Wenn ich mir Gedanken mache, tu ich das nie ausführlich. Während die Denker große Reden schwingen, wichtig klingende Namen nennen und dabei wissen, was sie erzählen, weiß ich das nicht. Ich blubber lieber ahnungslos vor mich hin und ignoriere irritierte Blicke, die mir sagen wollen, dass ich Unsinn rede. Klar könnte ich auch wichtig klingende Namen nennen, schließlich habe ich im Verlauf meines Studiums genau die gelernt – ich kann meine Meckerei übers Fernsehen mit den Worten Pierre Bourdieus verstärken, ich kann ein wenig über machthungrige Politikschlampen schwadronieren und dabei – je nach Ausrichtung meiner Sätze – mit Heinrich Popitz und Theodor Geiger argumentieren oder in die andere Richtung blicken und Sartre oder Marx heran ziehen – aber was bringt mir das?
Ja, ich las die Theorien, an das meiste erinner ich mich und damn, einige waren wirklich interessant. Niklas Luhmanns Systemtheorie, Elena Espositos Theorie zum sozialen Vergessen oder Gesellschaftskritiken von Beck oder Postman könnte ich mir immer wieder geben.
Gestern sah ich den Film Avatar. Ja, ich bin spät dran, jeder hat ihn schon gesehen und einige haben ihn als optisch schön, inhaltlich langweilig, ohne überraschende Wendungen umschrieben oder kümmern sich generell nur um technische Dinge, indem sie das 3D Format in den Vordergrund rücken – ich hab aber viel geringere Ansprüche an einen Film. Genau genommen bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich überhaupt Ansprüche an Filme habe. Ich gucke die einfach und meistens gefallen sie mir. Eigentlich immer. Ich kann euch nicht sagen, ob der Plot von Avatar inhaltlich flach war – ist mir auch völlig gleichgültig, weil ich den Film ganz wundervoll fand.
Und das ist die Welt, in der ich mich wohl fühle. Ich mag den Glauben an Magie, die Hoffnung auf ein wenig Zauber und Dinge, die wichtiger sind, als irgendwelche Theoretiker, an die ich mich in zehn Jahren vermutlich kaum noch erinnern werde. Ich mag den Grundgedanken, der bei Avatar vorherrscht. Dass wir mit allem irgendwie verbunden sind, dass alles irgendwie lebendig ist und eine Art Einfluss auf uns ausübt.
Ich mag es einfach, nicht alle Gedanken bis zum Ende zu denken, sondern nach Gefühl zu entscheiden.
das unterschreibe ich mal so… der Text ist schön :) (Und der Film auch! So schön, dass ich im Kino saß und -glaub ich – stellenweise echt vor lauter staunen die Kinnlade unten hatte… ^^” war ja dunkel xD)
Was du im letzten Abschnitt beschreibst, ist ja auch ganz schön, aber das ist ja auch nicht der punkt an dem Kritik ausgeübt wird, sondern daran, dass die Geschichte Austauschbar ist, an jedem andern Ort und zu jeder andern Zeit spielen könnte. Wenn man das möglichst Positiv ausdrücken möchte könnte man “zeitlos” sagen und realistisch würde es “geklaut” heißen ^_^ aber Cameron gibt das ja auch offen zu :)
Falsch kann der Plot ja schonmal nicht gewesen sein, weil es kein richtiges Gegenstück gäbe, wenn er falsch wäre. Ich würde ihn aber trotzdem als ziemlich langweilig bezeichnen, da man das meiste schon aus Pocahontas kennt. Die Lebensweise der amerikanischen Ureinwohner war ebenfalls sehr naturverbunden und die Europäer kamen auch aus niederen Beweggründen und haben sie, bis auf einen kläglichen Rest, den sie sich schlussendlich aber auch noch einverleibt haben, ausgelöscht. Avatar schiebt die Geschichte nur sehr viel weiter weg und macht Fantasy daraus.
Das ist ziemlich unnötig und wird mit der “neuen” 3D-Technik in alle Höhen gehyped. Diese Nachwehen, die z.B. Kampf der Titanen heissen, nerven eigentlich noch mehr, als Avatar selbst.
@AsphyxiaPallida: Als er im Kino lief, hat er mich gaaar nicht interessiert, ich schaute ihn gestern nur aus Langeweile, aber jetzt .. Jetzt ärger ich mich regelrecht, dass ich ihn nicht im Kino sah xD
@Sumi: Mhh, ich find, dass das irgendwie ne grenzwertige Definition ist. Wenn du dir 10 Disney Filme ansiehst, ist auch alles austauschbar, trotzdem lieb ich alle Disney Filme :D
@Teo: Ein neuer Leser? Willkommen : )
Ich schrieb “flach” nicht “falsch” :D
Irgendwie schwer zu sagen, was langweilig ist. Gerade im Fantasy-Genre haben ja so ziemlich alle Geschichten dasselbe Aufbauschema. Nach deiner Argumentation müssten die dann alle langweilig sein, schließlich kann man – mehr oder weniger – voraussagen, was geschehen wird. Pocahontas mocht ich davon ab auch :D Wie gesagt, ich bin bei Filmen nicht sehr kritisch – eher gar nicht. Den Pocahontasvergleich hab ich beispielsweise schon oft gelesen, beim Schauen dachte ich allerdings gar nicht daran und kann erst jetzt im Nachhinein sagen: Yep, stimmt schon, stört aber gar nicht. Mich zumindest nicht :D
Von Disney erwartet man das aber auch, von einem Spielfilm der super gehypt wird erwarte ich etwas neues.
OK, lesen sollte ich etwas genauer ;)
Also bei Disney hat man auch einige Perlen dabei, die wenigstens ein bisschen Innovativ sind. Küss den Frosch empfand ich beispielsweise als ziemlich erfrischend, vor allem, weil es mal wieder ein Film war, der nicht komplett aus dem Computer kam. König der Löwen war ebenfalls wunderschön.
Mich stört einfach, dass man sich als Öko-Krieger hinstellt und dann eine ziemlich reale Geschichte, die jetzt auf dieser Erde passiert, in die Zukunft und auf einen anderen Planeten mit überdimensionalen Schlümpfen versetzen muss. Spätestens in Südamerika läuft man doch dem identischen Szenario in unserer Gegenwart über den Weg.
Und was der 3D-Hype gebracht hat, findet wohl sogar Cameron selbst ziemlich bedauerlich. Man muss sich nur den neuen Trailer vom nächsten Resident-Evil ansehen. Das erste, was man erfährt ist, mit welcher Kamera er gedreht wurde, dann fliegen Ninja-Sterne auf den Zuschauer zu…großes Tennis…
Also ich hab Avatar ja immer noch nich gesehen, aber iwie interessiert der mich auch gar nich :D
schade, daß du kein 3d gesehen hast – das war’s nämlich bei mir, was ihn wirklich zauberhaft hat werden lassen, mit den ganzen umherschwirrenden ascheteilchen am ende und auch den kleinen schwebequallen die ganze zeit… *hach