Es regnet. Lauwarm prasseln die Tropfen auf das Blech der Bushaltestelle, der Wind weht sie unter das Dach, beinahe waagerecht fegen sie über die Straßen, treffen kühl auf meine Haut, die noch vom Tag gewärmt ist. Rosarote Kirschblüten fließen über die Straße, tanzen auf den Rinnsalen, tanzen wie das Mädchen, das in einem übergroßen Pullover an mir vorbei gleitet, ihren Freund lachend in die Seite stößt, dessen Miene den Ausdruck des Erwachsenenseins trägt: Es regnet, ich werde nass, das macht mich mürrisch – würde er die Augen öffnen, er sähe, dass seine Freundin bloß mit den Kirschblüten tanzt.
Die Luft riecht nach warmer, feuchter Erde und der rauen Rinde des Baumes neben mir und ich erinnere mich an früher. Gelbe Gummistiefel (waren sie gelb, Ma? Oder waren sie rot?), Pfützen, die so groß wie Gartenteiche schienen und nur darauf warteten, dass ich hinein sprang. Schlammiges Wasser, dass in meine Gummistiefel schwappt, meine Ma trifft, die neben mir geht und meine Hand hält. Meine Ma, die selten die mürrische Miene des Erwachsenenseins trug und auch heute nicht trägt, die vollgespritzt wird und mit mir lacht. Jahre später fuhren wir irgendwohin, der Regen trocknete gerade auf den Feldern und die schmale, ungeteerte Straße war übersät von Reifenspuren, die sich tief in den Boden gedrückt hatten. “Fahr schneller, Ma.” – Ich liebe es, wie das Wasser an der schützenden Autowand empor spritzt, sich wie neu gefallener Sprühregen auf die Autoscheiben legt, sodass die Sonne funkelnd hindurch fällt.
Danach oder davor, in meinem Kopf vermischen sich Erinnerungen und ich weiß nicht, ob ich an Tage, Monate oder Jahre denke, aber ich klettere einen Lehmberg hoch, spüre meinen Bruder knapp neben mir, zu klein, um zu verstehen, wieso ich da hoch will, aber klein genug, um seiner großen Schwester bedingungslos nachzueifern (heute schon lange nicht mehr). Oben angekommen müssen wir durch Bauschutt, danach durch Büsche, anschließend zwischen einer schmalen Baumreihe hindurch, ehe wir sind, wo es mich hinzog. Immer hinzog, als wir noch dort lebten. Die riesige Wiese, grasgrün, wie sie sonst nur in Filmen, nachbearbeiteten Fotos oder der eigenen Fantasie zu sehen ist und voller kleiner Gänseblümchen. Der inzwischen davon ziehende Schauer war es wert, den unter den Füßen wegrutschenden Berg empor zu klettern. Der Regenbogen zog sich breit über den Himmel, sein Anfang nicht zu sehen, sein Ende direkt in den Baumreihen landend, einige Meter entfernt. Ich rannte, hörte meinen murrenden Bruder hinter mir her tippeln, in dem Versuch gefangen, mich einzuholen, während ich nur darauf hoffte, das Gold und den Leprechaun am Ende des Regenbogens zu finden. Die Farben verblassten, der Bogen löste sich auf, meine Schritte wurden noch schneller, doch ich wusste bereits, dass ich es nicht schaffen würde. Wieder ein Leprechaun, der sein Gold für sich behalten würde und erschöpft ließ ich mich auf die Wiese fallen, wartete auf meinen Bruder, der keuchend neben mir landete und gemeinsam beobachteten wir einen Marienkäfer, der langsam und entschlossen einen Grashalm erklomm, um die Welt über seinem Kopf kennenzulernen.

Weder noch – sie waren dunkelblau – Romika. Aber eine sehr schöne Geschichte, ich erinnere mich noch an den Hügel… Hab Dich lieb.
Wunderschön :) Hach, Kindheitserinnerungen… schätz dich glücklich dass du dich (auch) an Dinge erinnerst die schön waren. Ich verliere solche Erinnerungen leider…
Schreibst du denn garkein Copyright mehr unter die Bilder :P *mit dem finger zeig*
@Mama: Oh, dunkelblau Oo Ich sag ja, meine Erinnerung funktioniert nicht richtig xD
@Konzertheld: Ich erinner mich nur an sehr wenig – sowohl gutes, wie auch schlechtes, aber halt echt .. nicht viel.
@Sumi: Da liegt doch ein Link zum Ursprungsort drauf Oo
Achsoo. Ja da achte ich ja nich drauf ob das Bild mit irgentwas verlinkt ist. Ich meinte ja namendliche Nennung :D