Gute Laune – Tao Lin

28.04.10

Manchmal fällt es mir leicht, Bücher zu „rezensieren“ bzw. zu sagen, was ich von ihnen halte, wie ich den Plot finde und und und. Generell kann ich – normalerweise – recht gut in „mag ich“ und „mag ich nicht“ unterteilen, doch in diesem Fall ist das gar nicht mal so einfach.

In dem Buch „Gute Laune“ von Tao Lin geht es um .. Worum geht es eigentlich? Ich könnte jetzt sagen, dass es um Andrew geht, der als Pizzabote bei der amerikanischen Kette Domino’s arbeitet. Ich könnte auch sagen, dass Andrew ziemlich abgefreaked ist und mich irgendwo an das Kerlchen aus Donnie Darko erinnert – dunkel, krank, eine immer tiefer fallende Spirale aus Seltsamig- und Merkwürdigkeiten. Ja, das könnte ich sagen und alles käme ungefähr so hin, trotzdem beschreibt es das Buch ganz und gar nicht. Vielleicht sollte ich es also mit negativeren Formulierungen versuchen: Das Buch hat – irgendwie – gar keinen Sinn, es gibt keinen erkennbaren Plot, der Schreibstil ist nicht erkennbar und insgesamt besteht das Ganze nur aus aneinandergereihten Worten, die zufällig Sätze ergeben (meistens).

Andrew legt sich aufs Bett und schläft ein.
Als er aufwacht, ist es kälter.
Der Bär steht da und macht „Brr, brr.“
„Eisbär“, sagt Andrew. „Ist es das, was du willst?“
Der Bär starrt Andrew an.
Starrt Andrew weiter an, während er zu Andrews Schreibtisch geht und sich eine CD-Hülle nimmt.
Schaut sich die CD-Hülle an, sieht Andrew an, legt die CD-Hülle wieder hin.
„Leg sie wieder hin.“, sagt Andrew. „Ah, okay.“
„Ich habe sie gerade wieder hingelegt.“, sagt der Bär.
„Ich weiß.“

Auszug aus „Gute Laune“ von Tao Lin

Es wurde dieses Zitat, weil es ebenso gut jedes andere hätte sein können. Es gibt kein Zitat, dass das Buch besser oder schlechter wiederspiegeln würde, als irgendein anderes. Wer Interesse heucheln will, sollte sich die vom DuMont Verlag zur Verfügung gestellte Leseprobe ansehen – ja, das Buch ist wirklich die gesamte Seitenzahl über so geschrieben.

Es ist seltsam, es ist anders und ich brauchte eine Weile, mich an den abgehackten Schreibstil zu gewöhnen, der genauso sprunghaft ist wie die Gedanken von Andrew, die kwasi in Echtzeit wiedergegeben werden.

Preis vs. Leistung:

90%

Die broschierte Ausgabe kostet 14,95€ und obwohl es mir nach wie vor schwer fällt, eine Meinung dazu zu haben, finde ich, dass das Buch sein Geld wert ist.

Schreibstil:

78%

Irgendwie anders. Hebt sich definitiv hervor, ist aber auch dem entsprechend gewöhnungsbedürftig.

Story/Idee:

73%

Sofern man den Schreibstil als Idee wertet: Ja, hohes Rating. Geht man allerdings tatsächlich von der Story an sich aus: Schwer zu sagen. Eigentlich nichts besonderes, aber die Umsetzung fasziniert mich.


Kategorie: Rezension

Vielleicht, wenn alles anders wäre ..

Social Bookmarks
  1. ben_

    „You are a little bit happier than I am“ fand ich super. Wie könnte ich nicht, bei dem Titel.

  2. Hannah

    Hast du ihn auf deutsch und englisch gelesen? Ich frage, weil mich schon nach den ersten paar Seiten das Gefühl beschlich, dass er im Original wohl noch besser sein muss.

  3. rebhuhn

    weil ich gleich zur leseprobe gehüpft bin, ist mir das hier wieder eingefallen… kanntest du das schon? :) ich finde es furchtbar, glaube also nicht, daß ich das buch mögen würde…….. YAY: ich habe sogar den passenden xkcd-comic wiedergefunden!! :D nicht das mouse-over vergessen!

  4. Hannah

    Ich kann dir auch nicht so gaaanz genau sagen, ob ich es mochte. Mögen ist irgendwie das falsche Wort. Aber es hat mich irgendwie gefesselt. Du musst wissen: Ich saß mindestens 3 Wochen an diesem Buch (und das nicht nur aufgrund von Zeitmangel) und wurde mit jeder Seite ärgerlicher, weil da einfach nichts „normales“ kam. Bis ich mich irgendwann drauf einließ und mir dacht „ah mei, oke, was solls“. Und dann fand ichs auf einmal faszinierend Oo

  5. Georg

    Frage: Ist es wirklich die Kernfrage bei einer Rezension, ob der Rezensent das Werk mag oder nicht?

    In den wenigen Rezensionen, die ich geschrieben habe, ging es mir darum, die Kernaussage des Werkes herauszuarbeiten und darzustellen, ob diese, aus Sicht des Autors, schlüssig entwickelt wurde. War das der Fall, bewertete ich das Werk mit gut, wenn nicht, dann halt mit schlecht. Mein persönliches Urteil habe ich nur am Rande mit einfließen lassen.

    Ist das falsch? Schreibt man Rezensionen subjektiver urteilend?

  6. Hannah

    Das Wort Rezension steht in Anführungszeichen. Ich schreib hier keine wissenschaftlich korrekten Rezensionen – glaub kaum, dass das irgendjemand lesen wollen würde. Ich schreibe – im Höchstfall der Gefühle – eine Art Kaufempfehlung (oder eben nicht).

  7. Silke

    Ich habe leider das Original auch noch nicht gelesen, aber ich hörte dass es wirklich besser sein soll…

  8. Gerald

    Gut, werde dann auch zur Leseprobe hüpfen! Freu mich schon darauf!

  9. M

    Toll geschrieben und macht richtig Lust zum Lesen! Preis finde ich auch sehr gut. Vielen Dank für die Review

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