Burn-Out

29. Mai 2010 • Kategorie: Uni • Kommentare: 12
Burn-Out

Eigentlich hasse ich es, Referate halten zu müssen. Alle starren mich an und ich komm mir ganz klein und angestarrt vor. Aber das heutige Referat ist Kathy und mir echt gut gelungen. Es ging um japanische Kommunikationsformen und wir haben einfach mal Emoticons vorgestellt und Gefühle bestimmt, die an die Tafel gemalt werden mussten. So könnten Referate ruhig öfter laufen.

Generell geht es mir aber nicht gut. Es geht mir einfach nicht gut. Ich werde müde, es ständig zu betonen. Es nervt mich, dass ich immerzu schlecht gelaunt bin, dass selbst die einfachsten Dinge fast unüberwindbar erscheinen und ich eigentlich wirklich die ganze Zeit nur weinen könnte. Sarah sagte letztens (und es ist an dieser Stelle gar nicht wichtig, dass ihr erfahrt, wer sie ist, weil es reicht, wenn ich das weiß), ich solle aufpassen, dass ich kein Burn-Out-Syndrom bekomme und ich bin nicht doof – oder vielleicht doch – natürlich habe ich meine “Symptome”, sofern man denn von welchen sprechen kann, gegoogelt. Sollte ich also keinen Gehirntumor haben – und ich geh einfach mal davon aus, dass ich keinen habe – habe ich eindeutig einen Burn-Out.

In meinem Zimmer türmen sich Klamottenberge. Ich habe keine Zeit, aufzuräumen. Ich habe auch keine Kraft mehr dazu. Allein der Gedanke, damit anzufangen, lässt mich erstarren. Die letzten Tage habe ich bei Chris gegessen und gekocht – nicht, weil meine Küche unbegehbar wäre, die ist sauber und völlig in Ordnung, aber so soll es auch bleiben. Wenn ich sie zum Kochen benutzte, müsste ich sie danach aufräumen und das schaffe ich nicht.

Erst wusste ich gar nicht, mit wem ich darüber reden soll. Es nervt mich so hart, dass ich überhaupt seit Monaten kaum ein anderes Thema als meine Wehwehchen und meine verschwundene Energie kenne, aber dann sprach Duygu das Thema an. Auch hier gilt: Gar nicht wichtig für euch, wer sie ist, ich weiß es ja schließlich. Ihr geht es genauso. Der ganze Stress des letzten Jahres schlägt zu, die ganzen Phasen, in denen wir über Wochen hinweg eine Hausarbeit nach der anderen schrieben, Content wie am Fließband produzierten, Kompaktseminare hatten, die das Wochenende gänzlich und bis abends hin beanspruchten .. Die Referate, die wir nicht lieben, aber hinnahmen – was sollten wir auch sonst tun. Zusätzlich private Probleme, finanzielle Probleme, problematische Probleme und noch viel mehr Probleme. Es gab nie ein Ende, nicht einmal jetzt – aber jetzt entzerrt es sich ein wenig. Und gerade jetzt, wo alles ein ganz klein wenig lockerer laufen könnte, wo der Stress nachlässt und man wieder frei atmen könnte .. Gerade jetzt spüre ich, wie sehr das letzte Jahr an meinen Kräften gezehrt hat und wie wenig von dem übrig geblieben ist, was ich einmal als Kraft, Motivation, Ehrgeiz oder einfach als mich bezeichnet habe.

Da ist nichts mehr. Da sind keine Reserven, mit denen ich arbeiten könnte oder die ich zu dem umsetzen könnte, was auch jetzt noch getan werden muss. Waren es anfangs 8 Hausarbeiten, die darauf warteten, geschrieben zu werden, sind es jetzt vielleicht noch 2. Aber irgendwie ist das gar kein Unterschied, wenn man nichts mehr hat, was man geben kann.

Also was tue ich, um meinen Burn-Out zu behandeln? Und zwar ohne, dass ich zum Arzt gehe – das riefe nur neue Zeit- und Finanzprobleme hervor und das wollen wir ja nicht. Was für Tipps habt ihr, was einfach nur das Entspannen betrifft? Wie schaffe ich es, einfach mal abzuschalten, nichts zu tun und wieder atmen zu lernen?


  1. vielleicht wirst du lachen, aber gerade gestern habe ich mich gefragt, wie du das momentan alles reißt o_O!!

    nimm dir eine routine – 20 minuten jeden tag für dich. oder ‘ne stunde, egal, etwas, worauf du dich freuen kannst, das ‘immer da’ ist und was dich beruhigt. versuche, IMMER ausreichend zu schlafen.

  2. Versuche, *langfristig* für Entlastung zu sorgen — beispielsweise durch ein optimierteres Zeitmanagement. Trenne Dich von Umständen, die Dir Zeit und Kraft rauben, Dich aber effektiv nicht weiterbringen (das können Angewohnheiten, Aufgaben, aber auch irgendwelche Leute sein). Und sei hin und wieder egoistisch — nicht im Sinne “völliger Egotrip”, sondern mehr: “Meine Zeit. Mein Raum. Mein Ding.” Rebhuns Ansatz mit “ausreichend schlafen” ist ein wichtiger Punkt, “vernünftig essen” möchte ich in dem Kontext ergänzen.

