Die Schmierenoper beginnt.
Nachdem WikiLeaks das lang angekündigte Helikopter-Video veröffentlicht hat, ist es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis man sich vom Inhalt entfernen würde. Ab sofort gibt es für die amerikanische (paläo)konservative Riege nur noch folgende Losungen: Zerstört das Image von WikiLeaks. Schaut, wie ihr sie ins mediale Zwielicht rücken könnt. Macht der Organisation ihre Stellung als Schnittstelle für Whistle-Blower streitig… Dies alles erfordert eine Abkehr vom Inhalt, hin zu Nebenkriegsschauplätzen, an denen über Strohmänner diskutiert werden kann. Kein Wunder also, dass The Jawa Report1 sich in ihrem Artikel “beiläufig” mit Julien Assange auseinandersetzen.
Sie schreiben:
UPDATE: An email from armaros points out that Wiki Leak founder Julian Assange likes to hang out on Truther websites and give them interviews.
And he writes for the antii-American far Left Counterpunch.
Und tatsächlich: Wenn man den Link anklickt, landet man auf der Seite 9/11-Blogger, die sich wiederum zu dem Mission Statement bekennen. Dieses Bekenntnis bringt die Überzeugung der Truther gleich im ersten Satz auf den Punkt.
OUR MISSION TO EXPOSE the official lies and cover-up surrounding the events of September 11th, 2001 in a way that inspires the people to overcome denial and understand the truth; namely, that elements within the US government and covert policy apparatus must have orchestrated or participated in the execution of the attacks for these to have happened in the way that they did.
Scheint also alles klar zu sein und The Jawa Report im Recht, wenn sie behaupten, dass Julien Assange auf solchen Seiten rumhänge. Aber: So einfach ist es nicht. Wenn man sich den Link nämlich genau anschaut, dann sieht man, dass der Artikel von Glenn Greenwald geschrieben und ursprünglich auf Salon.com veröffentlicht wurde. Auf 9/11 wurde der Artikel, von wem auch immer, nur kopiert, es ist ein Crossposting. Aber das wird bewusst unterschlagen, da es die ganze Argumentation zunichte machen würde. Schauen wir uns aber mal Greenwald an.
Greenwald ist eine Person, die in öffentlichen Rankings stets irgendwo im oberen Bereich zu finden ist; die man also nur schwerlich mit verschwörerischen Zirkeln in Verbindung bringen kann. Ob Assange etwas mit der Truther-Bewegung zu tun hat, will ich hier nicht beantworten, ich weiß es nicht. Das spielt an dieser Stelle auch keine Rolle, denn viel wichtiger ist der unbeholfene Versuch, durch gezielte, und vor allem so offensichtlich falsche, Diffamierung einen irreparablen Imageschaden für WikiLeaks zu generieren. Das ist, neben der Aufdeckung der Leaker,die einzig gangbare Alternative für die Gegner von WikiLeaks.
Insofern ist es kein Wunder, dass man Assange auch über seine Artikel auf Counterpunch diskreditieren will (Artikel 1, Artikel 2, ein Durchsuchen der Seite zeigt zwar 14 Seiten Ergebnisse an, aber diese verweisen allesamt auf diese zwei Schriftstücke). Counterpunch ist eine linke, um nicht zu sagen anti-amerikanische, Seite, die sich immer wieder mit dem “angeblichen” Fehlverhalten der Vereinigten Staaten auf politischer Ebene auseinandersetzt und somit am anderen Ende des politischen Spektrums zu verorten ist. Die Botschaft, die von The Jawa Report ausgeht, ist folgende: Wenn Assange für so eine Seite schreibt, dann kann man ihn, und viel wichtiger, WikiLeaks, nicht wirklich ernstnehmen.
Die Artikel wurden beide Ende 2006 geschrieben, einmal Ende November, das andere Mal am 6. Dezember. Es handelt sich also um einen Zeitraum von zwei Wochen. Die Gründungszeit von WikiLeaks beginnt im Dezember 2006. Daraus ergeben sich zwei Schlüsse: 1.) Assange ist nicht wirklich als ein Autor von CounterPunch einzustufen und 2.) Die Zeit von WikiLeaks beginnt im besten/schlimmsten – je nach Interessenlage – Fall erst mit diesen beiden Artikeln. Das Interessante jedoch ist, dass in keinem der beiden Berichte auch nur ein Wort über Amerika oder Außenpolitik fällt. Stattdessen beschäftigt sich Assange einmal mit Hacktivism und das andere Mal mit Zukunftsprognosen und die richtige Einschätzung der Quellen. Also nicht gerade die übliche Schreibe des CounterPunch. Dies wird natürlich ebenfalls nicht erwähnt, da man sich dadurch die eigene Argumentation komplett verbauen würde.
Auch hier lässt sich dementsprechend festhalten, dass man versucht, Assange mit einer anti-amerikanischen Organisation in Verbindunge zu bringen. Das erklärte Ziel in beiden Fällen ist es, für ein negatives Image derjenigen Person zu sorgen, die in der Öffentlichkeit mit WikiLeaks in Verbindung gebracht wird. Sollte das gelingen, wird damit unweigerlich auch die Unparteilichkeit von WikiLeaks in Frage gestellt und stattdessen als anti-amerikanische Institution gebrandmarkt.
Um das zu erreichen, bedient sich die amerikanische Konservative exakt der Methoden, die sie WikiLeaks vorwirft: Irreführende Beweisführung Argumentationen und Schmierenkampagnen.
Edit: Kritik an dem Video könnte so aussehen.
[...] in Zukunft teurer werden könnten, dass die Wahrheit manchen Menschen und Regierungen gar nicht gefällt und dass man große Möpse auch anziehen [...]
Dankeschön.