterschied zwischen mir und dem Pawlowschen Hund ist, dass er an irgendeinem Punkt der Geschichte sein argentinisches Steak auch serviert bekommt, während mir einfach nur sabbern übrigbleibt. Das Ding ist, dass ich irgendwelchen US-Filmblogs folge. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese hin und wieder auch über Filmfestivals bloggen und Reviews zu Filmen schreiben, die hier im besten Fall nach 22 Kalenderwochen aufwärts ausgestrahlt werden. Bis dahin heißt es: Speichelproduktion.

Dann gibt es noch die Härtefälle: Filme, die ich unfassbar interessant finde, aber von denen ich genau weiß, dass die niemals in Deutschland laufen werden. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Nun habe ich auf einer dieser Seiten letztens einen Bericht über das Sundance Film Festival gelesen. In diesem Artikel ging es um den Film “The S From Hell“. Ein Kurzfilm, bei dem Rodney Ascher Regie führt, dessen Reels ihr auf seiner Homepage anschauen könnt – sehr zu empfehlen übrigens.

Der Plot dieses Films ist so abstrus und krude, dass ich ihn unbedingt sehen wollte. Bei SouthPark sieht man am Ende der Folge immer ein Flugzeug über den Bildschirm fliegen. Als Nächstes kommt ein  “Braniff”-Schriftzug ins Bild. Diese Schluss-Sequenz hat eine lange Tradition und gibt Auskunft darüber, welche Produktionsfirma für die Sendung verantwortlich ist. Das “S” in “The S From Hell” steht für eine ebensolche FIrma: Screen Gems, die zur Columbia TriStar Filmgruppe gehört. Bis hierhin ist das nichts außergewöhnliches.

Interessant wird es erst, wenn man sich mal anschaut, welche TV-Serien mit dieser Firma in Verbindung zu bringen sind: Da wären u.a. “Die Familie Feuerstein”, “Die Jetsons” und “Yogi Bär”. Nach jeder ausgestrahlten Sendung, ich verweise nochmal darauf, dass dies alles Kindersendungen sind, kam das Logo ins Bild. Aber nicht nur als Stummbild, wie das bei SouthPark und Braniff der Fall ist, sondern mit einem Soundlogo versehen. Die Kombination des Logos und des dazugehörigen Sounds, so geht die Legende, habe sämtliche Kinderzimmer – halt, wir reden von 1960 – sämtliche die im Wohnzimmer sitzenden Kinder das Fürchten gelehrt. Hier das (Sound)Logo.

So hässlich finde ich das Logo eigentlich gar nicht. Also nicht herausragend hässlich. Langweilig, ja. Zwei identisch geschwungene linienförmige Häkchen formieren sich um einen Punkt in der Mitte. Aber ich will gar nicht wissen, was die Kinderaugen darin gesehen haben. Einen Erlebnisbericht, der die Kinderängste auf den Punkt bringt, findet ihr hier. Was es auch war, es ist anscheinend zu einem Klassiker avanciert. Wenn man sich das Soundlogo viermal hintereinander anhört, da rastet man – ich – aus.

Perhaps we felt sorry for the dot seeming to be captured and trapped by the two parallelograms. Some of the more neuotic viewers maybe felt the parallelograms would sneak up and capture them, maybe while they slept (hense the nightmares). Maybe the whole thing was planned to be a way to get us kids to watch less TV.

Nachdem ich das also gelesen habe und der Sabber in Strömen lief, war ich erstmal extrem sauer, dass ich diesen Cum Horror-Streifen wohl nie zu Gesicht bekommen werde. Also schrieb ich dem Regisseur, ob es denn nicht geplant sei, den Film für deutsche Festivals einzureichen. Gestern kam die Antwort:

Hi ichgehschlafen (nicht wirklich, Name geändert, ist klar),

I’d love to show it in Germany/Munich/Berlin, I’m just unfamiliar with the festival circuit there. Maybe you can set something up! In the meantime – here’s a link so you can watch it online.
http://www.youtube.com/watch?v=YM2AxGYn8jU. Best!

Klar, Youtube ist dein Freund, hätte ich auch von selbst drauf kommen. Aber trotzdem bin ich dermaßen begeistert (auch von der Aktion des Regisseurs), dass ich euch das nicht vorenthalten wollte. Herrlich skurriler und komplett sinnloser Kurzfilm mit visualisierten Zeitzeugenaussagen. Das Sabbern hat ein wohlverdientes Ende. Enjoy!