Von Abtreibungen und Birnen

28. Mai 2010 • Kategorie: Allgemein • Kommentare: 7
Von Abtreibungen und Birnen

Minkenberg, Michael: Abtreibungsregime im Vergleich

Untersuchung des politischen Outputs eines Systems – Public Policy
Liberalisierung der Abtreibungsregelungen = Ausdruck eines Säkularisierungsprozesses
Ebenfalls ein religiöser Einfluss auf public policy zu erkennen = Nachweis von Verwendung des Säkularisierungskonzeptes abhängig.
Politische Mobilisierung von Religiosität …

… So weit kam ich, ehe ich mich entschied, dass Stichpunkte zu Texten völlig überbewertet werden. Eigentlich sollte ich den Text bis heute gelesen haben. Noch eigentlicher sollte ich sogar nicht nur diesen, sondern auch zwei weitere Texte bis heute gelesen haben. Stattdessen lümmelte ich in meinem Bett rum, las das neue Buch von John Irving und sagte mir die ganze Zeit, dass ich gleich ganz bestimmt diesen Abtreibungstext lese und die anderen beiden auch, deren Themen mit dem Säkularisierungsprozess und Religion in Europa nur unwesentlich interessanter waren.

Aber da fällt mir ein .. Kennt ihr diese typische Szene, die sich täglich in millionen von Supermärkten abspielt? Eine überforderte Mutter, die aussieht, als hätte sie sich schon ewig nicht mehr um ihre Haare und Nägel gekümmert und ein kleines Kind – gerade alt genug, um selbst laufen zu können und somit leider auch alt genug, um sich bereits einigermaßen zu artikulieren. Das Kind zerrt an der Mutter, plärrt rum, während sie energisch den Einkaufswagen durch die viel zu vollen Gänge bugsiert, ohne zu realisieren, dass sie sich in einem Supermarkt befindet, der nicht für Mütter mit Einkaufswägen gemacht ist – hier werden Körbe benutzt, Frau! Körbe!1

Das Kind zerrt und plärrt und zeigt auf irgendwas und in den meisten Fällen ist es kariesverursachendes Scheißzeug, das zu 90% aus Chemikalien und zu 10% aus Wasser besteht, aber umbedingt das muss es sein und nur das und am liebsten sofort, wenn nicht sogar schon vorher. Keine Ahnung, wie ich darauf reagieren würde, wenn mein Kind so ein Theater veranstalten würde. Eigentlich bin ich ganz gut darin, so etwas zu ignorieren – andererseits mag ich es gar nicht, wenn Leute mich angucken und dabei Sätze denken, die das Wort “unfähig” beinhalten. Vermutlich würde mein Kind also kriegen, was auch immer es haben will. Noch vermutlicher würde aus dem Scheißvieh dann so ne verzogene Göre werden, die ständig angerannt kommt und um Geld bettelt – so wie ich. Oh Gott, das kann ja heiter werden.

Worauf ich auf jeden Fall hinaus will: Dieses Kind plärrte immer lauter und während ich zwei Paprika in meinen Einkaufskorb warf, musste ich mich einfach umdrehen, um zu sehen, was es eigentlich will. Könnte ja sein, dass es was wirklich Leckeres ist und ich es an seiner Stelle kaufen will. Natürlich so, dass das Kind es sieht und noch hysterischer an seiner Mutter zerrt – sonst wär das ja kein Spaß. Aber wisst ihr, was es wollte? Wisst ihr, was seine Mutter ihm verweigerte? Eine Birne. Es ging einfach nur um eine Birne.

Ich meine .. Leute, wenn das was gewesen wäre, was irre fett macht oder einfach schädlich ist, weils so voll mit Glutamat ist, dass das Kind einem epileptischen Anfall kriegend zu Boden stürzen würde, um elendig an einem Herzinfarkt zu verrecken (und das mit maximal 5 Jahren!) – dann, ja dann hätte ich verstanden, wieso die Mutter sich so kwerstellte. Aber es war eine ganz öde, langweilige, gesunde Birne.

