Ich träume.
Die Sonne scheint, es ist heiß, doch der Wind kühlt meine Haut, ehe sie dazu in der Lage ist, Schweißperlen zu produzieren. Die Luft riecht nach warm, nach Sommer, nach Freiheit und nach dem Ende, das mir bevorsteht.
Vor mir mein Laptop, die Sonne viel zu hell, als dass ich arbeiten könnte, aber das ist unwichtig. Neben mir ein Becher, gefrorene Lebenskraft, Energie in Koffeinform oder schlicht ein Luxus, den ich mir gönne, weil ich es kann. Kondenswasser bildet sich an der Außenseite des Plastiks, rinnt langsam daran hinab und bildet einen feuchten Kreis um den Becher herum, den ich immer dann sehe, wenn ich ihn zu meinen Lippen hebe.
(Bild: Via)
Um mich herum das geschäftige Treiben. Eine nicht enden wollende Flut von Erstsemestern, die geschäftig zwischen den Tischen herum laufen, sich über unfaire Dozenten, nicht zu schaffende Klausuren und zu lange aufgeschobene Hausarbeiten unterhalten. Themen, die nicht mehr die meinen sind. Abzuarbeitende Vorlesungen kann ich an einer halben Hand abzählen, die Dozenten sind fairer oder ich toleranter geworden und die Hausarbeiten verschwunden; stattdessen einer Bachelor-Arbeit gewichen, die keine Angst macht. In den letzten Semestern habe ich gelernt, Seiten vollzuschreiben. Die alte Studienordnung verlangte pro Hausarbeit 15-20 Seiten. Die Bachelor-Arbeit nur geringfügig mehr. Was könnte es geben, was mir Angst davor macht?
Ich träume und doch bin ich wach. Ich sehne mich und bin schon längst angekommen – doch warum endet das Verlangen nach mehr nicht?

Auf daß es nie ende, dieses Verlangen nach Mehr in Dir…
Ich bin in derselben Situation, ab morgen geht’s Semester los, ich habe lächerlich wenig Veranstaltungen, keine Klausur mehr. Ich bin fürchterlich unglücklich damit. So eine Leere, ohne Aussicht auf ein (gezwungenes) Erscheinen irgendwo, ohne Aussicht auf etwas Festes jeden Tag, man fühlt sich allein in der Pampa. Ich habe keinen Bock, mich in der Bibliothek einzusperren und den Kram auszuarbeien und runterzuschreiben und noch weniger Bock auf die Motivation, die ich mir dafür in wenigen Tagen schon langsam reinprügeln muss.
Das Verlangen nach Mehr ist gut und richtig, ich kenn das auch. Weil es nicht aufüllt, Arbeiten aus anderer Leute Arbeiten zu schreiben oder schwadronierenden Profs zu lauschen, zumindest mich oder uns nicht. Zwecks Verlangensstillung werde ich mir definitiv ein bisschen Nebenkram suchen, kann mich nicht einzig und allein auf die BA-Arbeit konzentrieren, nee, das ist nicht mein Ding. Irgendeine Aktion, ein Lehrgang, ein guter Nebenjob – leg’ ich dir mal ans Herz. Bäm.