    Und: lerne, wenn es nötig ist, auch mal “nein” zu sagen. Wenn auch ungern. Und allem zum Trotz.

  3. Also wenn es wirklich ein richtiger burn out ist, komplett und bis zu allerletzt – klingt aber noch nicht ganz so schlimm: dann hilft nur ne Pause…

    kann man sich meistens nicht leisten, ist aber das einzig wahre… sonst schleppst du es immer mehr schlecht als recht die nächsten jahre mit dir rum…

    ich weiß wovon ich spreche

  4. @rebhuhn: Reißen ist ein treffendes Verb. Ich zerreiß mich, um überall zugleich zu sein und allem gerecht zu werden. Schlafen klappt selten. Ganz gleich, wann ich ins Bett gehe – um 8 oder halb 9 bin ich wieder wach und an durchschlafen ist gar nicht zu denken.
    @localwurst: Mhh, das ist vielleicht keine dumme Idee, sich von einigen Umständen zu trennen. Vernünftig essen ist das Einzige, was ich noch einigermaßen zufrieden stellend hinbekomme.
    @hausschuh: Ich weiß nicht, woher ich Zeit für ne Pause nehmen soll und ich hab das Gefühl, als würden einige Tage Pause ohnehn nicht reichen :D

  5. Ich meinte damit auch eher ein Semester…
    und das Zeitproblem kenn ich, ich sprach es ja an, der Punkt ist halt nur: alles andere ist kurzfristige Symptombekämpfung

  6. Ich kann kein Semester frei machen .. Das geht einfach nicht. : (

  7. Es gibt kein Mittel dagegen, außer die Quelle des Stress zu eleminieren ,Punkt.

    Ich kenn das Gefühl nur zu gut nicht mehr atmen zu können und Entspannungsphasen für ne Stunde, ruhige Musik,Zeitmanagement ect. der ganze Käse wirkt einfach nicht, wenn du weist da ist noch was, was getan werden MUSS. Ich frage mich auch bis heute wie Leute “abschalten” können, wenn ihnen die Scheiße im Nacken sitzt.

    Leider kann ich dir nur sagen, Augen zu und durchbeißen und auf Ferien hoffen.
    Jeder vergangene Tag ist ein Tag näher an den Ferien.

    Halte durch!

    LG LAZY

  8. Alles was bisher genannt wurde hat was sinnvolles… schlafen und essen, damit du nicht physisch kaputt gehst. Was mir immer hilft, wenn mir mal wieder die Decke auf den Kopf fällt vor lauter Kram der erledigt werden will: Ganz bewusst, konzentriert und notfalls sich dazu zwingen immer nur EINE Sache auf einmal zu bearbeiten. Der ganze Scheiß muss ja bearbeitet werden, hilft ja nix. Am Besten geht das, wenn man wirklich eins nach dem anderen angeht. Und nicht darüber nachdenken welches zuerst, entweder hat irgendwas Priorität, dann das – sonst willkürlich das erste was dir einfällt. Dinge sofort erledigen, nicht noch neues aufschieben.

    Und ja… falls sich irgendwann Gelegenheit bietet, mach ne Pause. n Semester geht bei dir nicht, schreibst du, dann such dir was anderes wie du für ne Zeit weg kommst von dem was dich belastet. Für Urlaub wirst du kein Geld haben, vielleicht hast du Freunde die dich aufnehmen.

    Es läuft immer auf das Gleiche hinaus: Wenn dich iwas stressen will, tret es weg. Wenn du gerade Pause machst, mach Pause, und zwar ganz, nicht halb. Wenn du grad was bearbeitest, bearbeite es, und zwar genau das, nicht drei andere Dinge auch noch und auch nicht nur halb.

  9. Meh, das Formatierungsding hat meine Leerzeilen getötet und am Ende fehlt was.

    Alles Gute, Hannah. Ich drück dir die Daumen dass du da raus kommst.

  10. @LAZY: Oje, erinner mich nicht an die “Ferien”. Bist du in der Schule oder in der Uni? In meiner Uni ist das so: Während des Semesters ist es noch einigermaßen “entspannt” und man hat nur einige Referate zu halten und Hausarbeiten fertig zu machen. Aber in den Ferien wirds dann heftig: Alles will geschrieben und gemacht werden und es ist kein Ende mehr in Sicht.
    @Konzertheld: Nur eine Sache nach der anderen, mh. Das versuch ich zur Zeit, aber irgendwie merk ich, dass ich dann doch nach ner Weile wieder parallel an mehreren Dingen arbeite. Für Blind Booking hab ich vermutlich bald Geld : )

  11. Oh stimmt, Blind Booking ist ne coole Idee. Dann viel Spaß schonmal und nichts stressiges mitnehmen ;)

  12. :D Bin gespannt, ob ichs wirklich durchzieh, haha