Eigentlich muss ich meine Zeit damit verbringen, interessante Artikel über den Einfluss Antonio Gramscis auf die internationale Politik herauszusuchen, aber das kann noch ein Blogposting warten. Zuerst drei Links, dann ein bisschen was über Büro am Strand bzw. MC Winkel.
Link 1: Tame Impala bringen ein Album raus. Hier ein Video in schlechter Qualität, aber dafür mit umso mehr Charme. Genialer Track.
Link 2: Kreativität kennt keine Fixpunkte. Nehmen wir Jim. Wer ist Jim? Keine Ahnung, auch wenn es mich interessieren würde. Alles was ich weiß ist, dass Jim liebend gerne Pfannkuchen macht. Aber nicht so wie Du und ich, den Pfannkuchen als Schlingvorlage zu missbrauchen, den man zuvor ein wenig mit Spinat und Käse drapiert hat, nein. Bei ihm sind die Pfannkuchen Kunstwerke. Genius.
Link 3: Tim Walker, Referenz-Fotograf erster Güte, hat so seine ganz besondere Vorstellungen davon, wie die Vogue aussehen sollte.
So. Und jetzt zu Büro am Strand. Machen wir das in guter alter Schulmanier, anhand der vier Bs. Behauptung, Begründung, Beispiel und Bezug.
Behauptung
Whudat.de wird die für einen Anstieg in den Verkaufszahlen von BAS führen. Unabhängig von der Qualität.
Begründung
Solche Sätze haben es naturgemäß an sich, dass man das Negative herausliest. Also, um es klar und deutlich zu sagen:
Das heißt nicht, dass ich die Qualität des Albums, dessen Vlog-Präsentation ihr hier sehen könnt, in Zweifel ziehe. Ich kenne das Album noch überhaupt nicht, wie könnte ihr mir jetzt schon eine Meinung bilden? Allerdings finde ich es durchaus interessant und werde mir auf jeden Fall das Snippet anhören und mich dann entscheiden. Vielmehr sage ich, dass es ab einem gewissen Punkt Selbstläufer gibt. MC Winkel, dessen erfrischend sympathische Art innerhalb des Netzes auf sehr viel Anklang und Gegenliebe stößt, ist in der Blogosphäre relativ bekannt. Ich weigere mich, in absoluten Ausdrücken zu sprechen, daher das “relativ”. So, das könnt ihr nennen, wie ihr wollt, meinetwegen “Sympathiepunkte” oder “soziales Kapital”. Was bleibt, ist die gute Erinnerung, das Folgen, der RSS-Feed, die positive Grundstimmung. Und an diesem Punkt kommt die Bezahlung ins Spiel.
Nun ist es in der Musikindustrie ja so, dass man den Download per se als Diebstahl an der Musik betrachtet. In dieser allgemeinen Form ist diese Aussage natürlich Quatsch.
Grund 1: Der Künstler hat sein vorrangiges Ziel, Musik zu machen, die auch gehört wird, erreicht. Sprecht doch mal mit den Musikern. Je unbekannter sie sind, je ferner die Früchte des Geldes sind, desto mehr ist man bei dem tatsächlichen Beweggrund, der da beinahe ausnahmslos lautet: “Ich will Musik machen”. Als Selbstzweck. Dass sich diese Auffassung ändert und Musiker dazu aus Gründen der reinen Lebensfinanzierung dazu angehalten sind, irgendwann in den Imperativen der Ökonomie zu denken, das ist so schade wie gleichermaßen verständlich. Aber dennoch ist der Hauptantrieb in den seltensten Fällen nur und ausschließlich das Geld. Vielleicht machen das die Reallife-Entsprechungen von Cartman, aber Usus ist das nicht.