Hiermit schwöre ich feierlich: Sollte mein zukünftiges Kind jemals eine Birne haben wollen, wird es die kriegen. Ich will dann auch noch nicht einmal etwas abhaben. Andererseits .. Vielleicht ging es der Mutter nur ums Prinzip und ich beobachtete sie dabei, wie sie ihr Kind lehrte, das man nicht immer alles haben kann?

Was würdet ihr denn tun? Kriegt euer Kind die Birne? Oder muss es ewig weiter plärren, bis wirklich der komplette Supermarkt Bescheid weiß?

(Via)


  1. Also ich kaufe nicht alles was die Lütte will. Und wenn das Obst im Supermarkt besonders teuer ist oder die blöde Gurke nen € kosten soll, dann vertröste ich auch oder schlag was anderes vor.
    Zum Glück gibts aber selten lautstarkes Geplärre und in den Korb passt ja auch zum Glück nicht viel rein…

  2. Supermarkt-Mamis mit solchen völlig durchgedrehten und nicht mehr ansprechbaren Kleinkindern lieben mich. Wirklich. Ich nehme sie für ernst, gehe zu ihnen hin und frage mit finterer Miene und lauter Stimme “Was ist denn? Warum plärrst Du? Tut Dir was weh?” Die Reaktion ist immer die gleiche: Finger in den Mund und schluchzend den Kopf an Mamis Brust gedrückt. “Oh, der böse Mann hat geschimpft.” Pffft… zumindest für die nächten Minuten, bis ich durch die Kasse bin, ist Ruhe.

    Meine eigenen Kinder waren da ganz anders. Sie fragten höflich “Papa, darf ich das haben?” — “Nein.” Und schon lasen sie weiter in Jack Kerouacs “On The Road” oder William S. Burroughs “Naked Lunch”. Natürlich im Original.

  3. @Georg
    *g

    meine blagen, die ich nie bekommen werde, würden ein’s auf’n hintern kriegen, fürchte ich ^^. jedenfalls bei zuckerzeug. bei obst und gemüse wäre ich vermutlich ‘schwach’ und würde ‘alles’ kaufen, weil ich selbst früher ziemlich viel süßkram bekam und ja jetzt weiß, wozu das führt… ^^

  4. @ rebhuhn
    Ich schlage keine Kinder, ich guck nur so ;-)

  5. @feronia: Ich glaub, ich wüsste gar nicht, wie ich mit lautem Weinen umgehen sollte Oo Ich wär total überfordert.
    @Dad: Ich fuhr grad mit dem Bus nach Hause, hatte irre Kopfweh und ein Kind plärrte. Ich wollte es erwürgen.
    @rebhuhn: Ich mag gar kein Obst – also selten. Aber wenn mein Kind welches wollen würde, würds das kriegen :D

  6. ich glaube bei Obst würde ich schwach werden. Mein Kind dürfte Obst essen so viel es will, weil ich selber viel zu wenig esse.

    Bei süßkram und kindern bin ich relativ skeptisch. Das wär dann auch was anderes. Aber gesundes obst, joa.

    Es kann aber auch sein, dass es wirklich nur ums Prinzip ging. Habe ich schon öfters gesehen und mitbekommen, und bei einer Freundin hat das richtig gut funktioniert – ihr kleiner Sohn hat das ganz schnell begriffen. : ) (Aber er ist sowieso süß und lieb und hach.)

    Für mich wäre es -wenn es ums Prinzip geht- okay. Ich könntes nicht, aber ich finds irgendwie beneidenswert. Eben weil ich es nicht könnte. :)

  7. Die einen gucken dich an und denken unfähig wenn das Kind schreit, die anderen wenn du alles kaufst. Letzteres ist unauffälliger, mehr nicht.

    Wenn mein Kind Obst WOLLEN würde, würde es Obst kriegen. Aber ich hoffe, ich muss mich dem nie stellen, ich hasse schreiende Blagen (siehe deine Busszene) und das überwiegt auch diese knuddeligen lieben Monster vom Judo.