Ich mag es, wenn der Sommer kommt und die Nächte warm genug werden, um sie im Freien zu genießen. Gestern stand ich auf dem Balkon meines Freundes – ein Luxus, den meine eigene Wohnung leider nicht bieten kann – und guckte ganz kitschig in den Sternenhimmel. Irgendwie macht mich das immer melancholisch und ich denke an vergangene Zeiten und an die letzten Male, die ich den Sternenhimmel betrachtete, die Orte, von denen aus ich ihn sah.
Ich glaube, die meiste Zeit über betrachtete ich ihn vom Balkon einer Freundin aus. Wie das mit Freunden nun mal so ist, lief es auch hier: Sie kommen und gehen. Irgendwann erreicht man eine gewisse Reife, die es einem ermöglicht, zu erkennen, dass keine Freundschaft ewig währt. Stattdessen sind da Lebensabschnittsfreundschaften. Menschen, die ich mit Phasen meiner Vergangenheit und Gegenwart verbinde und die ich teilweise schweren Herzens, teilweise voller Freude hinter mir ließ.
Auf dem Balkon der ehemaligen Freundin, die ich mit Freuden hinter mir ließ, war es still. Zwar lag die Wohnung mitten in der Innenstadt, der Balkon jedoch ging nach hinten raus und schwebte über dem nachts stets verlassenen Hinterhof einer Familie, deren Kinder ich während meiner Praktikumszeit im Kindergarten … erzog? Sagt man da so? Ihr wisst, was ich meine.
Die Stadt ist klein gewesen, jeder kannte jeden und es ist kaum möglich gewesen, sich aus dem Weg zu gehen – so auch nicht verwunderlich, dass der Balkon der ehemaligen Freundin sich über dem Hinterhof dieser Kinder befand.

(Via)
Wenn Schatten durch den Hof flogen, brauchten wir gar nicht hinzusehen, um zu wissen, dass es Fledermäuse waren – wir konnten sie hören. Wir konnten sie hören und das war nie etwas Besonderes, das ist es erst jetzt, denn als ich gestern auf dem Balkon von Chris stand, konnte ich sie nicht hören, die Schatten, die durch den Hinterhof flogen. Da war ein leises Fiepsen, sobald ich mich darauf konzentrierte, aber genauso wie die Freundin zu vergangenen Lebensabschnitten gehört, werde ich mich wohl nun von den Fledermausgeräuschen verabschieden müssen.
Ich wusste ja, dass das Gehör mit der Zeit schlechter wird und irgendwann der Zeitpunkt kommt, zu dem man keine Fledermäuse mehr hören kann, aber .. jetzt schon?
Und irgendwie ist es die Frage, die seit einigen Wochen zu meinem ständigen Begleiter geworden ist: Jetzt schon?
ich glaube, dass ich noch niemals Fledermäuse gehört habe und dachte immer die quitschen im Ultraschallbereich (?!) welches ein menschliches Ohr eh nicht wahrnehmen kann. Villeicht war es bei deiner ehmaligen Freundin eine andere Gattung oder gerade Fickzeit für die kleinen Tierchen?!
“…verständigen sie sich aber mit Soziallauten, die das menschliche Ohr aber ebenfalls kaum wahrnimmt: “Kinder können es noch hören, Erwachsene meist nicht”, sagt Leppelsack.”