Grund 2: Schauen wir uns an, wer am Album verdient. Delamar hat ausgerechnet, dass der klassische Major Label-Künstler von der CD, die für 15,99€ über den Ladentisch wandert, ganze 64 Cent erhält. Auf Delamar findet ihr auch die Infografik, in der Regel verdienen Künstler nicht mehr als 3%. Hier hat das Internet über die Zeit Abhilfe geschafft. Alternative Konzepte wie Beatport, Myspace und neuerdings auch Bandcamp. So langsam weicht dieses Modell also ohnehin. Klar, noch ist das alles ganz groß und teilweise erobert man sich auch Marktanteile darüber zurück, in dem man Kunstfiguren wie Lena Meyer-Landrut oder DSDS-Gewinner aufbaut, der Trend ist aber klar in Richtung Selbstvermarktung. Abseits davon wird das große Geld so weit ich weiß, zumindest war es bis vor einigen Jahren so, per Konzertkarten-Verkauf verdient. Wer einen Künstler unterstützen will, der geht einfach zum Konzert. We all want someone to shout for. Ich hab am Rande mal mitbekommen, dass sich die Labels auch hier für Veränderungen einsetzen wollten, bin aber nicht mehr auf dem aktuellsten Stand. Man kann aber trotzdem sagen, dass ein Download in erster Linie den Labels schadet. Klar, dadurch leidet auch die Finanzierung, die ganzen Kontakte bröseln, die Maschinerie hat mehr Sand als Getriebe und auf lange Sicht trifft das auch den Künstler, keine Frage. Anfangenn tut es jedoch nicht bei ihm. Genau das will man aber vermitteln.
So. Wie die spitzfinden unter Euch mitbekommen haben, ist MC Winkel, und damit auch Büro am Strand als Kollektiv, ener der Gruppen, die das mit der Selbstvermarktung verstanden haben. Keine offensive Dauerbefeuerung des potentiellen Hörers, sondern hier und da ein Verweis, hier und da ein Vlog, die Aufmerksamkeit aufrecht erhalten, ohne zu nerven. Wunderbar. Wenn dazu jetzt noch zwei Sachen kommen, klappt das auch mit dem Verkauf.
Punkt 1: Sympathie
Ein arrogantes Arschloch verkauft keine Musik. Arroganz funktioniert nur gegenüber dem Leben oder gegenüber Dritten. Heißt: Du kannst Dich darüber aufregen, dass die Menschen um Dich rum, ganz allgemein, Flachwichser sind, Du kannst dich über das Leben an sich beschweren, das geht klar. Wenn Du aber aus falscher Eitelkeit heraus beginnst, Dich über Deine Leser- und Kundschaft zu beschweren, dann hast du ein ernsthaftes Problem. Das große Glück Lily Allens ist, dass die Internet-Nutzer größtenteils noch recht wenig Erfahrung mit Medienkompetenz haben und lieber 5h auf Facebook abhängen, anstatt zu schauen, was es so an Möglichkeiten gibt. In Zukunft wird sich diese Arroganz negativ bemerkbar machen. Wichtig hier ist der Faktor Mensch. Ist ein Mensch cool, will man ihn unterstützen? Das heißt nicht, dass man nett sein muss. Abgefucktheit als Prinzip kann auch wunderbar funktionieren. Solange es passt.
Punkt 2: Bezahlmöglichkeiten
Wenn ich von vornherein gezwungen werde, was zu zahlen, dann bin ich bei dem Kauf vorsichtiger. Auch bei kleinen Mengen, schließlich kostet eine iTunes-Single zwar nur 99 Cent aber 1000 Songs je 99 Cent machen trotzdem eine leere Geldbörse. Und bei Gott, es gibt mehr als 1000 Songs, die ihre 99 Cent mehr als wert sind. Man muss also schauen, dass man auch hier gangbare Alternativen findet. Flattr und Kachingle sind zwei Möglichkeiten, direkte Spenden per PayPal oder Bandcamp eine weitere. Mir persönlich fällt es schwerer, mich für einen Beitrag zu entscheiden. Bei der BildBLOG-Spendenaktion habe ich mich zum ersten Mal überwunden und gedacht “Scheißegal, man kann nicht zu wenig spenden”. Safran Foer hat das in “Extrem laut und unglaublich nah” gut auf den Punkt gebracht, als er Oskar, den Protagonisten des Buches, weniger als 1$ an eine Umweltorganisation spenden ließ. Hier muss man schauen, dass man dem Nutzer vielleicht entgegenkommt und Alternativen zur Wahl stellt, wie man sie bei den Abos von linken Publikationen, z.B. der taz, findet. Dort gibt es drei Möglichkeiten: Spar, Normal, Förder. Spar ist für diejenigen, die gerne zahlen wollen, aber nicht können, Standard für die, die genug haben und die Förderoption für die Supporter. Es geht gar nicht darum, ob am Ende nicht doch mehr Yuppies auf den Sparknopf drücken, es geht darum, den Menschen die Option zu bieten. Und im Zweifelsfall hat man lieber mehr Spar-Verkäufe als wenige Standards.
