Ich: “Ich hab Dir doch gesagt, dass mein Akku leer ist! Ich hab Dir gesagt, dass Du eine Ausfahrt früher nehmen musst! Wieso muss ich denn bitte fünf Minuten mit Dir telefonieren, obwohl Du problemlos dem Navi hättest folgen können?” Er, mit erstickter Stimme: “Dieses Scheiß-Navigationsgerät hat mich immer wieder auf die A9 gelotst!”. Ich: “Scheiße, endlich, wurde auch Zeit!” Dann steige ich aus dem BMW. Ich gehe zurück zu dem “Parkplatz geschlossen”-Schild und lehne mich an. Dann gebe ich meinem Chef sein Handy zurück. “Da ist er!”. “Kein Problem, hier”, sagt er. “Kann ich mal Dein Handy haben?”, frage ich, woraufhin er sich entfernt, zu grinsen und winken beginnt.
Ein Auto setzt zurück, während ich hingehe. Ich: “Auf Wiedersehen!” Sie: “Schade”. Ich: “Tut mir leid, kann man nichts machen. Bis vor einer Stunde hat es noch in Strömen geregnet und der Parkplatz, das ist ein Acker, steht noch komplett unter Wasser. Das ist alles Matsch, Schlamm und Scheiße. Wenn ich Sie jetzt da parken lasse, kommen Sie nachher nur noch mit dem Gabelstapler raus.” Sie: “Das ist ein Smart, gibt es keine Möglichkeit?” “Ja, aber das sind die Sponsoren des Events, ohne die keine BMW Open!” Sie: “Aber da parken doch auch welche!”, was ich mit “Tut mir leid, der Parkplatz ist geschlossen” kontere. Sie fährt zurück, kurbelt das Fenster hoch und beginnt zu grinsen. Eine halbe Stunde vergeht. Ich schließe die Gittertür und steige die Treppen hoch, um zu sehen wie Philipp Kohlschreiber gerade den ersten Satz gegen Santiago Ventura mit 6:2 für sich entscheidet. Gelangweilt gehe ich aufs Klo und im Anschluss zurück ans “Parkplatz geschlossen”-Gatter, aus Metall. Der Menschenfeind grinst mich an, legt seine Hand an seinen “Volunteer”-Pass und winkt dem elitären Piefke zum Abschied. Dann schreit er ihn zur Schnecke . Piefke: “Das ist doch unerhört, das ist doch scheiße ist das.” Menschenfeind: “Trotzdem habe ich keinen Parkplatz”. Piefke: “Hier sind 20€”. “Sorry, kein Parkplatz.” Piefke setzt zurück und verabschiedet sich in den Großstadtverkehr.
Es beginnt zu regnen, erst tröpfchenweise, dann immer heftiger, bis es schließlich dezimeterlange Eisstäbe sind. Ich sehe meinen Atem. “Da brauche ich keine wind- und wetterfesten Schuhe. Normalerweise bin ich bei so einem Wetter zu Hause. Das sind Nike90. Ja, meine Füße sind komplett durchnässt, die Socken schmatzen bei jedem Schritt. Scheiße.” Der Securitas-Mitarbeiter schaut mich prüfend an und fragt: “Sind deine Schuhe etwa wasserdurchlässig?” Meine Antwort: “Ist ja alles butterweich über die Bühne gegangen.” Keine Minute später parken 10 BMW 7-er Modelle wohlgeordnet in einer Reihe. “Wie bitte?”, frage ich noch nach, doch der X6 ist schon längst davongebrummt. “Danke für Ihre Unterstützung”, sagt die Frau in ihrem X6 und fährt das halbhohe Fenster entschlossen nach oben. Eine Stunde vergeht. “Verstanden”, tönt es aus dem Funkgerät. “Gleich kommt der Shuttle-Service, das sind lauter 7-er BMWs. Die bleiben hier für eine Stunde und fahren dann wieder. Die müsst ihr irgendwie unterbringen. Am besten ist, ihr achtet darauf, dass sich niemand in das Halteverbot stellt, auch nicht zum Ent- oder Beladen!” “Ja, Frank”. Stille. “Hakan an Frank.” Meine Socken beginnen zu trocknen. Der Regen prasselt unbeirrbar gen Boden. “Sehr geehrte Damen und Herren, der Beginn des Turnieres wurde für den heutigen Tag auf 16 Uhr festgelegt!”
Die Spaghetti mit Rucolasoße und Pinienkernen schmecken ausgezeichnet. Ich spucke sie zurück in den Alubecher. Ebenso das Trinken. Ich hasse stilles Wasser und Apfelschorle will ich nicht trinken. Unser Fehler, dass wir mit unbändiger Hitze gerechnet haben. Der Sonnenschirm wirkt wie ein Sieb und püriert die Regenfäden, bevor sie der Wind uns ins Gesicht weht. “Sie können hier einfach nicht parken, das steht hier zweimal in metergroßen Buchstaben, was gibt es denn da nicht zu verstehen? Sprech ich Suaheli, oder was?”. Der Menschenfeind zerhexelt wieder. “Aber, aber…” murmelt der Besitzer eines auffallend hässlichen Minis vor sich hin. “SORRY! KEIN-PARK-PLATZ!” Die Szenerie wiederholt sich, Schreie, Gegenschreie, kleinlaute Wünsche nach einem Parkplatz, Autos, Autos, aufstehen, Sonnenschirm. Alle fahren ihr Fenster runter, die arroganten nur halbhoch, dann schüttel ich meinen Kopf und sie fahren ihr Fenster komplett hoch und halten ihre grünen und gelben Karten daran. Manchmal sind auch rote dabei, die winke ich direkt durch. “Verstanden”, sagt Deba. “Darf überall parken, ist ein Roter!”, funke ich zurück. “Ja, hier”, antwortet Deba. “Sehr geehrte Damen und Herren, der Beginn des Turnieres wurde für den heutigen Tag auf 13 Uhr verschoben!, tönt es über das Gelände. Meine Socken werden nass. “Nein, komplett trocken”. “Lassen die Wasser durch?” “34€”, beginnt der Menschenfeind, “die Schuhe habe ich für 34€ bei einem Polizeit-Ausstatter gekauft.” Der Menschenfeind steht neben mir. Das wird langsam unangenehm. Ich erhebe mich von der Bierbank, falte die Donnerstagsausgabe der ZEIT, so dass man das Gesicht einer kopftuchbedeckten Muslima sieht und setze mich drauf. Nun schäme ich mich. Stehe auf, nehme die Zeitung in die Hand und beginne zu lesen. Die nächsten drei Stunden vergehen wie im Flug. Irgendwie ist viel zu tun.
Ich schultere meine neue Tasche, moonwalke zur U-Bahnstation und fahre nach Hause. Es ist 7 Uhr in der Früh. Mein Wecker klingelt jetzt nicht mehr. Ich öffne die Augen und schalte den Wecker aus. Mein Wecker klingelt. Ich schlafe.
Ab hier Traumdeutung.
Ich schlafe. Mein Wecker klingelt. Ich schalte den Wecker aus und öffne die Augen. Der Wecker klingelt jetzt nicht mehr. Es ist 7 Uhr in der früh. Ich schultere meine Tasche und…