Der Islam, die Homos und die Medien

12. Mai 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 1
Der Islam, die Homos und die Medien

Heute ein wenig Nachhilfe in Journalismus.

Wenn wir davon ausgehen, dass eine Nachricht definiert ist als Vermittlung von interessanten Neuigkeiten an eine breite Öffentlichkeit, ganz allgemein und wertneutral. Und wir das dann noch auf eine gewisse Aktualität einschränken, dann hätten wir so ziemlich alles beschrieben, was sich heute in den Schlagzeilen von einschlägigen Nachrichtenmachern von morgen liest. Die Gatekeeper in ihrem Element.

Bevor ich weiter erzähle, hier kurz ein Kontext: Integration ist die innenpolitische Dauerdebatte, die spätestens seit Belgien und, im Anschluss daran dem Vorschlag, aus den Reihen der FDP, für ein Burkaverbot mitten in Europa geplatzt ist. Plötzlich wird Hinz und Kunz zum Vertreter von Frauenrechten, so dass man beinahe schon versucht ist, von einer feministischen Wende zu sprechen. Ist natürlich nicht so, aber grinsen mussten trotzdem alle kurz. Halten wir fest: Integration bzw. der Islam als Religion an sich ist per se ein Politikum.

Interessanter wird es, wenn man sich mit dem Islam und der Homosexualität auseinandersetzt. Der Widerspruch tritt hier ganz offen zu Tage: Auf der einen Seite hat man die Hinrichtung homosexueller Menschen z.B. im Iran und auf der anderen Seite hat man die Tradition des Baccha Bazi (über die kürzlich eine Dokumentation namens “Dancing Boys of Afghanistan” veröffentlicht wurde). Ohne zu sehr in die Thematik einzutauchen, lässt sich festhalten: Auch das, Islam und Homosexualität, ist immer eine Nachricht wert.

Aiman A. Mazyek ist der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Nicht vom Namen in die Irre führen lassen, die ZMD vertritt bei weitem nicht “die” Moslems. Er ist jedoch, zusammen mit dem Islamrat, durchaus eine zu berücksichtigende Institution. Der ZMD vertritt durchaus zu kritisierende Positionen (siehe z.B. hier, wenn der alte Generalsekretär sich nicht von der Sharia distanzieren kann/will). Man kann also davon ausgehen, dass der ZMD in seiner Ausrichtung eher religionstreu und fromm ist.Soviel zum Kontext, jetzt zum Fall.

Am 21. April äußerten sich Experten in einem Rechtsausschuss skeptisch anlässlich einer etwaigen Grundgesetzänderung, die auch die Diskriminierung auf Grund einer sexuellen Identität umfassen solle. Winfried Kluth hingegen verquickte seine Ablehnung des Arguments damit, dass den Muslimen dadurch die Integration erschwert würde.

(Stellungnahme nachzulesen hier)

Diese These wird von so vielen Leuten geteilt, wie sie Fehler enthält. Ein Vorurteil, gegen das zu argumentieren, vor allem das, was der Satz explizit verschweigt, an dieser Stelle zu zeitintensiv ist, als dass ich es leisten wollen würde. Wichtiger erscheint mir jedoch folgende Meldung des LSVD Berlin-Brandenburg:

Der Zentralrat der Muslime (ZMD) schließt sich der Kritik des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. und des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB) an [...] Hierzu erklärt Aiman A. Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime (ZMD): „Die Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen findet keine islamische Rechtfertigung. Ein umfassender Diskriminierungsschutz in der Verfassung für alle Menschen ist für das friedliche Zusammenleben in Deutschland notwendig.” (hier)

Was haben wir hier? Wir haben hier ein offizielles Statement des Generalsekretärs des ZMD, in dem er sich gegen Homophobie ausspricht. Von einer Organisation, die, wie bereits erwähnt, durchaus nicht haltbare Positionen vertritt, siehe das Sharia-Beispiel. Umso erstaunlicher, warum sich in der deutschen Medienlandschaft kein einziger Bericht zu diesem Thema finden lässt. Aktualität des Themas? Ja. Interessant? Ja. Neuigkeit? JA! Bericht? Nein.

Warum?


  1. Warum? Die Kirche in DE ist auch gegen Homos. Da muss man gekonnt ablenken und darf auf keinen Fall zeigen, dass das “Feindbild” was für die Massen aufgebaut wurde, Fortschritlicher ist als wir.