Du riechst so gut

23. April 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 1
Du riechst so gut

Ich mag den Geruch, der in der Luft liegt. Den Geruch nach Frühling, Sicherheit und Wärme, obwohl es morgens so empfindlich kalt ist, dass ich wimmernd unter meiner Bettdecke liegen bleibe, ehe ich mich ob meiner Mimosenhaftigkeit schelte und das Bett mit einem Gesichtsausdruck verlasse, der bedeuten soll: Kälte, du kannst mir nichts. Die Wirkung geht verloren, wenn ich die letzten Schritte zum Bad rennend zurücklege, aber kurz war sie da und die Kälte erzitterte vor meiner Entschlossenheit. Zumindest gefällt mir diese Vorstellung.

Die Woche hat sich so dahin gezogen und obwohl ich nicht oft Uni hatte – das sechste Semester hat begonnen, die Kurse sind rar gesät, die Anwesenheitspflicht wurde abgeschafft und mein Bedürfnis nach Leben überwiegt gegenüber universitären Zwängen – ja, obwohl ich nicht oft Uni hatte, bin ich erschöpft. Nicht immer angenehm erschöpft, aber doch so, dass ich körperlich spüre, etwas getan und geschafft zu haben. Woher ich die Energie dafür nahm, kann ich nicht sagen. Da ist nicht mehr viel Energie, die ich abzweigen kann – ganz gleich wofür. Trotzdem kwäle ich mich durch die Tage, warte darauf, dass sie vorübergehen und die Frage, was ich da eigentlich tue, erschallt immer lauter in meinem sich wattig anfühlenden Köpfchen.

In letzter Zeit bin ich ein Sklave meiner Nase. Es ist erschreckend, welche Gerüche ich bemerke, ohne, dass ich es darauf anlege. Unangenehme Gerüche, wie der der schwitzenden Frau neben mir im Bus. Ich mag nicht, wenn der Bus so voll ist, dass ich meine Mitmenschen riechen muss. Aber ich mag, wenn ich meinen Freund treffe und ihn rieche. Er riecht auch nach Frühling, Sicherheit und Wärme. Vielleicht riechen alle guten Gerüche so. Für mich. Für euch vielleicht anders.

Wenn ich abends im Bett liege, umarme ich mein T-Shirt, das nach ihm und mir und Liebe riecht. So schlaf ich ein, so wach ich auf, so werd ich von der morgendlichen Kälte empfangen, die mich durch den Flur ins Bad rennen lässt, sodass der Geruch langsam verfliegt und ich weiß, dass es an der Zeit ist, ihn zu erneuern.


  1. Gestern stank der Bus, in den ich einstieg ekelhaft. Das schlimme ist immer nur, ich denke die Leute gucken mich an und das macht Angst! Ich denke es, selbst wenn ich weiß das alles ganz frisch inklusive mir sind… es ist komisch. Diese Menschen, diese Busse, die Liebe.