Weil ich nicht aufhören kann, den Himmel zu beobachten und mir Freiheit zu wünschen.
Heute ist einer dieser Tage: Da steckt der Wurm drin. Ich wachte auf und war müde. Eigentlich wach ich auf und werde dann irgendwann wieder müde, aber nein, heute nicht, heute wachte ich müde auf. Von so einem Tag kann man dann irgendwie schon nichts mehr erwarten und das ist schade. Irgendwo im Kindergarten hörte ich mal diese Geschichte von den Tagen – nein, nicht Periode. Nein, auch keine Metapher. Ja, verdammt, ich bin mir sicher – ob ich die wohl noch zusammenkrieg?
Erst Monate später kam einer seiner Verwandten von seinem großen Tag zurück und berichtete, dass man den kleinen Tag zum Feiertag hatte erklären lassen – eben, weil nichts geschehen war. Er war ein vollkommener Tag gewesen, einer, ohne Tote, Verletze und Kriege. Ein Tag, wie ihn sich die Menschen auf Erden immer wünschten. Da strahlte der kleine Tag.
Am Ende seines Tages kehrte er Heim und erzählte, wie besonders sein einer Moment gewesen war, erzählte von all den Dingen, die er erlebt und gesehen hatte und strahlte vor Freude, ehe sein Onkel verstimmt fragte, ob es kein Erdbeben, keinen Banküberfall und keinen Tod eines großen Menschen gegeben hatte. Der kleine Tag war ein Nichts gewesen, es war nichts geschehen, dessen man sich erinnern konnte und nichts, was ihn ewig in den Geschichten weiterlassen würde.
Schon in der ersten Sekunde, an dem sein Tag begann, kam die erste Enttäuschung: Die Sonne verbarg sich hinter den Wolken. Auch in den Städten passierte nichts aufregendes: Menschenkolonnen wälzten sich durch die Straßen und niemand schien den kleinen Tag zu bemerken. Doch bald schon erkannte er all die Kleinigkeiten, die er vor lauter Aufregung fast übersehen hatte: Ein Junge, der seinen Geburtstag feierte, das rauschende Meer, zufrieden lächelnde Menschen, spielende Kinder und glückliche Pärchen.
Vor langer Zeit lebte einmal ein kleiner Tag zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern an dem Ort, an dem alle Tage lebten, bevor sie zur Erde kamen. Aufgeregt wartete er auf den Moment, so seine Zeit gekommen sein würde, denn so wie alle noch ungelebten Tage wusste er genau, an welchem Tag, welchem Monat und welchem Jahr er dran sein würde – konnte seine Ungeduld jedoch kaum zügeln. Gleichzeitig lastete der Erwartungsdruck schwer auf seinen Schultern: Während sein Vater ein bedeutsamer Tag samt Erdbeben gewesen war, das die Menschen nie vergaßen, war seine Mutter ein Tag des Friedens, da zwei Völker einen Krieg beilegten und beide erzählten stolz von ihren Erlebnissen. So stolz, dass der kleine Tag sich vornahm, dass es ganz besonders werden würde, wenn er erst mal an der Reihe wäre und während die anderen Tage dran kamen, träumte er von seinem großen Moment, wünschte sich friedenschließende Könige, städtezerstörende Flutwellen und gewaltige Feuerwerke, bis er schließlich auf die Erde geschickt wurde.
Ich weiß gar nicht, wieso mir diese Geschichte gerade einfiel, vielleicht nur, weil ich es selbst nicht leiden kann, wenn ich Tage als “nicht besonders” bezeichne. Mir gefällt die Vorstellung, dass es irgendwo diesen Ort gibt, wo ungeborene Tage darauf warten, in Erscheinung zu treten und noch mehr gefällt mir die Einzigartigkeit, die nicht nur dem kleinen Tag sondern allen Tagen zugeschrieben wird – sofern man bereit ist, sie zu erkennen. Woher auch immer die Geschichte kommt bzw. wer auch immer sie schrieb – obwohl ich mich an wenig aus meiner Kindergartenzeit erinnere, hab ich sie nicht vergessen, denke aber viel zu selten daran.
ist wirklich ‘ne schöne geschichte. ich versuche auch immer, wenigstens im rückblick zu sehen, daß die woche schön war – schee, weißte? ;) das hilft, das leben nicht so vorbeigehen zu lassen… denn es gibt immer etwas zu sehen! :D