Das Telefon klingelt. Am anderen Ende eine fremde Stimme. Wenig Worte. Aufnahme an der Universität. Termin zur Eignungsprüfung dann und dann. Mein Herz rast. Es rennt mir davon, rennt voraus, während ich erstarrt auf dem Sofa sitze und nicht glaube, dass doch noch eine Zusage kam.
Die Fahrt im Auto ist lang. Länger als erwartet. Ich bin froh, dass ich nicht fahren muss. Mein Herz rast schon wieder. Rast immer noch. Eigentlich ist es seit dem Anruf nicht zur Ruhe gekommen. Der Zettel in meinen Händen zerknittert, die Worte darauf verschwimmen, aber ich weiß ohnehin nicht mehr, was ich in dem Essay schrieb, der mir den Termin verschaffte.
Fremde Stadt. Berge. Verdammt, muss ich da mal hochlaufen? Egal, erstmal den Termin schaffen. In der Uni müffelt es. Riecht nach Turnhalle. Irgendwie schweißig und nach Linoleum. Keine angenehme Assoziation, aber mein Herz rast ohnehin noch immer. Ich kann den Raum nicht finden. Überall zweigen Gänge ab, über den Türen sind Buchstaben, daneben Zahlen. Mein Raum ist doch ganz woanders. Wieso ist es hier eigentlich so still, ich will mein Herz nicht länger hören.
Der Aufzug ist viel zu leise. Technische Gerätschaften sollten Geräusche machen und schwer sein, sonst sind sie irgendwie nicht echt. Wieso ruckelt und summt der nicht? Wenigstens wird die Etage angesagt. Die Frauenstimme übertönt kurz mein Herz.
Rechts zur Tür rein. Der Gang ist viel zu eng. Verdammt, nur zwei Stühle. Wieso sitzt die denn da, da will ich sitzen. Meine Beine fühlen sich an wie Pudding. Muss die auch zum Testgespräch? Hoffentlich ist die nicht besser als ich. Vielleicht studiert sie ja später mit mir. Sieht nett aus.
Rein. Gespräch. Raus. Mehr Zittern als vorher.
“Wie liefs?” – “Gut, viel Glück dir.” – “Danke.”
Das war vor drei Jahren. Heute studiere ich und manchmal erinnere ich mich an das Gefühl, das ich hatte, als ich alleine in diesem viel zu großen Raum saß und der Dozent prüfte, ob ich es überhaupt wert bin, da zu sitzen. Noch immer weiß ich, wie der Satz “Ich bin Student” beim ersten Aussprechen schmeckte. Und tatsächlich studiert die Stuhlwegnehmerin mit mir. Damals war ich nervös und wollte sitzen, Duygu. Aber heute würde ich dir jederzeit meinen Stuhl überlassen. Danke fürs immer Zuhören, fürs da sein und helfen, fürs Unterstützen, wenn ich mal allein nicht weiter weiß und fürs in den Arsch treten, wenn ich die Motivation verloren habe.
Ich finde, man sollte viel öfter Danke sagen.
danke
Das ist so süß von dir :). Du brauchst mir nicht zu danken, denn du bist auch immer für mich da und vor allem korrigierst du immer meine zu langen Hausarbeiten ohne zu meckern :). Alles beruht auf Gegenseitigkeit und deshalb verstehen wir uns auch meistens gut.
hdl
Ich kenne deine Situation und ja, mir erging es ähnlich. Es ist nun auch schon bei mir fast 3 Jahre her und ich muss jedes Mal lachen, wenn ich neue Bewerber sehe, die ebenfalls atemlos rumrennen und mich nach Räumen fragen. In der nächsten Minute flitzen sie dann auch schon weiter. Ich wünsch ihnen immer viel Glück, aber ich glaube, dass geht in der Aufgeregtheit unter. Ab und zu sehe ich dann wieder ein paar Gesichter, die es dann doch geschafft haben. Dann denke ich, dass es denen wohl in zwei Jahren genauso geht wie mir jetzt…
lg
Danke! :)