Beispiel
“Deine Jugend“, deren EP binnen kürzester Zeit ausverkauft war. Ich hab mich weder mit der Gruppe noch der Vorgeschichte genauer auseinandergesetzt, es kann sein, dass da auch andere Mechanismen im Spiel sind (vielleicht ja auch Labels?), darum ist das Beispiel mit Vorsicht zu genießen. Was ich auf jeden Fall sagen kann ist, dass die Gruppe über eine wahnsinnige Fanbase verfügt. Die mitunter auch zahlen will. Und wenn die das wollen, dann sollte man ihnen auch die Chance geben.
Bezug
Das war so ein bisschen der Versuch aufzuzeigen, wie Musik morgen funktionieren kann, wenn sie es nicht heute schon tut. Fakt ist, dass Büro am Strand über genügend Fans verfügen, die mitunter auch Bock haben, die Jungs zu supporten, in dem was sie tun. Warum aber ist die Musik zweitrangig? Ganz einfach: MC Winkel, sorry, dass ich hier den Eindruck erwecke, alles auf eine Person zu zentrieren, mir ist schlicht nicht bekannt, ob die anderen Mitglieder von BAS bloggen oder sonstwie im Internet aktiv sind, MC Winkel will man unterstützen, weil er eben mehr macht, als “nur” Musik. Er betreibt den Blog. Punkt. Ich mag den Blog. Ich kann Liebe zurückgeben. Mach ich. Und falls ihr Album scheitern sollte, was ich ihnen nicht wünsche, dann scheitert es an einem “zu früh”. Die Frage ist, ob sie mit ihrem Timing des Albums richtig liegen. Mag sein, dass Timing für BAS scheißegal ist, man macht ja nur Musik um der Musik willen. Interessant zu beobachten ist es allemal.
Das ist natürlich keine alles erschöpfende Ausarbeitung, sondern nur die Ideen, die mir binnen einer Stunde eingefallen sind. Wobei ich, das muss man erwähnen, über dies und das schon Vorkenntnisse hatte, ich also nicht vor einem leeren Reißbrett stand und mir sämtliche Quellen und Hintergrundinfos recherchieren musste. Dennoch fehlen sicher hier und da ein paar Gedanken und Berücksichtigungen, aber so als erster Einstieg dürfte das ausreichen. Des Weiteren, und der Beitrag hat das deutlich gemacht, bin ich der Überzeugung, dass auch der Journalismus über die Schiene der Bekanntheitsgrade funktionieren wird. Thomas Knüwer, Stefan Niggemeier, Mario Sixtus, Sascha Lobo. Im Internet längst Begriffe, die für eine bestimmte Art der Berichterstattung stehen. Heribert Prantl kennen dann eher weniger Menschen. Und das hat nichts mit der Qualität seiner Texte zu tun. Vielmehr mit Sichtbarkeit.

Du hast es erkannt! :) Was die Bezahlmöglichkeiten betrifft: werden so um die 70Cent pro Download haben wollen oder halt 12€ plus Porto für die Pladde. Sind was Vorproduktion, Mastering und CD-Herstellung (inkl. Presswerk fürs Booklet etc.) monetär natürlich in Vorleistung getreten – aber wird schon.
Klar, Du kennst jetzt nur mich, weder den Rest der Band noch die Mucke (will ich mal so sagen), aber: haben auch kleine offline-Fanbase :), sind bei uns im lauschigen Kiel so eine Art Lokal-najaduweisstschon und wie genau definiert man Erfolg?
Wir wollen spielen, dafür machen wir das Alles. Bühne und sein Sohn, Leute unterhalten, positive Vibrations spreaden – all sowas. Wenn da was hängenbleibt, schön. Wenn mehr hängenbleibt: besser. Wenn sich das aber gerade so rechnet hatten wir immer noch eins: 6 Hände voll Spaß.
Am Ende geht’s doch nur ums Glücklichsein, mehr nicht. :)