FAZ

18. August 2010 • Kategorie: Alltag • Kommentare: 11
FAZ

Durch diese beiden unglaublich genialen Seminare, die ich in den letzten Tagen besuchen durfte, besuchte ich gestern die FAZ in Frankfurt. Schon vorher war ich wahnsinnig aufgeregt, immerhin war ich noch nie in Frankfurt und so eine Führung durch einen Presseverlag stellt man sich ja auch wahnsinnig interessant vor – der erste Blick auf die Stadt war allerdings schon ernüchternd. Hochhäuser, Plattenbauten, Menschen in Anzügen, die den Blick auf die Welt irgendwo zwischen Kindheit und Ausbildung verloren haben und eine U-Bahn Fahrt zur FAZ. Dort angekommen empfing uns der Pförtner mit den Worten: „Setzen Sie sich dahinten hin, Sie stören im Eingangsbereich.“ .. Ja, in Ordnung, kleiner unbedeutender Mann. Die „Führung“ öffnete mir dann vollends die Augen – geführt wurden wir nämlich nur einige Etagen höher in einen Raum, weit weg von den Redaktionsräumen selbst, die Tabu waren, weil .. wir ein Sicherheitsrisiko waren. Auf Nachfragen erklärte mir die Dame, dass verhindert werden wolle, dass wir Informationen an die Konkurrenz weitergeben – aha.

Ein kleiner Propagandafilm zum Einstieg mit der immerzu wiederholten Botschaft, dass für die FAZ alles möglich sei, anschließend ein Frage-Antwort-Spiel mit Dr. Blasius – irgendeinem Historiker, der in der FAZ vermutlich genauso viel zu sagen hat wie ich. Fragen beantwortete er mit einem der Firmenphilosophie entsprechenden Desinteresse – nein, das Internet sei keinerlei Konkurrenz, immerhin hätten 85% aller FAZ Leser die Zeitung sogar abonniert und überhaupt sei die FAZ ja auch sehr modern, immerhin haben sie ein in der Farbe Rot gehaltenes Inhaltsverzeichnis und ein Foto auf jeder Titelseite – herausragend. Politisch seien sie vollkommen neutral, würden sich keiner Partei zuordnen und sowas gäbe es heutzutage ja gar nicht mehr.

Mein Fazit: Wenn ihr daran interessiert seid, etwas über die Arbeit in Presseverlagen zu hören, geht nicht zur FAZ. Sobald die Printmedien untergehen, wird diese Zeitung eine der ersten sein, die von der Bildfläche verschwindet – und allein aufgrund ihrer arroganten und in sich geschlossenen Haltung hat sie das auch voll und ganz verdient.

Sollte ich mir jemals aus Langeweile eine Zeitung kaufen – es wird keine FAZ sein. Zumindest nicht vor meinem 80. Lebensjahr – erst dann dürften wir etwa dasselbe Weltbild haben.

Btw haben die Guten nicht einmal einen Twitter-Account, den man anmeckern könnte. Genau genommen haben die sich nämlich für jeden Bereich ihrer Zeitung (Politik, Kultur, Sport etc.) einen Account gemacht, der brav auf alle Artikel hinweist, die in der Online-Ausgabe erscheinen. oô Da könnt ich auch nen RSS Feed abonnieren.


  1. Web ZwoPunktNull-technisch geht halt nix über die Rhein-Zeitung.

  2. die FAZ ist halt was gediegener.. ;)

    Ich mag das Feuilleton. Das hebt mir mein Opa immer auf *g*

  3. Wie du Frankfurt beschreibst, macht mich das echt traurig :( Ich liebe diese Stadt so sehr, wie man eben eine Stadt lieben kann.

  4. @stiller: Ja, die kann man ja nur liebhaben. Aber so Leute, die sich total dagegen stellen .. wie soll das was geben?

    @Steffi: Ich habs nie gelesen und nach dem Tag da, will ichs auch nich xD

    @Sumi: Oh, hey, ich hab nicht besonders viel zu sehen bekommen. Der McDonalds im Hauptbahnhof ist wunderschön – Mosaikboden und so, sehr geil. Aber ansonsten sah ich nur eine U-Bahn, das FAZ Gebäude und eine Hauptstraße mit vielen Anzugträgern :D

  5. Ok, das mit der Führung bei der FAZ ist wirklich traurig. Ich war auch erst einmal in Frankfurt und nur im Kongresszentrum des Messegeländes. Also eigentlich kenne ich Frankfurt auch nur auf den ersten Blick. Aber im Gegensatz zu dir war ich vom Hochhaus-/Bankenviertel restlos fasziniert. Und ich dachte nur, wie großartig dann erst Manhattan sein muss.
    Allerdings bin ich auch froh, dass ich zu den Bankern in Anzügen nie gehören werde.

  6. *schmunzel*

    (Schmunzeln ist Vanille für die Seele, sagt der große, große Max Goldt.)

  7. So schlimm ist Frankfurt echt nicht! Die Stadt hat eine zweite Chance verdient! Und dann wirst du Ecken entdecken, die du nie und nimmer dort erwartet hättest.

  8. @benne: Ich glaub, mir gefiel dieser Mischmasch nicht. Business- und Hochhausbauten auf der einen Seite, Altbauten und Schmuckelemente aus der (Vor-)Kriegszeit auf der anderen.

    @ben_: Ich steh auf Vanille.

    @miss carrie: :D Vielleicht verschlägt es mich zur Buchmesse wieder in die Stadt.

  9. Da es die Stadt meiner Geburt ist, hab’ ich Frankfurt trotzdem lieb. Die FR wäre sicherlich offener gewesen und hätte mehr gezeigt. :) Ja, die Buchmesse ist sicherlich einen Besuch wert.

  10. Tagsüber ist Frankfurt übrigens echt ne Kackstadt. Grau, groß, größenwahnsinnig. Aber nachts ist es schon ziemlich gut, limonadenzuckergeschockt aus dem Nachtleben oder der Batsch zu fallen, durch die Straßen zu wanken und hoch zu den fast in den Sternen klebenden Spitzen der Hochhäuser zu schauen.

    Aber so cool wie Köln ist Frankfurt beileibe nicht.

  11. Arbeitsmäßig hatte ich mal Termine bei der ZEIT, Focus Money und bei der BILD (etc), nur bei letzterer waren wir in nem Redaktionsraum – aber keine Fotos ;) OK, wir waren aber auch zu nem thematischen Gesprächstermin da. Trotzdem fand ich es interessant.

    @ben: Max Goldt ♥ :)